Jesus, der König
KAPITEL 7,1-6: RICHTET NICHT!
An wen sind diese Worte zunächst einmal gerichtet? = an die Zuhörer der damaligen Zeit! (Jesus steht an einem Berg bei Kapernaum und predigt zum Volk.) Dabei denkt Jesus an eine ganz bestimmte Gruppe von Menschen, vor denen er seine Zuhörer warnen möchte. Jesus sagt das alles in Bezug auf die Pharisäer und Schriftgelehrten, die sich mit ihrer Frömmigkeit besser vorkamen, als alle andern und dabei auf andere Menschen herabschauten: Mt 5,20; 21,45-46.
Pharisäer = Abgesonderte:
Sie sonderten sich ab, vom sich ständig weiter entwickelnden Liberalismus. Seit der Wegführung in die babylonische Gefangenschaft wurden die Juden von verschiedenen Völkern und Kulturen dominiert und stark beeinflusst. So sonderten sich gläubige Bauernjuden und Handwerker vom Judentum ab, indem sie versuchten, die Gebote Gottes genauer zu befolgen, d. h. sich besonders an den Wortlaut des Pentateuchs (= Mosebücher), zu halten. Um das Gesetz Mose zu erfüllen, legten sie es genauer aus und ergänzten es mit 613 zusätzlichen Satzungen (=Tora), die als verbindlich galten. Die Pharisäer betonten besonders den Sabbat, den Zehnten und legten grossen Wert auf Reinheitsgesetze (vieles galt zusätzlich als unrein). Diese Bemühungen führten zu einer religiösen Elitegruppe, die sich von den übrigen Juden absonderten, oder abhoben. (siehe: Der Sauerteig der Pharisäer).
Auch die Sadduzäer kamen sich als eine religiöse Elitegruppe vor. Sie glaubten nicht an die Auferstehung der Toten, noch an Engel (Apg 23,8). Sie waren vornehmere Leute, Priester und Aristokraten.
Die Schriftgelehrten waren die Gesetzeslehrer, aus den Kreisen der Pharisäer und Sadduzäer. Sie erliessen viele Vorschriften und lehrten in Tempeln und Synagogen. Unter ihnen gab es einige, die Mitglieder des Sanhedrins, des grossen Ältestenrates, in Jerusalem waren.
Bezüglich dieser jüdischen Gruppen herrscht heute ein grosses Missverständnis: Aus dem Talmud kann man deutlich erkennen, dass es viele Parteiungen unter den Pharisäern gab, die sich in verschiedenen Themen uneins waren. Es gab mindestens sieben Kategorien.
Jesus verurteilt die Haltung dieser jüdischen Gruppierungen und nennt sie „Heuchler“ (Mt 15,7; 22,18; 23,13.15.23.27.29). Dabei gilt zu beachten, dass Jesus unter diesem Begriff etwas anderes verstand, als wir heute. Was verstehen wir heute unter einem Heuchler?
- Ein unehrlicher Mensch, der bewusst andern etwas vorheuchelt, um sie zu täuschen.
- Ein oberflächlicher Mensch, der mit den Gefühlen anderer Menschen spielt und sogar eine religiöse Maske tragen kann.
Die Pharisäer jedoch lebten ihre religiösen Überzeugungen mit allem Eifer und Ernsthaftigkeit (z. B. Saulus in Apg 6). Jesus verurteilt sie als Heuchler, weil er ihnen bewusst machen will, dass sie, zum Beispiel die Einhaltung der 10 Gebote predigten, die sie ja selbst übertraten (Ex 20,12 und Mt 15,1-9; Ex 20,13 und Joh 11,50). Während sie sich heiliger und gerechter als das übrige jüdische Volk vorkamen (von Heiden ganz zu schweigen), verletzten sie Gottes Gebote. Diese Heuchelei versuchte Jesus aufzudecken, indem er beispielhaft erklärte, dass keiner mit einem Balken im Auge jemandem helfen kann, einen Splitter im Auge herausziehen, da er ja selbst nichts sieht! Unter ihrem strengen Gericht gab es niemand, ausser sie selbst, der für Gott gut genug war (krino = richten, beurteilen, Bsp. Pharisäer und Zöllner). Durch ihren religiösen Eifer verfielen sie der Falle der Überheblichkeit, des Kritisierens, des Richtens (krites = Richter, siehe Koh 7,16-21). Biblische Beispiele: Mt 12,1-2.12-14.23-24; 15,1-2; 16,1; 19,3; 22,15.
