Hebräer-11: Die Helden des Glaubens

Christus ist besser als der alte Bund

 

 

VERSE 1-3: WAS BEDEUTET GLAUBE?

Hebräer 11 wurde nicht bloss geschrieben, um die starken Glaubenshelden aufzulisten. Die Empfänger waren im Glauben schwach geworden und entmutigt. Sie waren an dem Punkt angelangt, an dem sie im Glauben aufgeben wollten. Deshalb brauchten sie neue Glaubenskraft (10,38). Vielleicht dachten sie: „Wir glauben an Gott und trotzdem haben wir Probleme!“ Deshalb zeigt der inspirierte Schreiber an den Beispielen, was starker Glaube ist. Dieses Kapitel könnte auch betitelt werden: Gottes Rezept für Entmutigte.

Zuerst wird das Wesen des Glaubens definiert. Wer die Frage stellt „Was ist Glaube?“, der erhält in diesem Kapitel eine klare Antwort. Glaube ist die Gewissheit, Grundlage, Garantie, eine feste Zuversicht dessen, was man hofft (3,14; 2Kor 9,4; 11,17). Das zusammengesetzte Wort (ὑπόστασις) bedeutet, darunter stellen, d. h. mit Gewissheit und Zuversicht sich unter Bedrängnisse stellen und sie ertragen.

Der Glaube ist kein blinder Optimismus, keine Leichtgläubigkeit, Einbildung oder Wunschvorstellung, kein Aberglaube und kein Gefühl, das heraufbeschwört werden kann! Glaube beruht nicht nur auf Beweismitteln! Der Glaube ist eine innere Überzeugung und Gewissheit, die auf einen äusseren Beweis verzichten kann. Der Glaube ist die feste Überzeugung von Dingen, die existieren, für die es jedoch auch Beweise gibt. Doch diese Beweise sind nicht zu vergleichen mit materialistischen Dingen; z. B. wenn ich einen Stein berühre, dann ist das ein Beweis, dass es diesen Stein gibt. Gott kann weder berührt noch gesehen werden, aber es gibt andere Beweise für unseren Glauben.

Die Heiligen Schriften sind ein wichtiges Beweismittel (AT & NT). Die Prophezeiungen und Erfüllungen sind wichtige Beweise. Die Archäologie und die vielen schriftlichen Ausführungen durch die antiken Schreiber, liefern zusätzliche Beweise. Das Judentum mit seiner ganzen Geschichte ist ein Beweis. Die Tatsache, dass Jesus auf dieser Erde gelebt hat, ist ein Beweis; durch die Jahreszählung „nach Christus“ wird das bestätigt. Die Auferstehung Christi ist ein wichtiger Beweis für unseren Glauben (1Kor 15,12-19). Biblischer Glaube ist das Gegenteil vom allgemeinen Sprachgebrauch in der Welt: „Aber hier, wie überhaupt, kommt es anders als man glaubt“ (Wilhelm Busch). In der Welt wird Glaube als Wahrscheinlichkeit hingestellt. Ich glaube heisst in der Welt, es könnte sein, ich nehme an usw. Der Glaube wird in der Bibel in erster Linie mit einer Beziehung ausgedrückt. An wen oder an was glaubst oder vertraust du? Glauben bedeutet, Gott beim Wort nehmen; d. h. Glaube wächst aus dem Wort Gottes, z. B. aus der Verkündigung (Mk 1,15; Röm 10,17). Glauben bedeutet, Vertrauen ohne zu sehen (2Kor 5,7). Glauben bedeutet Gehorsam (Joh 3,36; 1Petr 2,7-8; Hebr 11,8).

Der Glaube an Gott existiert nur durch die Hoffnung. Es gibt keine Hoffnung ohne Glauben und keinen Glauben ohne Hoffnung (Röm 8,24-25). Der Glaube ist unsere Garantie für die Hoffnung, die wir haben (Kol 1,4-5). Glaube und Hoffnung sind fast auswechselbare Begriffe im Hebräerbrief.

Ein weiterer wichtiger Begriff ist der Beweis oder die Überzeugung (ἔλεγχος). Wir sind überzeugt von Dingen, die existieren in der unsichtbaren Welt. Wir sind so sehr überzeugt, dass wir mit den Augen unseres Herzens sehen können (Eph 1,18; 2Kön 6,16). Der Auftrag des Paulus war es, den Heiden die Augen zu öffnen, für das Heil in Jesus Christus (Apg 26,16-18). Der Glaube basiert also auf dem sicheren Zeugnis Gottes. Das Wort „Glaube“ kommt in verschiedenen griechischen Formen insgesamt 24x vor in Hebräer 11. Drei Mal wird der griechische Begriff „besser“ benutzt:

- Durch unseren Glauben besitzen wir eine bessere Heimat (V. 16).

