Hebräer-01b: Die Herrlichkeit Christi

Christus ist besser als der alte Bund

 

 

VERSE 5-14: DIE SIEBEN ALTTESTAMENTLICHEN ZITATE

Vers 5a: „Zu welchem Engel hat er [Gott] denn je gesagt: Mein Sohn bist du, heute habe ich dich gezeugt“? (Psalm 2,7). Nichts Ähnliches wurde je zu einem Engel gesagt. Das heisst, kein Engel wurde vom höchsten Gott je als Sohn bezeichnet und anerkannt (Mt 3,17; 17,5).

Vielleicht nahmen die Juden an, dass diese Psalmstelle auf einen Engel bezogen sei, da Engel öfters als Söhne Gottes bezeichnet wurden (Hiob 1,6; 2,1; 38,7). Mit dieser Schriftstelle will der Schreiber den Hebräern beweisen, dass die Engel dem Sohn untergeordnet sind. Die prophetische Aussage von Psalm 2,7 bezieht sich nicht auf die Fleischwerdung Christi, sondern auf seine Auferstehung: Die Auferstehung Christi wird als Zeugung verstanden (Apg 13,33). Die Heiligen Schriften erachten die Auferstehung Christi als viel bedeutungsvoller als seine Fleischwerdung. Es kann sich deshalb nicht um die fleischliche Zeugung Jesu durch den Heiligen Geist handeln (Lk 1,35). Im Neuen Testament wird nicht die fleischliche Geburt Jesu durch Maria betont, sondern seine Auferstehung von den Toten (Röm. 1,4). Ein möglicher Unterschied mag auch darin liegen, dass Engel nicht gezeugt wurden, sondern geschaffen. Der Psalm 2 kann auch auf folgende Stellen in der Offenbarung angewandt werden (Offb 2,27; 12,5; 19,15;).

 

Vers 5b: „Und an anderer Stelle: Ich werde ihm Vater sein, und er wird mir Sohn sein?“ (2Sam 7,14).

Diese Stelle bezog sich ursprünglich auf Davids Sohn (Salomo). Wie so oft in der Prophetie, handelt es sich hier um eine doppelte Aussage, die sich auch auf Jesus Christus bezieht. Siehe folgende Beispiele: Das Volk Israel stellt hier Jesus in Ägypten dar (Mt 2,15 aus Hos 11,1). Die bronzene Schlange in der Wüste, deutet auf Christus am Kreuz (Joh 3,14; aus Num 21,8-9). Die Versorgung mit Wasser und Nahrung für Israel in der Wüste war ein Symbol auf Jesus (1Kor 10,1-4). Jedes Passalamm, das geschlachtet wurde, deutete auf Jesus (1Kor 5,7). Die Jungfrauengeburt hatte eine spezielle Bedeutung in Jesajas Zeit, aber die grössere Erfüllung lag in Jesus Christus (Mt 1,21-23, aus Jes 7,14).

Jesus ist der grössere Salomo. Der zweite Teil des Verses (2Sam 7,14b) kann sich nicht auf Jesus beziehen. Jesus war ohne Sünde (Hebr 4,15). Der König David war ein Schatten auf Jesus, aber nicht in allem, was er tat. Wenn z. B. Hesekiel von David spricht, dann meint er Jesus und nicht den bereits verstorbenen David (Ez 34,23-34). Der Schreiber des Hebräerbriefs bezieht diese Stelle (2Sam 7) als Verheissung auf den kommenden Messias. Denn Jesus ist beides; der Sohn Gottes und der Nachkomme Davids. Diese Verheissung steht in einem messianischen Zusammenhang, den der Heilige Geist Gottes so auslegt und nicht Menschen. Das kommt auch im folgenden Vers 6 zum Ausdruck, wenn es heisst: „... sagt er“, damit ist Gott gemeint, der spricht.

 

Vers 6: „Und für die Zeit, da er den Erstgeborenen wieder in die Welt hineinführt, sagt er: Und beugen sollen ihre Knie vor ihm alle Engel Gottes (Ps 97,7b; Dtn 32,43).

