Jesus, der König
KAPITEL 10,26-39: AUFFORDERUNG ZUM FURCHTLOSEN BEKENNTNIS
Vers 26: Dreimal sagt Jesus seinen Aposteln, sie sollen sich nicht fürchten (V. 26.28.31). Vor wem sollen sie sich nicht fürchten? Vor den Menschen = Wölfen (V. 17). Wie soll dieses „nicht fürchten“ praktisch verstanden werden? Sie sollen nicht respektlos sein, sondern keine Angst haben, denn Gott ist mit ihnen und wird ihnen einst den Sieg schenken. Ihre Gegner sind zwar zum jetzigen Zeitpunkt in der Überzahl und dementsprechend mächtig und dominant, so dass man Angst haben könnte. Doch, das wird sich bald ändern, wenn der Herr sich offenbaren wird. Wer auf der Seite des Herrn steht, der braucht keine Angst zu haben, denn es gibt keine grössere Macht als Gott.
Bisher war das Evangelium verhüllt und das Geheimnis Christi war den Menschen verborgen, weil es noch nicht verkündet werden konnte (Eph 3,3-13).
Vers 27: Die Zeit der Verkündigung ist angebrochen! Endlich ist die Zeit gekommen, in der die erlösende Botschaft allen Menschen auf der ganzen Welt verkündigt werden kann, angefangen im Haus Israel. Es herrscht Aufbruchstimmung zu einem neuen Zeitalter; zum Zeitalter der Gnade. Das Reich Gottes wird den Menschen nahe gebracht (Mt 4,17). Durch die Apostel ruft Gott die ganze Menschheit zur Umkehr auf, von ihrem selbstzerstörerischen Lebenswandel. Jesus sagt mit anderen Worten seinen Aposteln: Sie sollen nicht schweigen von all dem, was sie von Jesus gelehrt bekommen haben.
Vers 28: Die Apostel sollen vor niemandem zurückschrecken! Was ist das Schlimmste, das einem Verkündiger des Evangeliums passieren kann? = der leibliche Tod. Doch für einen Christen ist das Sterben nicht die grösste Tragödie.
- Sterben heisst bei Christus zu sein (Phil 1,21).
- Sterben bedeutet, dass wir die schwierige Lebensprüfung bestanden haben.
- Sterben bedeutet Befreiung von Sünde, Kummer, Arbeit, Krankheit und Leiden.
- Viel schlimmer ist der ewige Tod d. h. die ewige Verdammnis von Gott.
Aus Gottes Sicht gibt es verschiedene Arten des Todes:
- Der körperliche Tod (Hebr 9,27).
- Der geistliche Tod (Eph 2,1; Kol 3,13: Zustand durch die Sünde).
- Der Tod des fleischlichen Lebens (Röm 6,1-11: Wiedergeburt durch Taufe).
- Der ewige Tod (Offb 2,18, Verdammnis) ist der Schlimmste, weil dies ein Zustand des unaufhörlichen schmerzlichen Leidens bedeutet.
Jesus braucht denselben Begriff „fürchten“ (fobos, heute Phobie) für Gott wie für die Menschen. Diese Furcht bedeutet Angst und Schrecken, Verzweiflung und Mutlosigkeit. Damit will Jesus darauf hinweisen, dass Gott ein verzehrendes Feuer ist und alle Macht über unser Leben besitzt und niemand anders: Hebr 12,28-29 (10,31).
Wir brauchen keine Angst vor Gott zu haben, denn dieses Feuer ist berechenbar und gerecht: Jak 4,12. Gott lässt uns nicht in der Unwissenheit bezüglich seines Willens (Apg 17,30). Wir sollen Gott mit Scheu und Ehrfurcht gehorchen und dienen. Wer Gott auf seiner Seite hat, braucht sich nicht zu fürchten: Röm 8,31-39.
Verse 29-31: Die Jünger Christi sind mehr wert als die Sperlinge (Spatzen). Diese Spatzenart wurde im ersten Jahrhundert gegessen. Zwei Spatzen kriegte man für etwa 20 Rappen (= zu einem Schleuderpreis). Dieses Beispiel Jesu kann man negativ oder positiv verstehen.
Negativ: In Gottes Augen sind wir nur ein bisschen mehr wert als die Spatzen.