- Durch unseren Glauben haben wir eine bessere Auferstehung (V. 35).

- Durch unseren Glauben streben wir nach einem besseren Ziel (V. 40).

- Durch unseren Glauben wissen wir, dass Gott alles zum Guten werden lässt (Röm 8,28; 1Joh 2,20; 3,2; 4,18-20; 2Tim 1,12).

Übersetzungsvarianten: Es ist aber der Glaube die Vergewisserung dessen, was man erhofft, ein Überführtsein von Wirklichkeiten, die man [jetzt] noch nicht sieht. Es ist aber der Glaube ein Beharren auf dem, was man hofft, eine Überzeugung von Tatsachen, die man nicht sieht (Schlachter). Der Glaube aber ist eine Verwirklichung dessen, was man hofft, ein Überführtsein von Dingen, die man nicht sieht (Elberfelder). Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht (Luther). Es ist aber der Glaube eine Zuversicht auf das, was man hofft, eine Überzeugung von Dingen, die man nicht sieht (alte Zürcherübersetzung). Der Glaube aber ist die Grundlegung dessen, was man erhofft, der Beweis für Dinge, die man nicht sieht (Zürcherbibel). Der Glaube ist die Grundlage unserer Hoffnung und der Beweis für die unsichtbare Welt (eigene freie Übersetzung).

In der Zürcher Übersetzung finden wir 21x die Aussage „Durch Glauben“ oder „Aufgrund des Glaubens“. Tatsächlich finden wir die Aussage „Durch Glauben“ (Pistei: πίστει) nur 18x im Griechischen:

- Durch Glauben erkennen wir, dass die Welt erschaffen ist ...

- Durch Glauben brachte Abel Gott ein besseres Opfer dar ... als Kain ...

- Durch Glauben wurde Henoch entrückt ...

- Durch Glauben baute Noah ... eine Arche ...

- Durch Glauben gehorchte Abraham ... und brach auf ...

- Durch Glauben wanderte er aus ins Land der Verheissung ...

- Durch Glauben empfing auch Sara als Unfruchtbare ... Nachkommenschaft ...

- Durch Glauben hat Abraham den Isaak dargebracht ...

- Durch Glauben segnete Isaak den Jakob und den Esau ...

- Durch Glauben segnete Jakob vor seinem Tod jeden der Söhne Josefs ...

- Durch Glauben dachte Josef ... was mit seinen Gebeinen zu geschehen habe.

- Durch Glauben wurde Mose nach der Geburt ... von seinen Eltern versteckt ...

- Durch Glauben weigerte sich Mose ... als Sohn einer Tochter des Pharao zu gelten.

- Durch Glauben verliess er Ägypten ...

- Durch Glauben hat er das Passa ... angeordnet ...

- Durch Glauben zogen sie [die Israeliten] durch das Rote Meer ...

- Durch Glauben fielen die Mauern von Jericho ...

- Durch Glauben ist die Dirne Rahab nicht ... umgekommen ...

Unser Glaube gründet sich auf historischen Ereignissen, d. h. auf dem Zeugnis (μαρτυρέω) der Alten. Trotz vieler Fehler und Mängel, werden diese Vorfahren (Presbüteroi), d. h. die Väter als Vorbilder des Glaubens hingestellt. Sie erhielten von Gott ein vorbildliches Zeugnis für ihren Glauben, der sich von vielen andern unterschied. Sie wurden von Gott bestätigt und für ihren Glauben anerkannt. Sie empfingen von Gott direkte Anweisungen (oder Offenbarungen); wir dagegen nicht mehr, sondern nur noch durch Sein Wort (= die Bibel). Durch die bewährten Patriarchen gibt Gott auch uns ein starkes und ausreichendes Zeugnis für unseren Glauben (2Petr 1,3). Dieser vorbildliche Glaube sollte die Empfänger des Hebräerbriefs - wie auch uns - inspirieren und motivieren, um in Gottes Augen Wohlgefallen zu finden (Ps 33,18). Die Vorfahren aus dem AT sind Glaubenshelden, an denen wir uns ein Vorbild nehmen wollen.

