Hebräer-02: Die Erniedrigung Christi

Christus ist besser als der alte Bund

 

 

VERSE 1-10: DIE ERNIEDRIGUNG CHRISTI

„Darum“ (Vers 1a)

Dieses eine Wort sagt so viel aus, um was es im gesamten Zusammenhang geht. (Im Griechischen sind es zwei Wörter: διά τοῦτο = das alles oder deswegen, aus diesen Gründen.) Es verbindet alles vorher Gesagte mit einem Aufruf.

Die Verse 1-4 werden oft als Einschub betrachtet, dabei sind sie mehr eine Schlussfolgerung zu dem Gesagten in Kapitel 1. Darum sollen wir auf das Gehörte achten, weil Jesus Gottes Sohn ist, weil Jesus angebetet werden soll, weil Jesus der Schöpfer ist, weil Jesus über allem regiert.

Es gibt keine Anzeichen dafür, dass die Empfänger des Hebräerbriefs eine bewusste Entscheidung getroffen hatten, dem Glauben an Christus den Rücken zu zukehren. Unser Text enthüllt vielmehr, dass sie immer mehr vom Weg abzukommen drohten, ohne es richtig wahrzunehmen. Wenn sie nicht aufwachen, dann werden sie wie ein Boot ohne Anker von den Wellen weggetrieben. Es gibt viele Wege vom richtigen Glaubensweg abzukommen. Bsp. habe es immer wieder erlebt, dass Menschen die Gemeinde verliessen und den Glauben über Bord warfen, weil sie unzufrieden und undankbar waren, oder weil sie mit Geschwistern in Streit gerieten usw.

Doch die Meisten wurden untreu, weil sie im Glauben nachlässig wurden und langsam einschliefen. Wir Menschen neigen dazu, alles, was uns zur Gewohnheit wird, als weniger interessant und wichtig zu erachten. Sei es in der Ehe oder in der Familie oder ganz allgemein in unseren Beziehungen zu allen Mitmenschen. Wir Menschen neigen dazu unsere „erste Liebe“ zu verlassen (Offb 2,4). Doch die menschlichen Beziehungen müssen wie der Glaube ständig gepflegt werden. Das Leben verändert sich und wir sind gezwungen, uns immer wieder auf die neuen Umstände und Situationen einzulassen. Alles erfordert Pflege und Hingabe wie ein Garten. Nur das Unkraut wächst von selbst. Wer das nicht verstanden hat, der wird sorglos und verliert leicht, was er oft mit viel Einsatz erarbeitet hat. Wer im Glauben nicht wächst und seine Beziehung zum Herrn und zu den Glaubensgeschwistern nicht pflegt, der spielt mit seinem ewigen Leben.

 

Vers 1b: „Auf das Gehörte achten“

Was ist denn das Gehörte, auf das auch wir achten sollen? Das ganze Evangelium von Jesus Christus ist hier gemeint. Was enthält denn das Evangelium? Es enthält Tatsachen, an die wir glauben (1Kor 15,1-4). Es enthält Verheissungen auf die wir hoffen (Röm 8,24; Tit 1,2). Es enthält Gebote, denen wir gehorchen wollen (Mt 28,19-20; Mk 16,15-16; 2Tim 2,2). Es enthält Warnungen, auf die wir hören wollen (2Thess 1,7-9; Mt 25,31.46; vergleiche Hebr 10,26-29; 12,28-29).

Wir werden aufgerufen, auf das Gehörte „erst recht“ oder besonders gut zu achten (περισσοτέρως). Sind denn die Anforderungen des Neuen Testaments gegenüber den Anforderungen des Alten Testaments gestiegen? Diese Auffassung widerstrebt unserem Denken. Viele sind der Meinung, dass Gott im Neuen Testament gnädiger ist als im Alten. Denn für viele Sünden gab es im AT nur die Todesstrafe. Bsp.: Ein Mann, der am Sabbat Holz sammelte (Num15,32-26). Bsp.: Usa berührte die Bundeslade Gottes (2Sam 6,3-7). Trotzdem ist dieses Denken falsch, belehrt uns der Heilige Geist! In Hebräer 2,1 wird deutlich gesagt, dass wir uns noch viel entschiedener als bisher an die Botschaft des Evangeliums halten sollen. Das heisst, entschiedener als es unter dem Gesetz Mose der Fall war! Denn das Gesetz wurde durch Engel übermittelt, das Evangelium aber durch den Sohn (V. 2). Der Sohn steht ja über den Engeln. Was der Sohn Gottes sagt, ist also von viel grösserer Bedeutung, als das, was die Engel sagen.