Die unterschiedlichen Worte in den Zitaten rühren daher, dass der Hebräerschreiber die Septuaginta (LXX) als Quelle benutzte und nicht den hebräischen Text des ATs. Die Septuaginta ist das Alte Testament in Griechisch (entstand 300-200 v. Chr.). Der Schreiber des Hebräerbriefs benutzt die Septuaginta als Quelle und nicht den hebräischen Urtext. Paulus benutzte auch oft die Septuaginta als Quelle für seine Zitate. Das Zitat stimmt besser mit den Worten in Dtn 32,43 (LXX) überein. Dort wird gesagt, dass alle Engel Gottes anbeten sollen. In Psalm 97 ist von Göttern die Rede, mit denen die Engel gemeint sind, die sich beugen. Das Lied Mose schaut in die Zukunft, in der Israel über seine Feinde triumphieren wird. Dieser Triumph wird damit auf Jesus Christus übertragen, der als Erstgeborener alle Macht besitzt. Deuteronomium 32,43 wird auch in Römer 15,10 zitiert.

Jesus wird der Erstgeborene genannt. In Kolosser 1,15.18 beziehen sich die Verse auf den Erstgeborenen von den Toten, was auch im Hebräer der Fall sein könnte. Weil Jesus nicht mehr stirbt, trifft diese Bezeichnung voll auf ihn zu. Lazarus, wie auch andere, erstanden zwar vor Jesus von den Toten auf (Joh 11; Mt 27,52-53), doch sie mussten alle wieder sterben. Jesus bewies als erster und einziger die Macht über den Tod, das ist der Teufel (Hebr 2,14). Beim Titel „Erstgeborener“ geht es nicht so sehr um die Reihenfolge der Geborenen als vielmehr um die Rangordnung und Heiligkeit (Ex 4,22; 13,2). David wird auch so genannt (im Ps 89,28), obschon er nicht als erster geboren wurde.

Als Jesus geboren wurde, betete das ganze himmlische Heer Gott an (Lk 2,13-15). Damit unterwarfen sich die Engel nicht nur Gott im Himmel sondern auch dem neugeborenen Kind (Immanuel), das Gottes Gegenwart, d. h. Gottes Friede auf die Erde brachte. Das Jesus höher gestellt ist als die Engel, wird darin sichtbar, dass das Höhere vom Geringeren angebetet wird (Mt 4,11). Die Engel liessen es nicht zu, angebetet zu werden (Offb 22,8-9).

 

Vers 7: „Von den Engeln heisst es: Der seine Engel zu Winden macht und seine Diener zu feuriger Flamme“ (Ps 104,4).
Gott benutzt manchmal Sturm, Blitz, Wind und alle Kräfte der Natur, wenn er seine Engel aussendet (z. B. am Sinai, Ex 19,16-19). So werden seine Engel zu machtvollen Winden und feurigen Flammen, wenn sie Gott dienen (als dienende Geister, Vers 14).

Im AT sowie im NT sehen wir, wie Gott nicht selbst, sondern oft durch Engel wirkte:

- Sodom und Gomorra (Gen 19,1-26);

- Würgengel in Ägypten (Ex 12,23);

- Gesetzgebung am Sinai (Apg 7,53; Hebr 2,2);

- Davids Strafe für die Volkszählung (24,15-17);

- Stürzen der Regierung des Sanherib von Assur (2Kön 19,35);

- Verkündigung der Geburt Jesu (Lk 2,8-15);

- Verkündigung der Auferstehung Jesu (Mt 28,1-8);

- Tod des Herodes Agrippa I. (Apg 12,23).

 

Verse 8-9: „Zum Sohn aber sagt er: Dein Thron, o Gott, steht von Ewigkeit zu Ewigkeit, und das Zepter des Rechts ist Zepter deines Reichs. Geliebt hast du Gerechtigkeit, und die Missachtung des Gesetzes hast du gehasst; darum, o Gott, hat dich dein Gott gesalbt mit dem Öl der Freude wie keinen deiner Gefährten“ (Ps 45,6-7).

Die Worte dieses Psalms waren unter den jüdischen Gelehrten des ersten Jahrhunderts sehr wohl bekannt. In den ersten beiden Jahrhunderten wurden diese Worte als erfüllt betrachtet, durch Jesus Christus. Justin der Märtyrer und Irenäus zitierten diese Verse oft.

Jesus wird in Vers 8 als Gott bezeichnet (Jes 9,6), der vom Gott-Vater zum ewigen König gesalbt wurde. Christus bedeutet Gesalbter in Griechisch (Apg 2,36). Messias bedeutet Gesalbter in Hebräisch (Ps 2,2). Könige, Priester und Propheten wurden bei ihrer Amtseinsetzung mit Öl gesalbt (Lev 8,12; Num 3,3; 1Sam 10,1). Sein Königszepter richtet gerecht, weil Jesus schon immer die Gerechtigkeit liebte (V. 9; 1Petr 2,21-23). Paulus lehrt, dass Jesus bis zum Ende des Gerichts regieren wird, um dann die Herrschaft dem Vater zu übergeben (1Kor 15,24). An andern Stellen wird jedoch gesagt, dass der Sohn mit dem Vater in alle Ewigkeit weiter regieren wird (Lk 1,33; 2Petr 1,11; Dan 7,14).