Das erste Mal (von 18x), in der diese Aussage vorkommt: „Durch Glaube ...“ (V. 3).
Der Glaube lässt uns den Unsichtbaren (Schöpfergott) sehen. Der Heilige Geist beginnt seine Aufzählung über die Vorbilder mit dem Schöpfer. Was wir mit unseren physischen Augen sehen, ist eine Welt voll von Sorgen und Problemen. Mit unseren Glaubensaugen sehen wir jedoch die Herrlichkeit Gottes hinter der Kulisse. Wir können Gott erkennen und wissen, wer die Welten (plural) geschaffen hat. Weshalb steht das Wort Welt (αἰώνας) im Plural? Aion (αἰών), das ist der Äon, die Weltzeit, Weltdauer, lange Zeit, Zeitdauer, Ewigkeit und aionios bedeutet ewig, für immer (αἰώνιος). Hier sind die vielen Leben auf dieser Welt gemeint. Gott hat viel mehr als eine Welt geschaffen! Jedes Leben hat seine Welt und lebt für eine beschränkte Zeit. Es gibt tausende von Welten und Lebensformen.

Die Bibel sagt uns nicht, wie die Welt geschaffen wurde, sondern vielmehr, wer sie geschaffen hat. An eine göttliche Schöpfung zu glauben, muss nicht im Widerspruch zu den wissenschaftlichen Erkenntnissen stehen! Die Wissenschaft gibt viele nützlichen Erklärungen zur irdischen Zusammensetzung und zu chemischen Reaktionen, aber sie kann nichts beweisbares liefern, über den Ursprung der Erde. Alle auch noch so überzeugenden Erklärungsversuche über die Entstehung der Welt, sind reine Hypothesen und Philosophien. Die Evolutionstheorie (vom Urknall) wird von vielen Wissenschaftlern nicht als erwiesene Tatsache anerkannt noch gelehrt. Und wenn schon, wäre Gott nicht auch im Stande, die Welt durch einen Urknall entstehen zu lassen?! Das griech. Wort für erschaffen, ordnen, bereiten (καταρτίζω) wird auch für das Instandsetzen, Reparieren, Herstellen von Fischernetzen gebraucht (Mt 4,21; Mk 1,9). Gott ist es, der vollendet (1Kor 1,10), ausrüstet (Hebr 13,21), zurechtbringt (Gal 6,1).

Die Frage ist vielmehr: Ist Gott die Quelle aller Dinge oder ist es die Materie? Die Philosophie kann nicht mehr sagen, als „von nichts kommt nichts“. Der Gläubige hingegen geht viel weiter, indem er erklärt: „Durch Gottes Wort wurden die Welten erschaffen, aus dem Nichts.“ Es war eine creatio ex nihilo (lat.), d. h. eine Schöpfung aus dem Nichts. Das wird zwar nicht wörtlich so gesagt in diesem Vers, aber es beinhaltet diesen Gedanken. Der Hebräerbrief versucht nicht zu beweisen, dass Gott die Macht besitzt, die Welten zu schaffen. Vielmehr bezeugt uns der Heilige Geist diese Tatsache, wie es Mose tat in Genesis 1,1 und der Psalmist (Ps 33,6-9). Der Beweis für die Schöpfung liefert uns allein das Wort Gottes. Interessant ist, dass hier für das Wort Gottes nicht Logos (λόγος), sondern Rhema (ῥῆμα) gebraucht wird. Im NT wird Logos für die Verkündigung oder die christliche Lehre gebraucht, während Rhema sich eher auf einzelne Worte oder Aussprüche bezieht. Bsp.: Und Gott sprach und so geschah es (Gen 1).

 

Schlussfolgerungen
Der Glaube besteht nicht aus dem Schauen (Röm 8,24-25; 2Kor 5,7) und er braucht auch keine Beweise, obschon es genügend Beweise gibt (Röm 1,19-20). Unser Glaube gründet sich auf den historischen Ereignissen des ATs. Die Glaubenshelden im AT sind unsere Vorbilder. Durch unseren Glauben sehen wir das Unsichtbare, wie Mose (Hebr 11,27). Alles Sichtbare ging aus dem Nichts hervor. Gott sprach und es geschah nach seinem Wort. Wer die Wahrheit aufrichtig sucht, wird sie finden (Joh 7,17). Es ist viel leichter an den lebendigen Schöpfergott zu glauben, als an einen Urknall und die Evolution mit den vielen dazugehörenden, ständig revidierten Theorien. Wer Gott sucht, wird ihn finden (Mt 7,7). Wer von ganzem Herzen nach Gott fragt, wird ihn finden (Jer 29,13).