Positiv: Wenn Gott sogar für die Spatzen sorgt, wie viel mehr dann für uns?!
Alles liegt in Gottes Hand, sogar die Lebensdauer eines Spatzen. Selbst die Anzahl unserer Haare sind gezählt und von Gott bestimmt. Dieser Ausdruck wird in der Bibel gebraucht, um die Sicherheit des irdischen Lebens auszudrücken (Lk 21,18; Apg 27,34). Wieviel mehr hält er das Leben eines jeden Menschen in seiner Hand?
Deshalb, weil Gott alle Macht besitzt im Himmel und auf Erden und nichts ohne seinen Willen geschieht, sollen die Apostel samt allen Gläubigen sich nicht fürchten vor dem Widerstand der gottlosen Menschen (siehe Apg 5,17-42).
Verse 32-33: Wodurch werden wir gerettet? Was sagt die Bibel?
1. Durch Gott: 1. Timotheus 2,4 (und durch die Erkenntnis Seiner Wahrheit).
2. Durch die Predigt des Evangeliums: 1Kor 15,1-2 (und die Treue, Mt 10,22).
3. Durch unsere Liebe zur Wahrheit: 2. Thessalonicher 2,8-10.
4. Durch Jesus: Lukas 19,10 (und durch Seinen Namen, Apg 4,12).
5. Durch das Blut Jesu: Epheser 1,7.
6. Durch unseren Glauben: 1. Korinther 1,21.
7. Durch Busse, Reue: 2. Korinther 7,10.
8. Durch die Taufe: 1. Petrus 3,21.
9. Durch das Bad der Wiedergeburt: Titus 3,5.
10. Durch Gottes Gnade: Epheser 2,5.
11. Durch unser Bekenntnis (ὁμολογέω): Römer 10,9.
Wichtig ist, dass wir verstehen, dass sich dieses Bekenntnis nicht auf eine zeitweilige Verleugnung, wie im Fall des Petrus (unter Druck), bezieht. Es geht hier um eine Verleugnung, die sich endgültig und in einer Gewohnheit ausdrückt, wie z. B.:
- Christus bewusst immer wieder verleugnen vor den Menschen,
- nicht mehr an Gott und seinen Sohn glauben, indem wir nicht mehr in der Bibel lesen und beten,
- nicht mehr Gott anbeten und verherrlichen in der Welt, indem wir die Versammlungen der Gläubigen für immer verlassen (1Kor 11,26).
Durch die Zugehörigkeit zur örtlichen Gemeinde bekennen und dienen wir dem Herrn und bezeugen, dass wir uns seiner Worte nicht schämen: Lk 9,23-27 (Röm 1,16).
Vers 34: Jesus will nicht um jeden Preis Frieden schaffen! Jesus ist zwar der Friedefürst (Jes 9,5), der der Welt Heil und Rettung brachte. Die meisten Menschen verstehen Jesus völlig falsch. Sie meinen, dass Jesus gekommen sei, um einen Weltfrieden aufzurichten. Viele erwarten ein Friedensreich auf Erden, wo alle Menschen in Frieden miteinander zusammenleben. Doch das war weder Gottes Absicht noch sein Plan. Jesus sagt deutlich, dass sein Friede nicht von dieser Welt ist: Joh 14,27.
Der wahre Friede lässt sich nur finden, von denen die Christus im Glauben angenommen haben: Römer 5,1. Christus ist unser Friede, gemäss Eph 2,14. Christus hat die Voraussetzung zur Versöhnung mit Gott und Frieden auf Erden unter den Menschen geschaffen (Kol 1,20; Lk 2,14).
Es ist falsch zu meinen, dass Christen um jeden Preis dafür zu sorgen haben, dass sie mit allen Menschen in Frieden und Harmonie leben! Christen sind keine Waschlappen, die man durch jeden Schmutz ziehen kann (in einer Demokratie gibt es Rechte und Gesetze, auf die wir uns berufen dürfen). Christen müssen sich von gewissen Leuten ganz bewusst distanzieren, auch wenn es manchmal weh tut (z. B. Irrlehrer, Gotteslästerer usw.).
- Sie sollen sich jedoch nicht rächen, denn Gott wird sich für sie rächen (Röm 12,18).
- Sie sollen aber dem Frieden nachjagen mit allen Menschen (Hebr 12, 14).