Niemand anders als Jesus Christus, soll mehr geehrt werden. Vermutlich sind hier mit den Gefährten die Engel gemeint, die Jesus zwar untergeben sind. Obschon die Gläubigen Teilhaber (metochoi = μέτοχοι) oder Gefährte Christi genannt werden (3,14).

 

Verse 10-12: „Und: Du, Herr, hast im Anfang die Erde gegründet, und die Himmel sind das Werk deiner Hände. Sie werden alle vergehen, du aber bleibst, veralten werden sie wie ein Kleid, und wie einen Mantel wirst du sie zusammenrollen, wie Kleider werden sie gewechselt werden, du aber bleibst derselbe, und deine Jahre nehmen kein Ende“ (Ps 102,26-28).

Diese Stelle wurde im AT auf Gott Yahweh bezogen (Ps 19,1). Doch der Hebräerschreiber hat schon in den ersten Versen bezeugt, dass Jesus der Schöpfer der Welten ist (V. 2). Mit andern Worten; was im AT für Gott-Vater gilt, gilt auch für den Sohn. Aber noch mehr; vieles, was im AT gesagt wird, findet erst in Jesus seine Erfüllung. In diesem Sinne sollten auch diese Psalmworte messianisch verstanden werden. Obschon der Vater, der Sohn und der Heilige Geist eine Gottheit bilden, so sind sie auch selbstständige Personen. Der Vater hat seine eigene Herrlichkeit (Joh 17,4-5). Der Vater sandte nicht sich selbst in die Welt (1Joh 4,14). Gott sandte den Geist, nicht sich selbst, um die Welt von ihrer Sünde zu überzeugen (Joh 16,7-8). Darum bezieht sich die Pluralform Elohim im AT vermutlich auf den Vater und den Sohn.

Die Zeit kommt, in der Himmel und Erde vergehen werden (2Petr 3,10-13). Wie ein Mantel abgeschüttelt und ausgezogen wird, so wird Jesus das Universum zusammenrollen. Wie wir ein Kleid ausziehen, so leicht ist es für Christus, das Universum zu einem Ende zu bringen. Dies kann jederzeit stattfinden und zwar mühelos. Denn die irdische Schöpfung hat ein Ende, nur Jesus bleibt ewig. Mit diesem Zitat wird die Macht Gottes sehr gut dargestellt. In diesem Kapitel ist von den Engeln die Rede. Die Engel haben zwar grosse Macht und Gewalt; doch die Macht Christi ist noch viel grösser und Seine Fähigkeiten viel gewaltiger.

 

Vers 13: „Zu welchem Engel hat er [Gott] je gesagt: Setz dich zu meiner Rechten, bis ich hingelegt habe deine Feinde als Schemel für deine Füsse?“ (Ps 110,1).

Gott hat noch nie einen Engel eingeladen, sich zur Rechten neben sich zu setzen. Für Engel ist eine solche Erhöhung nicht angemessen. Sie sitzen nicht und überblicken alles. Sie sind zum Dienen da. Nur Jesus wird zur Rechten des Thrones Gottes aufgefordert Platz zu nehmen. Den Psalm 110 zitierte schon Jesus, um auf seine Gottheit aufmerksam zu machen (Mt 22,41-46). Damit bestätigte Jesus, dass der König David aus dem Heiligen Geist sprach. Es ist von zwei Herren die Rede; von Gott-Vater und dem Messias. David nennt den Messias seinen Herrn, obschon er sein Nachfolger ist. Genau darin liegt die Begründung der Gottheit Jesu. In der physischen Nachkommenschaft ist Jesus der Sohn Davids, aber gleichzeitig ist er auch Davids Herr, weil er sein Gott ist. Auch Petrus benutzte den Psalm 110 in seiner Pfingstrede und gebrauchte ein ähnliches Argument (Apg 2,34-35).

Das zweite Bild in diesem Psalm ist das der Feinde als Schemel für die Füsse. Das ist ein typisches Bild der Antike. Ein siegreicher König setzte seinen Fuss auf den Nacken (oder Kopf) seines besiegten Feindes (Jos 10,24). Jesus wartet nun bis alle Feinde zu seinen Füssen gelegt worden sind (Hebr 10,13).