 

VERSE 4-7: GLAUBE IN AKTION

Zuerst Vers 6: „Ohne Glauben ist es unmöglich Gott zu gefallen.“
Henoch gefiel Gott, weil er an ihn glaubte, d. h. weil er Gott vertraute. Im vertrauenden Gehorsam wandelte Henoch mit Gott. Es gibt keinen Glauben ohne den Wandel mit Gott (Jak 2,17). Wer Gott gefallen will, der muss zwei Dinge glauben: dass Gott existiert, denn ohne Gott gibt es keinen Glauben (Joh 1,3; Ps 14,1), dass Gott die belohnt, die ihn suchen. Wer Gott aufrichtig sucht, ist überzeugt, dass Gott gut ist (Lk 18,19). Glaube bedeutet im Hebräerbrief ein eifriges Bemühen Gott zu finden. Glaube bedeutet eine Beziehung zu haben, zum lebendigen Gott (Joh 17,3).

Wer sich Gott nähern will, der bemüht sich nach Gottes Willen zu leben. Er lässt sich nicht von seinem Fleisch dominieren (Röm 8,7-9; Ps 34,5-6). Glaube bedeutet, sich „der Gestalt der Lehre“ gehorsam zu übergeben (Röm 6,17). Glaube bedeutet Werke tun, die Gott gefallen (Joh 6,29), nicht Eigenwerke.

Die Betonung der folgenden Aufzählung liegt nicht bei den Menschen, sondern bei ihren besonderen Glaubenstaten: Die erste Gruppe spricht von Gläubigen, die so wandelten, dass sie Gottes Gerechtigkeit erlangten (V. 4-7; Abel, Henoch und Noah). Die zweite Gruppe spricht von Gläubigen, die im Gehorsam umherzogen (V. 8-16; Abraham, Isaak, Jakob und Sara). Die dritte Gruppe spricht von Gläubigen, die durch Leiden geprüft wurden (V. 17-28; Abraham, Isaak, Jakob, Josef und Mose).

 

Abel (V. 4): Glaube durch Anbetung ausgedrückt
Weshalb brachte Abel dem Herrn ein besseres Opfer dar als Kain (Gen 4)? Aus dem Text geht nicht genau hervor, was Kain opferte und was Gott ihm geboten hatte zu opfern. Wir wissen nur, dass Kain „von den Früchten des Ackers ein Opfer darbrachte“ (Gen 4,3). Was für Früchte waren das? Der unbestimmte Artikel „ein“ lässt darauf schliessen, dass es ein unbedeutendes Opfer war. Vermutlich brachte er nebenbei dem Herrn schnell ein Opfer dar, nach dem was er für das Beste hielt.

Das bessere (πλείων) Opfer bedeutet grösser, zahlreicher, reichlicher. „Durch Glauben ...“ an den lebendigen Gott, brachte Abel sein Opfer dar. Er brachte ein Opfer dar „von den Erstlingen seiner Schafe und von ihrem Fett“ (Gen 4,4). Es wird detailliert geschildert, was Abel darbrachte und wie er das tat. Nur das Beste war gut genug für den Herrn. Zudem tat er das mit viel Liebe und Hingabe. Damit wird unmissverständlich auf seine gerechte Herzenshaltung hingewiesen. Wer darf El-Schaddai anbeten? (Ps 24) Wer reine Hände hat und ein lauteres Herz (Ps 24,4; 145,18) und nicht hochmütig ist wie Kain. Wer rechtschaffen ist, d. h. aufrecht, geradlinig, gutgesinnt, gerecht (Spr 15,8), nicht wie Gottlose, die Böses verüben (1Petr 3,12). Wer Gottes Anordnungen gehorsam befolgt (1Sam 15,22), nicht wie Nadab und Abihu, die ein eigenwilliges Opfer darbrachten (Lev 10; Spr 28,9). Wer Gott liebt von ganzem Herzen (Mk 12,33; 2Chr 16,9; Ps 86,6-7), nicht wie Salomo, der im Alter halbherzig wurde (1Kön 11,4).

Abel erhielt ein Zeugnis (μαρτυρέω) von Gott. Wie geschah das? Wir wissen nicht wie das geschah! Vielleicht ging Feuer aus vom Himmel und verzehrte das Opfer wie bei Elischa (1Kön 18,38). Vielleicht sprach der Herr zu Abel: „Gut so, du treuer Knecht! Deine Opfergabe, die du aus Glauben mir dargebracht hast, hat bei mir Wohlgefallen gefunden.“ Das Opfer Abels offenbart uns die Ernsthaftigkeit seines Herzens.

