Die Bibel – Gottes Wort
EINLEITUNG
Paulus drückte das so aus (2Tim 3,16-17): „Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes vollkommen sei, zu jedem guten Werk völlig zugerüstet.“ Damit bezeugt Paulus, dass die Schriften (die Bibel) von Gott inspiriert, d. h. eingehaucht wurden und dass die Quelle allein Gott ist. Sein Wort ist vollkommen und versorgt uns mit allem, was wir geistlich brauchen. Deshalb können wir sagen, dass die Bibel uns in drei Bereichen führt.
SIE FÜHRT UNS IN DER LEHRE
Die Bibel ist unser Leitfaden in der Glaubenslehre. Das heisst, die Bibel lehrt uns, was wir glauben sollen über Gott und alle Dinge, die Gott betreffen. Um Gott wohlzugefallen gilt es bestimmten Wahrheiten zu glauben (siehe Hebr 11,6; und Joh 8,24). Um gerettet zu werden, müssen wir allein der Bibel glauben schenken und nicht den menschlichen Lehren und Traditionen.
Zu bestimmen, was die Bibel lehrt in Bezug auf Gott, ist nicht immer einfach. Zum Beispiel, wie kann es sein, dass es heisst „ein“ Gott (Eph 4,6), während Jesus und der Heilige Geist auch Teil der Gottheit sind? Die ersten paar Jahrhunderte der Kirchengeschichte zeichnen sich durch diese grossen Meinungsverschiedenheiten aus, mit denen die Gläubigen damals rangen, weil sie solche Fragen beunruhigten. Heute noch sind Gläubige uneins über das, was die biblische Theologie lehrt. Der in der Anwendung interessierte Bibelleser fragt jedoch immer: „Was lehrt mich diese Stelle (oder die Bibel als Ganzes) über meinen Glauben?“
SIE FÜHRT UNS IM TÄGLICHEN LEBEN
Die Bibel ist unsere Anleitung, wie wir vor unserem Gott leben sollen. Weil sie uns zu jedem guten Werk völlig ausrüstet (2Tim 3,17), versorgt sie uns mit einer unfehlbaren Anleitung für unsere Ansichten (Ethik) und unser Verhalten (Moral). Wir lernen von der Bibel, wie wir uns verhalten sollen am Arbeitsplatz, beim Spielen, im Geschäftsleben, in der Gesellschaft und zu Hause. Der allmächtige Gott gab uns die Bibel als Leitfaden im täglichen Leben.
Auf dem Gebiet Ethik, Moral und christlichem Leben begegnen wir bei der Auslegung einigen schwierigen Problemen. Wie gehen wir mit Stellen um, die von Herren und Sklaven sprechen, da wir in einer Gesellschaft leben, in der es keine Sklaven gibt? Wie verstehen Menschen, die in einer Demokratie leben die Beziehung zwischen einem König und seinen Untertanen? Vermutlich mehr beunruhigend ist die Tatsache, dass viele ethische und moralische Fragen, denen wir heute gegenüberstehen, die Menschen in biblischen Zeiten überhaupt nicht kannten. Die Wissenschaft kann heute theoretisch menschliche Wesen klonen. Hat die Bibel über ein solches Thema überhaupt etwas zu sagen?
SIE FÜHRT UNS IN RELIGIÖSEN HANDLUNGEN
Das ganze Leben eines Christen kann als religiöse Handlung gesehen werden. In diesem Abschnitt möchten wir jedoch diese Definition dazu benutzen, um speziell auf religiöse Handlungen hinzuweisen; das was wir tun, wenn wir Gott in der Anbetung loben und ihm dienen. „Moralische Fragen“ sind Fragen über unsere Beziehungen zu andern Menschen und darüber, wie wir uns ihnen gegenüber verhalten. Die Bibel lehrt uns dabei andere Menschen zu lieben. „Religiöse Fragen“ betreffen unsere Beziehung zu Gott und zeigen, wie wir ihn lieben sollen. Die Bibel ist unsere Anleitung, wie wir Gott dienen sollen.
Es gibt einige, die zweifeln, dass die Bibel ein Leitfaden für religiöse Fragen ist. Sie meinen, die Bibel führe uns darin, wie wir mit anderen Menschen umgehen sollen, sei aber irrelevant, wenn es um Fragen der Gemeinde, der Anbetung oder des Gottesdienstes sowie der Taufe und des Abendmahls geht. Doch gerade die, welche daran zweifeln sind inkonsequent in ihrem eigenen Glauben, wenn sie einer gemeindeähnlichen Gemeinschaft oder Kirche angehören, eine bestimmte Form von Taufe durchführen, manchmal das Abendmahl einnehmen und hin und wieder zur Versammlung erscheinen. Damit geben sie zu, dass die Bibel generell etwas über religiöse Handlungen zu sagen hat, auch wenn sie es ablehnen, sich nach dem Vorbild der neutestamentlichen Gemeinden des ersten Jahrhunderts zu orientieren.
Oft ist es sogar so, dass jede christliche Bewegung, wenn sie angegriffen wird, ihre Praktiken aufgrund der Bibel verteidigt. Damit anerkennen sie die Tatsache, dass die Bibel uns nicht nur im täglichen Leben mit unseren Mitmenschen Anleitungen gibt, sondern dass sie uns auch etwas zu sagen hat in Bezug auf die religiösen Handlungen im Gemeindegottesdienst.