 

Vers 14: Engel sind dienende Geister.
Engel haben in der Menschheitsgeschichte eine grosse Bedeutung gespielt (Bsp. Ex 23,20-23). Im AT erschienen sie oft als menschliche Gestalten (Gen 18,2). Im NT erschienen sie den Menschen (Lk 1,13.26-38). Die Engel dienten Jesus, als er auf Erden war, indem sie - Maria die Geburt des Messias ankündigten (Lk 1,26-28), die Hirten über die Geburt Jesu informierten (Lk 2,8-20), Gott priesen, als Jesus geboren wurde (Lk 2,13), Jesus dienten, nachdem er die Versuchungen durch den Teufel erfolgreich überstanden hatte (Mt. 4,11), Jesus stärkten im Garten Gethsemane (Lk 22,43), Jesu Auferstehung verkündeten (Joh 20,12), Jesu Wiederkunft bestätigten (Apg 1,10-11).

Die Engel stehen auch heute noch im Dienst Gottes. Sie dienen uns zum Heil. Engel führen Menschen nicht gegen ihren Willen zum Heil. Wir können sie nicht sehen und wissen nicht, was sie wo tun. Das Konzept eines persönlichen Schutzengels war den Juden unbekannt. Wir suchen es vergebens im Alten und im Neuen Testament. Trotzdem wacht El-Schaddai über alle seine Kinder (mündige oder unmündige) und steht ihnen bei (Mt 18,10; Ps 34,8). Es wird wunderbar sein, wenn wir im Himmel einmal erkennen können, was Engel alles für uns getan haben, damit wir das Heil ererben konnten.

 

Zusammenfassung
Weshalb die ganze Diskussion um die Stellung Jesu über die Engel?
Als der Hebräerbrief geschrieben wurde, dachten einige, dass Jesus bloss ein Engel sei. Doch in diesen Versen wird deutlich, dass Jesus viel höher ist als alle Engel im Himmel.

Weshalb ist Jesus höher und erhabener als die Engel?
Weil ER Gottes Sohn genannt wird und die Engel nicht. Zitate: Ps 2,7 und 2Sam 7,14. Beide Zitate haben mit der Abstammung Davids zu tun. Diese Stellen finden ihre Erfüllung in Jesus Christus. Weil ER von den Engeln angebetet wird. Zitate: Ps 97,7b; Dtn 32,43 (aus der LXX). Das Niedrige betet das Höhere an. Der Zusammenhang dieser Stelle weist auf Gott hin. Der Schreiber an die Hebräer zögerte nicht, diese Stelle auf Jesus Christus zu beziehen, der das vollkommene Abbild oder Ebenbild Gottes ist (V. 3).

Weil ER über alles gestellt ist und in Ewigkeit regiert. Zitate: Ps 104,4 (aus der LXX), Ps 45,6-7. Die Stelle über die Engel finden wir in Psalm 104, aus der Septuaginta. Die Stelle über den Sohn in Psalm 45 stammt aus dem königlichen Psalm und findet seine Erfüllung in Jesus Christus.

Weil ER der ewige Schöpfer allen Lebens ist; Zitat: Ps 102,25-27. Engel sind keine Schöpfer, sondern sie sind selbst geschaffene Wesen. Auch diese Stelle bezog sich ursprünglich auf Gott und wird vom Hebräerschreiber auf Jesus Christus bezogen, durch den die Welten gemacht wurden (V. 2).

Weil ER über alle Engel regiert und sie ihm dienen; Zitat: Ps 110,1. Der Psalm 110 gilt als Hauptbeweis für die Herrschaft Jesu Christi auf dem Thron Davids. Mit den Dienern sind offensichtlich die Engel gemeint.

Darum, lasst uns Jesus anbeten und IHM treu dienen, denn ER ist unser Gott und Schöpfer, der über allen steht und alle Macht besitzt im Himmel und auf Erden!

Eine andere Zusammenfassung, weshalb Jesus über den Engeln steht (1,4-14):

- Christus hat einen vorzüglicheren Namen als die Engel (1,4-5).

- Christus wird von den Engeln angebetet (1,6).

- Christus hat die Engel erschaffen (1,7).

- Christus besitzt grössere Eigenschaften und Talente als die Engel, selbst als er Mensch war (1,8-9).

- Christus lebt seit ewigen Zeiten, Engel nicht (1,10-12).

- Christus wurde zur Rechten Gottes erhöht, Engel nicht (1,13).

- Christus ist der Sohn Gottes, während die Engel dienende Himmelsgeister sind (1,14).

 

 

Link

– Engelwesen