Gottes Bestrafung gegenüber Kain war barmherzig, indem er einfach wegsah (Gen 4,5). Denken wir an Nadab und Abihu, die sofort sterben mussten (Lev 10). Trotzdem empfand Kain die Ablehnung Gottes als zu hart. Sie offenbarte die Gerechtigkeit Abels und Kains Ungerechtigkeit (1Joh 3,12). Es war schon immer so: Das Böse hasst das Gute. Deshalb tötete Kain seinen Bruder aus lauter Hass und Eifersucht.

Schlussfolgerung
Abels Blut schreit heute noch vom Ackerboden (Gen 4,10). Hier erfüllt sich, was geschrieben steht (Offb 14,13): „... denn ihre Werke begleiten sie“ oder: Ihre Werke folgen ihnen nach, weit über ihren Tod hinaus. Im Fall Abels lehren sie: „Durch Glauben wurde ich gerettet. Wer immer das liest und gerettet werden will, der handle ebenso.“ Es gibt Menschen, die haben nach ihrem Tod mehr zu sagen, als in ihrer Lebenszeit.

Abels vorbildlicher Glaube spricht heute noch zu uns im 21. Jahrhundert, durch die Heiligen Schriften (Lk 11,51; Hebr 12,24). Sein Blut schreit nach Rache und Gerechtigkeit am jüngsten Tag. Doch das Blut Jesu ruft nach Gnade und Vergebung. Es bedeutet das Ende aller menschlichen Rache (Röm 12,17-21). Abel ist somit ein Schatten, der auf Jesus Christus hinweist.

Abels Opfer steht für die Anbetung im Neuen Bund, in der wir dem Herrn unsere Liebe erwidern (Mt 23,35). Auch wir wollen dem Herrn nur das Beste opfern, d. h. unser ganzes Herz, wenn wir zusammenkommen am Sonntagmorgen, um IHN anzubeten (Spr 3,9-10). Dies beginnt schon bei der Vorbereitung, wenn wir aufstehen und uns bereit machen für die Versammlung. Wir beten Gott an in der Gemeinde der Heiligen und versprechen dem Herrn unser Leben neu. Dazu benötigen wir keine Instrumentalmusik. Wir gehen nicht zur Anbetung, um zu empfangen, sondern um zu dienen. Als Priester dienen wir am Heiligtum Gottes (egal ob wir einen Putzdienst zu versehen haben oder eine Kurzansprache).

 

Henoch (V. 5): Glaube durch den Wandel mit Gott ausgedrückt
Auch Henoch erhielt ein gutes Zeugnis (μαρτυρέω) von Gott, bevor er entrückt wurde. Deshalb liess der Herr ihm die besondere Ehre zukommen, dass er nicht den Tod sehen musste (d. h. sterben musste). Der Tod ist der Feind des Menschen (1Kor 15,26) und es ist eine besondere Gnade, dem Tod durch sanftes Einschlafen zu entgehen oder durch eine Entrückung wie Henoch.

Während seiner Lebenszeit von 350 Jahren, zeugte er Söhne und Töchter (Gen 5,21-24). Henoch zeugte Metuschelach, den ältesten Menschen auf Erden (969 Jahre, Gen 5,27; Ex 20,12; Dtn 5,16). Henoch wandelte mit Gott und erzog seine Kinder im Glauben (Spr 22,6). Er war ein Prediger der Gerechtigkeit, wie Noah (2Petr 2,5). Von ihm wurden uns wenige Worte durch Judas überliefert (Jud 14-15).

Henoch erfuhr keinen fleischlichen Tod, sondern wurde entrückt (μετατίθημι) und in die geistige Welt verwandelt. In jedem Zeitalter gibt es einen Menschen auf Erden, der entrückt wurde; im patriarchalischen Zeitalter war es Henoch (Gen 5); im mosaischen Zeitalter war es Elia (2Kön 2); im christlichen Zeitalter war es Jesus (Apg. 1). (Siehe Tabelle Zeitalter!)

 

Schlussfolgerung
Am jüngsten Tag werden wir auf ähnliche Weise entrückt und verwandelt werden „im Nu“ (1Kor 15,51-52; 1Thess 4,13-18). „Henoch lebte mit Gott“ (Gen 5,25). Das ist der Schlüssel zum Wandel im Glauben. Wer mit Gott eine innige Beziehung pflegt, der wird den Herrn sehen (1Joh 1,6-7; 3,2-6). Eine Beziehung zu Gott pflegen wir durch die Anbetung, durch unsere Gebete, durch unseren Glaubenswandel, d. h. Vertrauen und Gehorsam.