Wie können wir nun diese Worte in unserer Zeit anwenden?
Auch wir können religiöse Heuchler sein, die andere mit allem Eifer richten und verurteilen und dabei uns selbst etwas vormachen: Römer 2,1-3. Was macht ein Mensch, der andere falsch richtet? Er beurteilt andere, indem er sein eigenes Vorurteil macht: 1Sam 1,14-17. Er bringt falsches Zeugnis vor, um andere zu schädigen: Apg 6,8-15. Er redet schlecht über andere, kritisiert, verurteilt und verflucht: Jak 3,8-12.
Was sind die Wurzeln des Richtens?
Unzufriedenheit, die jemand vertuschen will, um bei anderen das Haar in der Suppe zu suchen. Schwächen, von denen jemand ablenken will und dabei versucht, auf Kosten anderer, sich selbst besser darzustellen. Gesetzlichkeit, falsche Frömmigkeit, die anderen eine Bürde auferlegt, die man selbst nicht tragen kann. Überheblichkeit, indem man sich in der Position eines Richters über andere erhebt.
Warum sollen wir nicht Richten und Verleumden?
- Weil mit dem Mass, mit dem wir richten, gerichtet werden: Mt 7,1; 12,33-37; Ps 101,5; Spr 18,6-8. Gottes Gericht wird erbarmungslos sein gegen alle Unbarmherzigen: Jak 2,13 (Bsp. Mt 18 vom unbarmherzigen Knecht).
- Weil wir als neugeborene Kinder Gottes jede Bosheit ablegen sollen: 1Petr 2,1-2; 3,9-11. Weil es Streitigkeiten und Parteiung erzeugt (Spr 16,28; 18,21-23). Weil wir so uns Gott nicht nähern können, sondern uns damit versündigen: Psalm 15,3; 140,12.
- Weil so unser ganzer Gottesdienst nichtig ist: Jak 1,26.
- Weil Gott der grosse Richter ist und alles sieht: Jak 4,11-12.
Ist jegliches Richten und Verurteilen falsch und böse?
Nein! Denn Gott selbst wird als gerechter Richter uns alle einst richten durch seinen Sohn, den er dafür bestimmte: Joh 5,22; Apg 17,30 (Mt 19,28). Nein! Wenn wir die Worte Gottes lehren und verkündigen, dann richten nicht wir, sondern die Worte Gottes richten die Menschen: Joh 12,47-50. Wenn wir z. B. sagen, dass Homosexualität Sünde ist, dann reden wir die Wahrheit Gottes: Joh 8,43-47.
Warum werden die Menschen uns verurteilen, wenn wir die Wahrheit reden? = Weil sie die Finsternis mehr lieben als das Licht! Wir müssen uns der Kraft der Wahrheit bewusst sein, denn wenn böse Menschen den fehlerlosen Sohn Gottes verfolgten, wie viel mehr dann uns, die wir ständig Fehler machen?! Wenn wir einen Bruder ermahnen, dann tun wir unsere Pflicht vor Gott: Matthäus 18,15-17. Wer Sünde toleriert, macht sich vor Gott strafbar (Lev 19,16-17). Wir sollen zwischen Gut und Böse unterscheiden.
Ist es richtig, wenn wir jede Kritik von uns weisen?
Nein! Denn wir sollen vielmehr lernen mit Kritik umzugehen, wie Jesus: Die Juden kritisieren Jesus (Lk 15,1-7). Jesus kritisiert die Pharisäer ja auch, indem er vom Richten redet und ihnen sagt (Joh 7,24): „Richtet nicht nach dem Schein, sondern übt gerechtes Gericht!“
Kritik muss nicht immer nur negativ verstanden werden: Es ist wichtig, dass wir Dinge kritisch überprüfen, beurteilen, diskutieren, besprechen. Gesunde Kritik hat mit Abwägung, Beurteilung und dem richtigen Unterscheidungsvermögen zu tun.
Wie können wir dem Richtergeist vorbeugen?
- Indem wir dem Lob nachdenken: Philipper 4,8-9.
- Indem wir den Herrn um eine Wache für unsere Lippen bitten: Psalm 141,3.
- Indem wir dem Gericht Gottes nichts vorwegnehmen wollen: 1Kor. 4,5.