Darum sollen wir uns warnen lassen und auf das Evangelium Christi hören, indem wir gut auf das Gehörte achten (προσέχω). Wenn die Menschen unter dem Alten Bund ihre gerechten Strafen empfingen, „wie werden dann wir entrinnen, wenn wir ein so grosses Heil missachten?“ (V. 3). Bei Missachtung des Evangeliums erwartet uns eine viel grössere Strafe; die Strafe des ewigen Todes. Wenn der allmächtige Gott etwas gebietet, dann will er auch, dass wir Menschen uns daran halten, egal was andere sagen. Selbst wenn wir es noch so gut meinen wie Usa und uns gegen Gottes Willen vergehen, dann gibt es kein Entrinnen. Gott verlangt Gehorsam und nicht falsche Opfer! (1Sam 15,22)

Wer Gottes Heil missachtet (ἀμελέω), indem er kontinuierlich seinen eigenen Weg geht, der kommt so langsam vom geraden Weg ab. Für den bleibt nur noch das Gericht Gottes übrig. Durch Jesus Christus haben wir viel grössere Segnungen empfangen, als die Gläubigen unter dem Alten Bund. Denn die Engel verkündeten den Alten Bund. Jesus verkündigte uns den Neuen Bund, der viel besser ist. Es ist also wie mit den Talenten im Gleichnis (Mt 25,14-30). Wem viel anvertraut wurde, von dem wird auch mehr erwartet, erklärt Jesus (Lk 12,47-48; Mt 11,20-24).

Die Botschaft des Evangeliums darf nicht durch Gnade überbetont werden, sonst neigen wir zur Nachlässigkeit und für alles eine Entschuldigung zu finden. Die Botschaft des Evangeliums enthält auch die gerechte Strenge Gottes. Beides, Gnade und Strenge müssen ausgewogen gepredigt und richtig verstanden werden. Die Gnade ist keine Rechtfertigung für die Gleichgültigkeit. Umgekehrt darf in der Strenge Gottes nicht bloss Strafe und Gericht gesehen werden, sondern auch die Erziehung zum Guten. Gott kennt unsere Herzen und kann sehr wohl unterscheiden, ob er uns züchtigen muss, oder ob er uns seine Gnade schenken soll. Gnade kommt uns dann zugute, wenn wir alles gegeben haben und trotzdem zu Fall gekommen sind. Wenn wir aber fallen, weil wir nachlässig geworden sind, dann missachten wird das Heil des Evangeliums.

 

Vers 1c: „Nicht am Ziel vorbeitreiben“

Wie können wir am Ziel vorbeitreiben? Der Schreiber des Hebräerbriefs erwähnt sieben Dinge:

1.  Indem wir das grosse Heil missachten und nachlässig werden (Hebr 2,3).

2.  Indem wir unsere Herzen verhärten und Gottes Botschaft nicht annehmen (Hebr 3,7-8).

3.  Indem wir uns nicht bemühen, in die himmlische Ruhe einzugehen (Hebr 4,11).

4.  Indem wir den Glauben vernachlässigen und unmündig bleiben (Hebr 6,1).

5.  Indem wir vorsätzlich sündigen und z. B. die Versammlungen nicht besuchen (Hebr 10,25).

6.  Indem wir nicht dem Frieden nachjagen mit allen und der Heiligung (Hebr 12,12-14).

7.  Indem wir undankbar sind und dem Herrn nicht dienen (Hebr 12,28).

Der Kommentator William Barclay sagt, dass prosecho (προσέχω) und pararrueo (παραῤῥυέω) zwei Schlüsselworte des Satzes sind: „Prosechein kann auch heissen, ein Schiff verankern; und pararrein kann bedeuten, dass ein Schiff fahrlässig an einem Hafen vorbeitreibt, weil der Seemann vergass, Wind, Strömungen und Gezeiten zu berücksichtigen.“ Einem ähnlichen Wort für „vorbeitreiben“ begegnen wir im Hebräischen, wo vom Fuss anstossen die Rede ist (Spr 3,21-23). Unser Vers 1 (Kap. 2) kann also folgendermassen übersetzt werden: „Darum wollen wir unser Leben desto mehr in allem verankern, was uns gelehrt wurde, damit unser Lebensschiff nicht am Hafen vorbeitreibt und zugrundegeht.“ Das erinnert mich an die kommende Stelle in Hebräer 6,19, wo es heisst: „Diese [Hoffnung] haben wir als einen sicheren und festen Anker der Seele, der hineinreicht ins Innere, bis hinter den Vorhang ...“ (das heisst den Himmel).