 

Noah (V. 7): Glaube durch Werke ausgedrückt
Noahs Glaube war wirklich eine Überzeugung von Dingen, die man nicht sieht (V. 1). Er nahm die göttliche Warnung ernst und deshalb baute er eine Arche. Es mag sein, dass der Bau 120 Jahre lang dauerte, von der ersten Warnung bis zur Flut (Gen 6,3). Tatsache ist, dass Noah für die Menschen Gegenstand zu Spott und Hohn wurde. Wie konnte jemand auf dem Land eine so grosse und schwere Arche bauen, die von riesigen Wassermassen getragen werden musste, um zu schwimmen?

Noah geht in die Geschichte ein, als Prediger der Gerechtigkeit (2Petr 2,5; Gen 6,9). Mit Wort und Tat warnte er die Menschen Jahrzehnte lang vor der zerstörenden Flut. Doch niemand wollte ihn hören und vom bösen Wandel umkehren.

 

Schlussfolgerung
Die Flut ist bloss ein Schatten auf den grossen Gerichtstag Gottes (Mt 24,37-39; 2Kor 6,2). Noah ist ein wunderbares Beispiel dafür, was Ehrfurcht vor Gott bedeutet. Wer Gott fürchtet, der hört auf sein Wort und meidet das Böse (Spr 1,7; 3,7). Hat Noah sich durch Werke seine Rettung verdient? Nein! Noah wurde Gott gehorsam, denn Glaube bedeutet Gehorsam (Joh 3,36). Wir werden alle einmal gerichtet, auf Grund unserer Glaubenstaten (2Kor 5,10). Natürlich ist auch der Glaube eine Tat (Joh 6,28-29; 1Joh 5,4).

Noah tat ganz wie Gott es ihm geboten hatte (Gen 6,22). Was wäre passiert, wenn Noah das Schiff 301 Ellen lang gebaut hätte (Gen 6,15)? Vermutlich wäre es wie ein Stein gesunken! Später lehrte Gott dem Volk durch das Gesetz Mose, wie eng er das sieht mit seinen Geboten (Dtn 4,2). Wenn Gott etwas gebietet, dann will er, dass wir uns ganz genau daran halten (Mt 7,24-27). Gehorsam darf nicht immer mit falscher Gesetzlichkeit verurteilt werden. Denn der Glaube erweist sich durch eine tatkräftige Liebe (Gal 5,6). Ein Glaube ohne Werke ist tot (Jak 2,26). Wir werden nicht ohne Werke, aufgrund eines persönlichen Auswahlverfahrens von Gott, bedingungslos errettet! Rettung geschieht dadurch, dass wir uns im Geist heiligen lassen und an Gottes Wahrheit glauben. Ein gutes Beispiel dazu finden wir in 2. Thessalonicher 2,13-14 (Vorsicht vor falscher Übersetzung wie NGÜ). Wer dem Evangelium Christi glaubt, zählt zu den Erwählten. Wie Noahs Glaubensgehorsam zu seiner Rettung führte, so ist es auch mit uns heute, wenn wir Gott gehorchen und seinen Willen tun.

 

VERSE 8-12: GLAUBE DURCH VERTRAUEN IN GOTT

Wir haben von Glauben in Aktion gesprochen: Glaube wurde durch die Anbetung Gottes ausgedrückt (Abel). Glaube wurde durch den Wandel mit Gott ausgedrückt (Henoch). Glaube wurde durch den Bau einer Arche ausgedrückt (Noah). In diesem Abschnitt wird der Glaube durch das Vertrauen in Gott ausgedrückt.

 

Abraham (V. 8-10): Glaube vertraut Gott
Abraham wurde von Gott berufen, auszuziehen aus seinem Heimatland, in ein für ihn unbekanntes fremdes Land (Gen 12,1). Er zog aus, ohne zu zögern (ausziehen = exerchomai), als ob er die Stimme Gottes noch hören konnte während er auszog. Er zog aus, ohne zu wissen in welches Land es ging, denn er vertraute Gott.

Einschub: Abrahams Berufung
Gemäss Genesis 11,31 wird gesagt, dass Terach, der Vater Abrahams, aus Ur in Kasdäa auszog, um ins Land Kanaan zu ziehen. Das würde bedeuten, dass Gott Abram nicht aus Ur in Kasdäa berief, sondern aus Charan, wo sich sein Vater niederliess und schliesslich starb (Gen 11,32). Doch in der englischen New International Version (NIV) wird durch die Übersetzung darauf hingewiesen, dass Gott in Genesis 12,1-3 das zweite Mal zu Abraham sprach, er solle ausziehen. Zudem wird dieser Aufruf Gottes an Abraham in Genesis 15,7, aus Ur in Kasdäa auszuziehen, wiederholt (siehe auch Neh 9,7; Apg 7,2-4).