- Der Apostel Johannes sagt (1Joh 3,13): „Verwundert euch nicht, Brüder, wenn euch die Welt hasst!“
Das Wort Gottes ist das Schwert, das die Geister aufdeckt und voneinander trennt: Hebräer 4,12.
Verse 35-38: Die eigenen Hausgenossen werden einander als Feinde betrachten. Hier betont Jesus, wer immer sein Nachfolger wird, der wird es oft schwer haben in seiner Familie, die sich gegen ihn wendet. Ein Preis der Jüngerschaft ist die Erfahrung von Spannung, Streit und Entfremdung von der eigenen Familie. Diese Feindschaft ist oftmals erbitterter als in anderen Lebensbereichen.
Keine natürliche Bande darf den Jünger Jesu von der absoluten Treue in der Nachfolge zum Herrn abhalten: Mt 22,37. Jesus rechtfertigt in keiner Weise die Gläubigen, die ihre Eltern oder ihren Ehepartner nicht lieben und ihren Glauben an Christus vorschieben. Es geht hier nur um die Prioritätensetzung: Für den, dem Vater, Mutter, Tochter, Sohn, Ehefrau, Ehemann wichtiger ist als Jesus, ist es nicht wert sein Jünger zu sein. Wir sollen bereit sein, wenn nötig, alles zu verlassen: Lk 14,26.
Warum kann Jesus niemals den Hass gemeint haben, an den wir Menschen denken? Weil der schwerwiegendste Punkt in diesem Vers sich auf uns selbst bezieht: „und dazu sein Leben hasst ...“
Was meint Jesus mit dem Leben hassen?
Die Eigenliebe ist eines der am schwersten zu überwindenden Hindernisse für die Jüngerschaft. Es geht in der Nachfolgschaft Christi um die Verleugnung unseres „Ichs“: Mt 16,24. Die Verleugnung unseres Ichs ist mehr als Enthaltsamkeit. Die Verleugnung unseres Ichs bedeutet die völlige Hingabe oder Übergabe meines eigenwilligen Lebens an die Herrschaft Christi. In Christus besitze ich keine Rechte und Ansprüche mehr: Gal 2,19-20.
Jeder, der sich zumutet, Christus nachzufolgen, sollte an Gethsemane und Golgatha denken. Das bedeutet, dass wir die Kosten gut überschlagen sollen (Lk 14,28-33). Wir geben unser eigenwilliges Leben auf, um ein neues Leben zu gewinnen!
Vers 39: Wer sein selbstsüchtiges Leben ablegt, gewinnt das wahre Leben! Diese Aussage Jesu finden wir in allen vier Evangelien (Mk 8,35; Lk 9,24; 17,33; Joh 12,25). Es geht hier um die Psyche (= Seelenleben), die das ganze Leben eines Menschen einschliesst.
- Das physische Leben (Mt 2,20).
- Das geistige Leben (Mt 10,28).
Was meint Jesus mit dem ganzheitlichen Leben finden? Jesus meint vorerst, dass wir lernen richtig zu leben in dieser Welt!
Sprüche 1,1 aus der „Guten Nachricht“:
„Ratschläge fürs Leben, in Sprüche gefasst von Salomo, dem Sohn Davids und König von Israel. Aus diesem Buch kann man lernen, wie man sein Leben richtig führt und immer auf dem geraden Weg bleibt. Es zeigt, was für ein Schatz an Weisheit uns in den Aussagen erfahrener Männer gegeben ist. Wer jung und unerfahren ist, wird dadurch zu Klugheit und Besonnenheit geführt. Auch der Erfahrene lernt noch dazu und macht Fortschritte in der Kunst, die Aufgaben des Lebens zu bewältigen. Wer dieses Buch liest, lernt kennen, was kluge Lehrer sagen: ihre Sprüche, Bilder, Gleichnisse und Rätsel. Wer klug und tüchtig werden will, muss vor allem Gott ernst nehmen. Wer ihn missachtet, verachtet auch die Lebensklugheit und lässt sich nichts sagen.“
Gottes Geist lehrt,
- dass Kinder ihren Eltern gehorsam sein sollen (Spr 1,8; Eph 6,1).
- dass der Demütige bei Ihm Gnade findet (Ps 51,19; Jak 4,6).