 

Schlussfolgerung
Darum, lasst uns auf das Gehörte achten und nicht am Ziel vorbeitreiben! Lasst uns am Anker der Hoffnung festhalten bis zum ewigen Leben! Denn treu ist Gott, der uns Seine Verheissungen gegeben hat (Hebr 10,23).

Lasst uns einander anspornen zur Liebe und zu guten Taten (Hebr 10,24), damit jeder es schaffen wird und wir uns einmal gemeinsam freuen dürfen im Himmel bei Christus zu sein!

 

VERSE 2-4: DAS HEIL IN JESUS CHRISTUS

Vers 2: Wie werden wir der Strafe Gottes entrinnen?
Das ist eine rhetorische Frage, in der die Antwort schon enthalten ist. Wir werden nicht entrinnen, wenn wir das Heil in Jesus Christus missachten!

 

Vers 3a: Wie missachten wir das Heil?
Wenn wir nachlässig werden in unseren Bemühungen, das Gute zu tun. Wer sich unermüdlich bemüht, seine Berufung und Erwählung in Christus zu festigen, dem wird grossmütig Zugang zum Reich Gottes gewährt: 2. Petrus 1,5-11.

 

Vers 3b: Die Übermittlung des Heils
Die Juden mögen vielleicht gesagt haben: „Unser Gesetz wurde uns durch Engel übermittelt, ihr aber habt ein Evangelium, das von Menschen gepredigt wurde.“ Doch Jesus war nicht bloss ein Mensch, sondern Gottes Sohn, wie wir in Kapitel 1 gelesen haben. Mit Jesus kam Gott auf diese Welt. Das Wort wurde Fleisch im Sohn Jesus Christus (Joh 1,1-5.9-14). Die Worte, die Jesus redete, sind Geist und Leben (Joh 6,63). Jesus redete nichts von sich aus, sondern alles im Auftrag Gottes (Joh 12,49-50).

Jesus lehrte seine Jünger das Evangelium des Heils (Joh 15,15). Die Verkündigung des Heils nahm also seinen Anfang durch den Herrn Jesus. Nachdem Jesus zwölf Apostel erwählte, lehrte er sie das Evangelium vom Heil. Vor seiner Kreuzigung versprach er ihnen ein besonderes Mass des Heiligen Geistes (Joh 14,26; 16,13). Nachdem Jesus von den Toten auferstanden war und in den Himmel entrückt wurde, empfingen die zwölf Apostel den versprochenen heiligen Geist, der sie an alles erinnerte, was Jesus sie gelehrt hatte (Apg 2,4).

Die Apostel, die das Evangelium vom Heil aus Jesu Mund hörten, haben es verlässlich weitergegeben. Sie wurden von Jesus beauftragt, die Menschen alles zu lehren, was Jesus befohlen hat (Mt. 28,20). Sie verkündigten alles, was sie von Jesus gesehen und gehört hatten (1Joh 1,1), den ganzen Ratschluss Gottes (Apg 20,20.27).

 

Vers 4: Das Evangelium des Heils wurde durch Zeichen und Wunder von Gott bestätigt. Jesus tat viele Zeichen und Wunder (Joh 20,30-31). Die Apostel wurden durch Zeichen und Wunder beglaubigt (Mk 16,17-20). Zeichen und Wunder machten einen Apostel aus (2Kor 12,12). In der Bibel war es schon immer so, dass eine neue Botschaft von Gott durch Wunder bestätigt wurde; siehe Mose (Ex 4,1-9.29.30) und Elischa (2Kön 5). Wir sprechen hier von wirklichen Wundern, die übernatürlich waren in ihrer Art! (Mk 2,10-12). Es kann nicht überbetont werden, dass neue Botschaften von Gott und übernatürliche Wunder Hand in Hand gehen. Mit übernatürlichen Zeichen und Wundern bestätigte der Verkündiger seinen Zuhörern, dass seine Botschaft von Gott kam. Wie das Manna aus dem Himmel aufhörte, als sie ins Land Kanaan kamen, so hörten die übernatürlichen Zeichen und Wunder auf, als die Gemeinde das Kindesalter verlassen hatte.