Weil er dem Herrn vertraute und mit seinem ganzen Hab und Gut auszog, wurde es ihm als Gerechtigkeit angerechnet. Abraham war sein ganzes Leben lang ein Pilger ohne festen Wohnsitz, selbst im verheissenen Land (Apg 7,2-5). Abraham kam als Fremdling (παροικέω) in ein Land, das nicht ihm, sondern erst seinen Nachkommen versprochen war. Er besass kein Land „nicht einmal einen Fuss breit“ (Apg. 7,5). Um seine Frau Sara zu begraben, kaufte er die Höhle Machpela (Gen 23,6-9), doch eine Grabstätte wurde nicht als Landbesitz betrachtet. Er besass keine Rechte als Ausländer, die schon damals von Einheimischen unterdrückt und oft vertrieben wurden.

Die Verheissungen Gottes beziehen sich jedoch nicht nur auf das Land, sondern auch auf den Nachkommen, Jesus, mit allen seinen Segnungen für uns (Her. 6,13-17; Gal 3,16). Abraham wohnte in Zelten, weil er wusste, dass dies nur für eine beschränkte Zeit war. Denn er glaubte an die himmlische Stadt, die vor Grundlegung der Welt allen Gläubigen bereitet wurde (Mt 25,34). Er glaubte an den göttlichen Architekten, Erbauer, Techniker (τεχνίτης). „Er ist nicht ein Gott von Toten, sondern von Lebenden“ (Mt 22,32). Abrahams Streben wurde nicht befriedigt auf dieser Welt, denn sein Ziel war die himmlische Stadt, „die Stadt mit den festen Fundamenten“. Das heisst, die ewige, unzerstörbare Stadt (Ps 125,2; Offb 21). Die Stadt, die nicht durch eine Flut oder durch Kriege zerstört werden kann. Genau das ist es, auf was wir Gläubigen auch heute noch hoffen (Röm 15,4).

Seine Lebensgeschichte wird uns im ersten Mose erzählt (Gen 12-25). In den folgenden drei Lebenssituationen bewies Abraham besonderen Glauben an den lebendigen Gott:

1.  Pilgerschaft: Als er berufen wurde aus seinem Heimatland auszuziehen (Gen 12; Apg 7,2-5).

2.  Nachkommenschaft: Als Gott ihm Nachwuchs wie Sand am Meer versprach (Gen 15; Gal 3,17-24; Röm 4,9-25).

3.  Opferbereitschaft: Als er seinen Sohn opfern sollte (Gen 22; Jak 2,21-23).

Abraham war aber nicht sündlos:

- Er vertraute Gott zu wenig, als er seine Frau als Schwester ausgab (Gen 12,10-20; sie war seine „Halbschwester“ gem. Gen 20,12).

- Er vertraute Gott zu wenig, als er mit der Magd Hagar ein Kind zeugte (Gen 16).

- Er vertraute Gott zu wenig, als er lachte, dass er als Hundertjähriger noch Nachwuchs erhalten sollte (Gen 17,15-19).

Abrahams Glauben gilt auch für uns
Trotz aller Fehler wird Abraham in der Bibel zu Recht „Vater des Glaubens“ genannt, weil er im Glauben an den allmächtigen Gott lebte (Röm 4,11). Abraham wird auch zu Recht „Freund Gottes“ genannt, weil er Gott seinen einzigen Sohn nicht vorenthielt (Jak 2,21-23). Genauso werden auch wir heute aus Glauben gerecht gesprochen, wenn wir festhalten an dem, was der Herr uns durch seine Gnade geschenkt hat. Gott sei Dank, dass der Herr einmal nicht sagen wird  „Gut so, du perfekter Diener!“; vielmehr wird er sagen (Mt 25,23): „Gut so, du treuer Diener!“

 

Sara (V. 11-12): Glaube vertraut Gott
Einschub: Saras Abstammung.
Es wird nirgends gesagt, dass Sarai die Tochter Terachs war. Es wird auch nicht gesagt, wer Sarais Mutter war. Es wird nur gesagt, dass sie die Tochter von Abrahams Vater war, sie wäre dann seine Halbschwester (Gen 20,12).

Zuerst war Sara skeptisch, als der Engel ihr Nachwuchs versprach (Gen 18,9-15). Es heisst „Sara lachte bei sich“ und wurde dafür zurechtgewiesen (Gen 18,12-15). Als Abraham lachte, wurde er nicht zurechtgewiesen (Gen 17,17). Doch Saras Zweifel wandelte sich in Glaube und sie gestand später, dass Gott ihr ein Lachen bereitet hat (Gen 21,6: Isaak = Lacher).