- Indem wir alle bösen Gedanken und Worte ablegen: 1Petr 2,1; Jak 1,21.
- Indem wir nicht nach äusseren Dingen urteilen: Jakobus 2,1-10.
- Indem wir uns nicht besser vorkommen als andere: 1Kor 10,12.
- Indem wir einen vorbildlichen Wandel unter den Heiden leben: 1Petr 2,11-12.
Vers 6: Jesus ermahnt, dass das heilige Wort vom Reich Gottes den Menschen nicht aufgezwungen werden darf. So wie ein Schwein nicht weiss, wie man mit Perlen umgeht, sondern sie zertritt, kann auch der Gottlose und Unbelehrbare mit Gottes Wort nichts anfangen. Es ist eine Geringschätzung Gottes, wenn wir sein Wort wie im „Ausverkauf“ allen Menschen anhängen wollen, indem wir eine „Allversöhnung“ verkündigen. Gottes Angebot ist heilig und gilt allen, die seine Gnade zu schätzen wissen und im Gehorsam darauf antworten!
KAPITEL 7,7-11: BITTET, SO WIRD EUCH GEGEBEN WERDEN
Um was sollen wir den Herrn bitten? - Nach was sollen wir suchen? - Wo sollen wir anklopfen?
1. Wir sollen zuerst nach dem Reich Gottes suchen: Matthäus 6,33. Wie die Menschen damals am falschen Ort suchten, so ist es heute noch! Der gottlose Mensch sucht sein Glück in den Schätzen der Welt und findet es nicht. Wenn der Gläubige seine Gebetserhörung in weltlichen Angelegenheiten sucht, dann wird er enttäuscht. Auch die Welt von damals erwartete einen ganz anderen Messias, gemäss den Schriften der Propheten: Jesaja 9,6-7; Mt 4,15-17. Diese Schriftstellen wurden von den Juden falsch verstanden. Da sie nur die irdische Zeit des König Davids kannten, meinten sie, der neue König richte das Königreich Davids auf Erden wieder so her, wie damals. Doch Gott hatte einen ganz anderen Plan, der sich nicht auf vergängliche und materielle Dinge konzentriert! Die Juden warten bis heute vergebens auf den König, der ihren Vorstellungen entspricht. Jesus erfüllte zwar alle Prophezeiungen im AT, aber nicht auf die Art und Weise, wie es den Erwartungen der Menschen entsprach. Was musste Jesus nach der Speisung der 5000 tun? = Joh 6,14-15.26-27. Jesus musste sich zurückziehen, weil er erkannte, dass die Juden ihn zu ihrem weltlichen König machen wollten. Die Juden erwarteten einen König, der ihre materiellen und fleischlichen Bedürfnisse befriedigt und sie wieder zur stärksten und mächtigsten Nation der Welt machte. Wer den Worten Jesu aufmerksam zuhört, der versteht, dass er in allem was er sagte, niemals von einem weltlichen Königreich redete: Joh 18,36. Mit seinen Zeichen und Wundern wies er darauf hin, dass er der Sohn Gottes ist, dass nun Gottes Reich allen Menschen nahesteht, die ein Leben lang danach gesucht haben! Es geht in Vers 7 nicht um das Versprechen, dass der Mensch alles, wonach er sucht, auch finden wird! Es geht nicht darum, dass Gott uns alle Wünsche erfüllen wird, wenn wir ihn darum bitten!
2. Wir sollen den Herrn um unvergängliche Dinge bitten: Kolosser 3,1-4. Was auch immer mit uns auf dieser Welt passiert, wir sollen unsere Blicke himmelwärts richten, wie Stephanus: Apg 7,54-60. Johannes der Täufer hatte plötzlich ernsthafte Zweifel über diesen Messias, als er ins Gefängnis gesetzt wurde und liess deshalb fragen: Mt 11,1-6. Viele Menschen machen Gott für alles böse auf dieser Welt verantwortlich und sind enttäuscht, wenn das Leben unfair zu ihnen ist. Unser Schöpfer hat uns niemals das Paradies auf Erden versprochen, sondern die Welt ist eine Zwischenstufe, zwischen Himmel und Hölle. Es ist ein falsches Gottesbild, wenn wir meinen, dass wir durch das Gebet alles, was uns im Leben schmerzt, aus dem Weg schaffen können. Das ist ein schwerer Missbrauch des Gebets und entspringt aus einer ungeistlichen und fordernden Haltung gegenüber Gott (Konsumgesellschaft!). Der gerechte Gott kann nicht all unseren Forderungen nachkommen! Er schenkt allen Menschen dieselbe Lebensprüfung, die dazu dient, dass wir uns zum Herrn bekehren und allein auf IHN hoffen. Jede Lebensprüfung ist dazu da, um zu beweisen, dass wir trotzdem am Glauben an Gott festhalten: Jak 1,12; 1Kor 10,13. Gott verspricht uns ein schöneres Leben in seinem Himmelreich (Offb 21,4-8). Der junge König Salomo ist uns ein gutes Vorbild, das uns lehrt, um was wir den Herrn bitten sollen: 1Kön 3,4-15 (= göttliche Weisheit!).