- dass die Sanftmütigen, die Barmherzigen, die Friedfertigen und die, die reinen Herzens sind, glücklich sein werden im Leben (Mt 5).
Der fleischliche Mensch meint zwar das Glück darin zu finden, indem er alles tun und lassen kann wie es ihm gefällt. Doch das ist sein Fluch! Der geistliche Mensch lernt durch Gottes Gebote auf etliches zu verzichten, was ihn aber vor Fluch und Schande bewahrt! (Ps 119,1-8). Gottes Gebote sind gut und führen uns ins ewige Leben: 1Joh 2,15-17.
KAPITEL 10,40-42: VON DER BELOHNUNG FÜR JEDEN DIENST
Vers 40: Die Gesandten Christi sind ein Segen für die Menschen. Denn, wer einen Jünger Jesu aufnimmt, nimmt den Sohn Gottes auf, und wer den Sohn Gottes aufnimmt, der tut dies für den himmlischen Vater: Joh 13,20.
Alles was wir tun, wird seinen gerechten Lohn empfangen: Mt 25,31-46.
Wonach werden wir am Jüngsten Tag gerichtet? Ob wir unseren Glaubensgeschwistern Gutes getan haben oder nicht!
Vers 41: Wie empfängt man den Lohn eines Propheten oder Gerechten? Was ist überhaupt die Aufgabe und der Lohn eines Propheten?
Aufgabe: Wird in vielen Lexika falsch definiert!
Viele verstehen daher den alttestamentlichen Propheten als einer, der weit die Zukunft voraussagt:
- die Zeit des Neuen Bundes
- und die Endzeit, kurz vor der Wiederkunft.
Doch die folgende Statistik widerlegt das falsche Bild eines Propheten:
- Weniger als 2% der alttestamentlichen Prophezeiungen sind Messianisch.
- Weniger als 5% beziehen sich auf das Zeitalter des Neuen Bundes.
- Weniger als 1% bezieht sich auf Ereignisse, die uns noch bevorstehen.
Obschon die Propheten die Aufgabe hatten die Zukunft vorauszusagen, betraf es meistens die kurz bevorstehenden Tage: Dtn 18,20-22. Das prophetische Wort musste noch zu Lebzeiten des Propheten eintreffen, denn es nahm Bezug auf die unmittelbar bevorstehende Zukunft. Der von Gott gesandte Prophet hatte die Aufgabe, das Gesetz Mose durchzusetzen und den Gläubigen in Erinnerung zu rufen. Wer sich nicht an das Gesetz hielt, wurde von den Propheten ermahnt und bei nicht Befolgung mit einem Strafgericht bedroht.
Siehe Jeremia 19,1-2.10-15; 20,1-2; 2Kön 25,1-11.
Siehe Jona, der sogar zum gottlosen Volk in Ninive gesandt wurde.
Lohn: Die Errettung der Seelen: Jak 5,19-20.
Der Prophet hatte das Ziel, Menschen vor dem ewigen Tod zu bewahren. Während er mit allem Eifer dieses Ziel im Auge hatte und dabei verfolgt, gefangen und geschlagen wurde, wie Jeremia, fand am Ende seinen Lohn in der Errettung seiner eigenen Seele! Wer also einen Propheten aufnahm und auf die göttlichen Worte hörte, wurde gesegnet, indem er denselben Lohn empfing; der Lohn eines Propheten, d. h. das ewige Leben: Jeremia 1,8.
Dasselbe (wie die Aufnahme eines Propheten), galt auch für die jedes Gerechten! Gastfreundschaft wurde bei den Juden sehr hoch gehalten (Bsp. Abraham und Lot in Genesis 18 und 19). Gott segnete die Gastfreundschaft der Witwe: 1Kön 17,7-16. Wer einen Gerechten (Verkündiger mit einer Botschaft von Gott) aufnahm, weil er Gottes Diener war, dem wurde ein grosser Lohn versprochen.
Dasselbe Prinzip gilt auch heute für uns! Wir sollen nicht mit Irrlehrern (2Joh 10), sondern mit unseren Verkündigern reichlich Gemeinschaft pflegen: Gal 6,6-7. Unsere Arbeit für den Herrn ist nicht vergebens (1Kor 15,58).
Vers 42: Selbst der Geringste und Unbedeutendste im Reich Gottes ist eine Quelle des Segens: Mk 9,37.41 (Mt 18,5).