Der Heilige Geist gab diese machtvollen Taten und Gaben nach Seinem Willen. Wer das Evangelium des Heils erfahren möchte, der halte sich an den Glauben, der ein für allemal überliefert und uns anvertraut wurde durch die Bibel (Jud 3). Wir werden aufgerufen, nach dem Massstab (Kanon) der heiligen Schriften zu wandeln (Gal 6,16). Wir brauchen heute keine weiteren Wunder mehr, weil wir alles besitzen, was wir zum ewigen Leben brauchen (2Petr 1,3). Wer Gottes Geist haben will, der soll auf die Apostel und Propheten hören, die Gott damals gesandt hat (1Joh 4,6; Lk 10,16; 16,31). Wenn wir in der Bibel von Zeichen und Wundern lesen, dann stellen wir fest, dass sie meistens überraschend geschahen (Apg 2). Nirgends lesen wir von sogenannten „Geisterstunden“, in denen Gläubige in Scharen zusammenkamen, um anzubeten und von den Aposteln Heilungen zu empfangen. Der Heilige Geist kann nicht für bestimmte Gottesdienststunden gemietet und gezwungen werden, machtvolle Taten zu vollbringen. Der Heilige Geist wirkt ganz nach Seinem Willen, im Einklang mit Gottes Plan und nicht nach den Wunschvorstellungen der Menschen.

 

VERSE 5-10: DIE GOTTHEIT JESU WURDE FLEISCH, UM UNS ZUR HERRLICHKEIT ZU FÜHREN

Überblick: Im ersten Kapitel wurde von der Herrlichkeit Christi gesprochen. Dazu wurde aufgezeigt, dass Jesus grösser ist als die Engel und Propheten. Diese Gedanken wurden mit einem Aufruf und einer Ermahnung unterbrochen (2,1-4). In den folgenden Versen kehrt der Schreiber zur Erhabenheit Christi über die Engel zurück. Es geht nun um die Frage: Wem hat Gott die künftige Welt unterstellt? Nicht den Engeln. Jesus ist der Herrscher der künftigen Welt.

 

Vers 5: Was ist mit der künftigen Welt gemeint?
Es ist die Zeit, in der wir jetzt leben; das Zeitalter des Messias (siehe auch 6,5). Dieses Zeitalter begann mit der Krönung Christi im Himmel zum ewigen König (Apg 2,33-35). Der Anfang der Herrschaft Christi wurde sichtbar auf Erden, als der Heilige Geist begann auf besondere Art und Weise für das Reich Gottes zu wirken (Apg 2). Jesus ist der Herrscher des christlichen Zeitalters (Mt 28,18), ob wir das glauben wollen oder nicht. Das christliche Zeitalter dauert von der Auferstehung Christi bis zu seiner Wiederkunft. Es steht im Kontrast zum mosaischen Zeitalter (von Mose bis Christi Tod). Aber auch die Apostel wurden zum Mitherrschen über dieses Zeitalter bestimmt bis zur Wiederkunft Christi (Mt 19,28).

Mit der künftigen Welt kann nicht die Zeit nach der Wiederkunft Christi gemeint sein. Das entspräche nicht der Lehre des Hebräerbriefs. Der Hebräerschreiber will aufzeigen, dass Jesus jetzt alle Herrschaft besitzt und nicht in einer zukünftigen tausendjährigen Regierung.

Die Satzstellung „von der wir reden“ weist darauf hin, dass der Hebräerbrief vermutlich zuerst gepredigt und später niedergeschrieben wurde.

 

Vers 6: Von wem ist die Rede?
Der Schreiber bezieht sich auf einen Bibeltext im AT (Ps 8,5-7). Er sagt mit andern Worten: „Es gibt eine Schriftstelle im Alten Testament.“ Weil Gott der Autor dieser Schriftstelle ist braucht der Name des menschlichen Schreibers nicht bekannt gegeben zu werden. Eine ähnliche Ausdrucksweise finden wir auch in Hebräer 4,4. Psalm 8,4 bezieht sich eindeutig auf einen sterblichen Menschen. Diese Aussage wurde von den Juden niemals messianisch betrachtet. Erst der Hebräerschreiber gibt dieser Stelle eine doppelte Bedeutung. Wie im Psalm ist hier vom „Mensch“ ganz allgemein die Rede, der in Gottes Schöpfung eine besondere Stellung einnimmt. Dann ist vom „Menschensohn“ die Rede, der sich im Hebräer auf Jesus bezieht. Bisher war vom Gottessohn die Rede und nun vom Menschensohn. Diese Bezeichnung bestätigt Jesu Fleischwerdung. Jesus wird im AT Sohn des Menschen genannt (Dan 7,13). Über 80 Mal finden wir im Neuen Testament die Bezeichnung Menschensohn oder Sohn des Menschen (Bsp. Mt 9,6).