3. Wir sollen beim Herrn anklopfen, damit er uns aus der Sünde erlöst und uns in das Reich seines Sohnes versetzt! Kann man durch ein Gebet Christ werden? Nein! Erst in der Taufe werden wir von unseren Sünden reingewaschen: Apg 22,16. Paulus war ein gläubiger Jude, der im besten Gewissen für Gott lebte. Trotzdem war er nicht gerettet, sondern musste sich taufen lassen und seine Sünden abwaschen. Auch Kornelius war ein gläubiger Mensch, der viel zum Herrn betete und sich trotzdem auf den Namen Christi taufen lassen musste (Apg 10,1-3.47-48). Was ist die Taufe (gemäss) 1. Petrus 3,21? = eine Bitte an Gott um ein gutes Gewissen!
Wann erhört Gott unsere Gebete nicht?
- Wenn wir in der Sünde stehen: Jes 1,15-17.
- Wenn wir die Belehrung durch Gottes Wort nicht annehmen wollen: Spr 28,9.
- Wenn wir mit Geschwistern in der Gemeinde in Streit stehen: Mt 5,23-25.
- Wenn wir mit unserem Ehepartner im Streit stehen: 1Petr 3,7.
- Wenn wir mit falscher Gesinnung von Gott weltliche Dinge fordern: Jak 4,3-4.7-10.
- Gott hört zwar all unsere Gebete, aber er erhört sie nicht alle! Kinder bitten manchmal vor dem Essen um Schokolade, weil sie Hunger haben und nicht wissen, was gut für sie ist. Wenn wir als Eltern es mit unseren Kindern gut meinen, dann erfüllen wir diese Bitte nicht! So ist es auch mit Gott und mit uns als seine Kinder!
Bei welcher Art von Gebeten können wir am meisten die Gewissheit haben, dass der himmlische Vater sie erhört?
- Wenn wir den Herrn um Weisheit bitten: Jak 1,2-5.
- Wenn wir mit Danksagung bitten: Phil 4,6.
- Wenn wir nach seinem Willen um etwas bitten (bzgl. die Errettung unserer Seelen): 1Joh 5,13-15.
KAPITEL 7,12-14: TRETET EIN DURCH DIE ENGE TÜR
Vers 12: Die goldene Lebensregel Jesu:
„Also: Was immer ihr wollt, das euch die Leute tun, das tut auch ihnen. Denn das ist das Gesetz und die Propheten.“ (Zwing2) Was möchten wir denn, dass uns die Menschen behandeln? Alles das, was wir von andern erwarten, wie sie uns behandeln sollen, so sollen wir ihnen begegnen!
Was ist die goldene Lebensregel Jesu nicht?
1. Sie hat nichts mit der weltlichen Philosophie zu tun, die z. B. lehrt: „Ich bin okay und du bist okay.“ „Jeder soll auf seine eigene Art glücklich werden.“ Wenn jemand von Gott getrennt ist, weil er in Sünde und Ausschweifung lebt, dann ist es nicht okay. Die christliche Welt hat diese Lebensweisheit so verdreht, dass sie behauptet, es genüge als Christ, wenn man niemandem Unrecht tue. Doch wir alle haben gesündigt und sind von Gottes Gnade abhängig. Man kann auf drei Arten sündigen:
- Wenn wir tun, was Gottes Wort verbietet (Gal 5,19-21).
- Wir können schon mit unseren Gedanken sündigen (Mk 7,21-23).
- Wir sündigen aber nicht nur, wenn wir das Böse tun, sondern auch, wenn wir das Gute unterlassen zu tun (Jak 4,17).