ZUSAMMENFASSUNG
Da die Bibel uns führt in Bezug auf die Glaubenslehre, im täglichen Leben mit unseren Mitmenschen und unseren religiösen Handlungen gegenüber Gott, ist es unausweichlich, dass wir uns gewissenhaft mit der Frage auseinandersetzen, wie die Anwendung auf diesen drei Gebieten konkret aussieht.
DIE BIBEL WURDE GESCHRIEBEN,
UM VERSTANDEN UND BEFOLGT ZU WERDEN
Im Gegensatz zu dem, wie es viele sehen, präsentiert sich die Bibel selbst als Buch, das nicht nur verstanden, sondern auch befolgt werden will. Unzählige Stellen weisen auf diese Wahrheit hin.
Im Alten Testament sprach Mose diese Worte (Dtn 29,28): „Das Verborgene (steht bei) dem Herrn, unserem Gott; aber das Offenbare (gilt) uns und unseren Kindern für ewig, damit wir alle Worte dieses Gesetzes tun.“ Gott offenbarte sein Gesetz dem Volk Israel damit es danach handelt, d. h. gehorcht. Während diese Stelle im Alten Testament steht und das Alte Testament nicht mehr länger bindend ist für uns Menschen heute, zeigt es ganz klar die Haltung, die Gott zu seinem offenbarten Willen hat. Wenn also Gott das Gesetz den Menschen damals gab, damit es befolgt wird, erwartet der Herr dann nicht vielmehr auch von uns im Neuen Testament, dass wir seinen Worten gehorchen? (Hebr 2,1-4)
Jesus machte klar, dass nur, wer den Willen Gottes tut ins Reich Gottes kommen wird (Mt 7,21). Dann fügte er hinzu (Verse 24-27):
„Jeder nun, der diese meine Worte hört und sie tut, den werde ich einem klugen Mann vergleichen, der sein Haus auf den Felsen baute; und der Platzregen fiel hernieder, und die Ströme kamen, und die Winde wehten und stürmten gegen jedes Haus; und es fiel nicht, denn es war auf den Felsen gegründet. Und jeder, der diese meine Worte hört und sie nicht tut, der wird einem törichten Mann verglichen werden, der sein Haus auf den Sand baute; und der Platzregen fiel hernieder, und die Ströme kamen, und die Winde wehten und stiessen an jenes Haus; und es fiel, und sein Fall war gross.“
Jeder, der die Worte Jesu hört und danach handelt ist ein weiser Mensch. Jeder aber, der Jesu Worte hört und nicht danach handelt wird mit einem törichten Menschen verglichen. Es genügt nicht bloss zu hören und zu erkennen was Jesus sagte, oder was die Bibel lehrt. Gott verlangt von uns Menschen, dass wir seinen Worten gehorchen!
Obschon die Offenbarung ein schwer verständliches Buch ist, verkündigt sie allen Segen, die sie lesen und tun was sie sagt (Offb 1,3).
Jakobus ermahnt (Jak 1,21-25):
„Deshalb legt ab alle Unsauberkeit und all die viele Schlechtigkeit, und nehmt das eingepflanzte Wort mit aller Sanftmut auf, das eure Seelen zu erretten vermag. Seid aber Täter des Wortes und nicht allein Hörer, die sich selbst betrügen. Denn wenn jemand ein Hörer des Wortes ist und nicht ein Täter, der gleicht einem Mann, der sein natürliches Angesicht in einem Spiegel betrachtet. Denn er hat sich selbst betrachtet und ist weggegangen, und er hat sogleich vergessen, wie er beschaffen war. Wer aber in das vollkommene Gesetz der Freiheit hineingeschaut und dabei geblieben ist, indem er nicht ein vergesslicher Hörer, sondern ein Täter des Werkes ist, der wird in seinem Tun glückselig sein.“
Offensichtlich schrieb Jakobus an Gläubige, die selbstzufrieden sagten: „Ich habe gehört, ich weiss und ich glaube. Das ist alles, was Gott von mir verlangt.“ Doch die Botschaft lautet: „Hören, Erkennen und daran Glauben ist nicht genug. Du musst auch tun, was Gott dich lehrt, wenn du ihm gefallen willst.“
Die heiligen Schriften rufen uns auf, die Bibel vorsichtig zu lesen und herauszufinden, was sie den ersten Lesern mitteilen wollte, damit wir heute noch diese Botschaften verstehen und anwenden können. Wenn wir glauben, dass die Bibel von Gott inspiriert wurde und das annehmen, was sie über sich selbst sagt, dann haben wir keine andere Wahl: Wir müssen sie lesen, um herauszufinden was Gott von uns Menschen verlangt, damit wir gerettet werden und ihm wohlgefällig dienen können.
SCHLUSSFOLGERUNG
Wir schliessen diese Lektion mit einer Warnung: Falsche Anwendung ist eine Gefahr. Richtige Anwendung ist wichtig. Wenn wir die Schriften falsch anwenden in Bezug auf die Glaubenslehre, das tägliche Leben und in unseren religiösen Handlungen, dann könnten wir uns versündigen und damit den Zorn Gottes über uns bringen. Folglich ist die richtige Anwendung der Bibel nicht bloss eine gute Idee, sondern unbedingt notwendig, unsere „Berufung und Erwählung festzumachen“ (2Petr 1,10).