 

Vers 7: Die kurze Zeit, die Jesus auf Erden lebte, wurde er niedriger gestellt als die Engel.
Jesus lebte wie ein Mensch in einem verletzbaren und vergänglichen Körper. Er war den physischen Bedürfnissen ausgesetzt wie ein sterblicher Mensch. Damit nahm er Knechtsgestalt an und erniedrigte sich selbst. Jesus wurde gehorsam bis zum Tod am Kreuz (Phil 2,6-8). Dieser Weg der Erniedrigung machte Jesus zum Erlöser der Menschheit.

 

Vers 8: Deshalb wurde Jesus von Gott über alles erhöht.
Jesus wurde mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt (Phil 2,9-11; 2Petr 1,17). Gott krönt IHN dadurch, dass er IHM alle Macht gab im Himmel und auf Erden (Mt 28,18; Joh 17,2; 1Kor 15,27). Jetzt regiert Jesus bereits zur Rechten Gottes als König der Könige und Herr der Herren (1Tim 6,15; Hebr 8,1; Offb 17,14). Diese unübertreffliche Macht Jesu ist zurzeit für uns noch nicht in vollem Umfang sichtbar. Doch bei seiner Wiederkunft, wenn ihn jedes Auge sehen wird (Offb 1,7), dann wird die Macht Jesu Christi allen Menschen in vollem Umfang sichtbar. Auch unser Leben ist zurzeit noch „mit Christus verborgen“ (Kol 3,3-4).

 

Vers 9: Der Punkt ist erreicht, wo endlich der Name „Jesus“ erwähnt wird.
Damit macht der Schreiber unmissverständlich klar, von wem er die ganze Zeit sprach. Durch seinen Kreuzestod erniedrigte sich Jesus für kurze Zeit unter die Engel. Dieser Kreuzestod war kein Unfall, sondern Gottes Heilsplan für uns Menschen.

 

Vers 10: Durch den Kreuzestod Jesu werden nun viele gläubige Söhne und Töchter zur Herrlichkeit geführt.
Das war das Ziel Gottes vor Grundlegung der Welt (Eph 1,3; 2Kor 5,19). Vielleicht fragt sich jemand: „Warum konnte Gott keinen andern Heilsplan ausarbeiten?“ „Was ist dieser Gott für ein Vater, der seinen Sohn für eine böse Welt sterben lässt?“ Es liegt bestimmt nicht an uns kurzsichtigen Menschen darüber zu urteilen, was der allmächtige Gott in seiner Weisheit tun sollte oder nicht. Wir wissen ja nicht einmal was morgen sein wird (Jak 4,14). Wenn es einen andern Heilsplan gegeben hätte, dann wäre Gott in seiner überwältigenden Weisheit im Stande gewesen, diesen zu realisieren.

Dieser Weg widerspricht keineswegs der Ehre und Würde Gottes und seines Sohnes. Jesus wählte diesen Weg völlig freiwillig zu unserer Erlösung (Lk 24,26). Für Juden war der gekreuzigte Christus schon immer ein Ärgernis (1Kor 1,23). Für ungläubige Heiden war und bleibt Christus eine Torheit (1Kor 1,23).

Der Tod Jesu am Kreuz war der beste Weg, um Gottes Liebe uns Menschen zu demonstrieren (Joh 3,16). Jesus ist der Urheber (ἀρχηγός) unseres Heils geworden (Apg 3,15; 5,31; Hebr 12,2). Urheber = Führer, Herrscher, Fürst, Anfänger. Petrus macht den Juden zum Vorwurf, dass sie einen Mörder gewählt haben und den “Fürsten des Lebens“ getötet haben. Weil Jesus das Ziel erreicht hat, ist er nicht nur Urheber, sondern auch Vollender des Heils.

Schlussfolgerung: Gottes Ziel ist es, viele Söhne und Töchter zur himmlischen Herrlichkeit zu führen. Deshalb nahm Jesus die Erniedrigungen auf sich. Jesus ist unser Anfänger und Vollender des Heils.

 

 

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