Das heisst: Gott anbeten! (Gott will angebetet werden). Nach Gottes Wille und Satzungen forschen! (sein Reich zuerst). Ein Vorbild zu sein für die Menschen und das Evangelium in die Welt hinauszutragen! (Missionsbefehl). Wir sind also aufgefordert, einen Freund zu warnen und ihm die Wahrheit zu sagen über sein Verhältnis zu Gott, wenn er sündigt: Hesekiel 3,18-19 (Spr 27,5-6).
2. Sie verlangt von uns nicht, dass wir alles tun, um anderen zu gefallen. Wenn jemand flucht oder über Gott lästert, dann machen wir uns vor Gott mitschuldig, wenn wir tatenlos zusehen oder zuhören. Zurechtweisung liebt niemand: Hebr 12,4-11 (Spr 15,32). Trotzdem ist es unsere Pflicht zu gegebener Zeit klar Stellung für den Herrn zu beziehen, selbst wir damit jemand betrüben (2Kor 7,8-10). Manchmal meinen wir auch, dass andere dasselbe mögen müssen wie wir. Nicht alle mögen Bananen, Fleisch oder Kaffee. Nicht alle brauchen Mitleid, Offenheit, lange Diskussionen.
3. Sie hat nichts mit einer geschickten Geschäftsstrategie zu tun, um noch mehr zu Einfluss, Geld und Erfolg zu kommen. Das wäre heuchlerisch und eigennützig. Jesus will, dass wir anderen liebreich begegnen, weil Gott uns liebt und wir auch seine Geschöpfe lieben und respektieren sollen: 1Tim 1,5; 1Joh 4,11-12.
4. Wer sich an die goldene Regel hält, darf sich deswegen nicht selbstgerecht und besser vorkommen und meinen, sich das Himmelreich abverdienen zu können. Wir können niemals aus eigenen Werken vor Gott gerecht werden. Wir können niemals das Gesetz erfüllen, denn sonst hätte Christus nicht für unsere Sünden sterben müssen: Gal 2,16. Diese Lebensregel Jesu beinhaltet die Auslegung des ganzen Gesetzes: Matthäus 22,37-40.
5. Die goldene Regel setzt keine Vorbehalte. Zum Beispiel: „Sobald der andere mich richtig behandelt, werde ich es auch versuchen.“ Wir sind aufgerufen unsere Feinde zu lieben ohne Wenn und Aber (Mt 5,44).
6. Die goldene Regel pflegt keine falschen Erwartungen. Alles, was ich mir wünsche, muss der andere nun an mir erfüllen. Wir dürfen von andern nicht erwarten, dass sie sich an diese goldene Regel halten (wollen). Die wahre Liebe ist frei und unabhängig von äusseren Umständen und Reaktionen der anderen! (1Kor 13,4-8a)
Was ist also die goldene Lebensregel Jesu?
1. Sie ist ein unbezahlbares christliches Lebensprinzip! Denn damit wird Versöhnung und Friede geschaffen (Röm 5,8). Leider meinen die meisten Menschen, dass es nichts Wichtigeres als die Politik gebe im Leben. Doch wenn wir gut überlegen, dann merken wir, dass das ganze Leben sich um Beziehungen dreht. Wie behandle ich meinen Nächsten (in Politik und anderen Meinungen)? Selbst wenn wir verfolgt und geschlagen werden, sollen wir dem Herrn die Rache überlassen, sonst gibt es auf dieser Welt nie Frieden (Röm 12,17-19)! Die Welt würde ganz anders sein, wenn alle Menschen versuchen würden, diese Regel zu befolgen! Die Antwort auf das World Trade Center ist ganz klar: keinen Vergeltungsanschlag! (Fahndung nach Terrornetz: Ja!)
2. Sie verhütet die Sünde! Während wir uns über das Gute und Gottwohlgefällige Gedanken machen, kommen wir nicht auf dumme Gedanken (Am 5,14; Sach 7,10). Alles, was wir einander schuldig sind in der Gemeinde, ist die Liebe: Römer 13,8-10.
3. Sie fördert die Liebe und ermöglicht das Zusammenleben auf dieser Welt! Sie verhütet nicht nur Sünde, sondern spornt uns an zu guten Werken:
- Gastfreundschaft
- Wohltätigkeit, Fürsorge, Hilfe
- Gemeinschaft
So sammeln wir uns Schätze im Himmel: Matthäus 25,34-40.
Verse 13-14: Die enge Tür
Als Jesus auf dem Weg nach Jerusalem war, fragte ihn ein Jünger: Lk 13,23-30. Warum fragte er im negativen Sinn und nicht im positiven (= sind es viele)? Den Jüngern wurde bewusst, dass es nicht die Mehrzahl sein kann. Die Reaktionen der Menschen auf Jesu Worte waren erschütternd. Oft ging es ihnen nur um eine Besserung ihrer Lebenssituation (Heilung, Speisung usw.). Den meisten Menschen war ihr alter verdorbener Lebensstil lieber, als eine ungemütliche Veränderung. Viele wollen zwar schon einmal in den Himmel kommen, aber sie sind dafür nicht bereit zu ringen. Jesus sagt: „Ringt!“ (agonizomai = Agonie, Todeskampf, Qual, Marter auf höchster Schmerzstufe). Die Bedingung zur Jüngerschaft bedeutet Kreuz; ohne Kreuz keine Krone (Lk 14,27.33). Das Wort vom Kreuz ist für viele ein Ärgernis, eine Dummheit (1Kor 1,18). Die Mehrheit geht lieber auf dem breiten und gemütlichen Weg (nur tote Fische schwimmen mit dem Strom).
Jesus sagt im Gleichnis vom königlichen Hochzeitsmahl: Mt 22,14. Obschon Gott alle Menschen ruft, weil er will, dass alle Menschen gerettet werden (1Tim 2,4), so sind es nur wenige, die sich rufen lassen. Nicht jedermann ist am Glauben interessiert: 2Thess 3,1-3.
Es war immer die Minderheit, die auf Gott hörte:
- Beim ersten Gericht (2348 v. Chr. Sintflut), waren es 8 Seelen (2Petr 2,5).
- Beim Untergang von Sodom und Gomorra wurden 3 Seelen gerettet und die Bibel warnt, dass es wenige bei der Wiederkunft sein werden: Lk 17,26-33.
- An der Mehrzahl des Volkes Israel hatte Gott kein Gefallen: 1Kor 10,5-6.
- Gideon konnte nur wenige für den Krieg gegen die Midianiter gebrauchen (Ri 7,1-8, 300 Mann gegen 120 000 siehe 8,10).
- Elia ist von einem Millionenvolk mit einem Rest von 7000 Seelen übrig-geblieben (1Kön 19,18).
- Nur drei Gottesmänner haben sich vor der Statue nicht gebeugt und wurden in den Feuerofen geworfen (Dan 3,15-18).
- Viele von den Jüngern Jesu verliessen ihn nach seiner Predigt, weil sie die Worte zu hart fanden: Johannes 6,60.66-69.
- Zu Pfingsten waren ca. 100 000 Juden aus allen Nationen nach Jerusalem gekommen, aber nur 3000 Seelen liessen sich bekehren (Apg 2,41).
- Nachdem Paulus mit viel Eifer und grosser Überzeugung den Athenern das Evangelium Christi predigte, wurden nur wenige gläubig: Apg 17,32-34.
Jesus tröstet seine Nachfolger mit den Worten (Lk 12,32): „Fürchte dich nicht, du kleine Herde! Denn es hat eurem Vater gefallen, euch das Reich zu geben.“ Wir lassen uns nicht einschüchtern von der Mehrheit, die verlorengeht! Denn auf uns wartet eine riesengrosse Belohnung (Hebr 10,35)!
Hinter der engen Tür wartet eine unzählbar grosse himmlische Schar! Im Reich Gottes werden wir in der Mehrzahl sicher und geborgen sein. Der Apostel Johannes gibt uns einen kleinen Einblick: Offb 7,4.9-12. Die Zahl 144 000 ist rein symbolisch zu verstehen. Sie ist die Vollzahl von 12x12 und Tausende, die eine unzählbare himmlische Schar von Geretteten darstellen. Dann ist aber auch noch die Rede von Legionen von Engeln: Mt 26,53. Eine Legion bestand aus 6 000 Mann (12x6 = 72). Aus der Offenbarung wissen wir, dass ein einziger Engel genügt, um den Teufel mit einer grossen Kette zu binden (Offb 20,1). Wer zu Christus gehört, der gehört zur absoluten Übermacht in den himmlischen Regionen: Offenbarung 14,1-5 (Hebr 12,22-24).
Jesus verspricht allen Nachfolgern grossen Lohn: Lk 18,28-30.