Sara war 90 Jahre alt, als sie Isaak gebar (Gen 17,17). Paulus spricht von diesem Ereignis (Röm 4,18-21). Es heisst, Abrahams Leib war wie der eines Toten. Trotzdem hielt Gott sein Versprechen und schenkte Abraham Nachkommen wie Sand am Meer (Gen 22,17). Gott hielt auch das Versprechen, indem er die geistliche Nachkommenschaft aus Abraham hervorgehen liess - durch Jesus Christus (Gal 3,16), durch alle Gläubigen an Jesus (Gal 3,26-29).

Es ist interessant, wie Gott immer wieder im letzten Moment seine Verheissung durch eine Nachkommenschaft sicher stellte: Die Geburt Isaaks war fast wie eine Auferstehung (Gen 21,1-8). Durch die Sünde von Juda und Tamar konnte die messianische Linie doch noch weitergeführt werden (Gen 38). Atalja (siebte Herrschaft in Juda) versteckte Joasch oder Jehoasch (achte Herrschaft in Juda, 835-796 v. Chr.), der als einziger männlicher Nachfolger übriggeblieben war, aus der Nachkommenschaft Davids (2Kön 11). Esra erkannte, dass allein Gottes Erbarmen es zuliess, dass ein Rest seines Volkes wieder in ihr Land zurückkehren durfte (Esr 9,8). Schliesslich gab es Jesus, der als einziger Säugling den Kindermord des Herodes im Land überlebte (Mt 3,16-18).

 

Schlussfolgerung
Darum, lasst uns dem Herrn vertrauen wie Abraham und Sara! Sie verliessen den Götzendienst und zogen aus ihrem Heimatland weg (Jos 24,2). Auch wir sind aus dem Land der Sünde ausgezogen und befinden uns auf dem Weg ins verheissene Land (Phil 3,20).

Abraham und Sara lebten fast 2000 Jahre vor Christus und schauten gläubig auf den verheissenen Erlöser. Wir leben nun über 2000 Jahre nach Christus und schauen ebenso gläubig auf unseren Erlöser, der bald wiederkommen wird (2Petr 3,8-13).

Durch den Glauben an Jesus Christus, der vor über 2000 Jahren starb, sind wir nun Abrahams Nachkommen, d. h. Erben der himmlischen Verheissung (Gal 3,26-29) und folgen dem schmalen Weg, der zum ewigen Leben führt (Mt 7,13-14).

 

VERSE 13-16: GLÄUBIGE PILGER

Alle diese aufgezählten Patriarchen starben im Glauben, ohne die Verheissungen erlangt zu haben (V. 13).
Welche Verheissungen? Die Verheissungen, die Gott dem Abraham gab (Joh 8,56-58). Die Verheissungen vom himmlischen Land und der bleibenden Stadt (Hebr 13,14).

Sie konnten die Verheissungen von ferne sehen, aber wie? Nicht mit ihren physischen Augen. Sie sahen die Verheissungen mit ihren Glaubensaugen (Eph 1,18).

Die Verheissungen Gottes enthielten viel mehr, als weltlich begrenzte Segnungen durch Kinder oder Landbesitz, oder dadurch, dass der Herr ihr Gott sein würde. Durch Abrahams Samen sollten alle Völker auf Erden gesegnet werden (Gen 12,3; 22,18). Denn der geistliche Nachkomme Abrahams war Christus (Gal 3,16). Somit war Abraham der Vater von zwei Familien: eine fleischliche Familie, eine geistliche Familie (Gal 3,26-29).

Abraham und Jakob fühlten sich als „Gäste und Fremdlinge“ auf Erden. Abraham fühlte sich nicht zu Hause in Kanaan (Gen 23,4). Jakob erkannte, dass er ein irdischer Fremdling war und dass seine Zeit kürzer war als die seiner Vorfahren (Gen 47,9).

Die Patriarchen waren ihr Leben lang auf der Suche nach dem Heimatland (V. 14).
Abrahams und Jakobs Aussagen haben wir nachgelesen. Sie bezeugen uns unmissverständlich, dass es eine himmlische Heimat gibt. Auf dieser Welt fanden sie keine bleibende Heimat.

Wenn ihre Heimat das Land war, aus dem sie gekommen sind, so hätten sie ja wieder dorthin zurückkehren können (V. 15).
Abraham hätte genügend Zeit gehabt, wieder nach Ur in Kasdäa zurückzukehren. Jakob hätte, nachdem die Hungersnot vorbei war, nach Kanaan zurückkehren können. Doch beiden Patriarchen war das irdische Heimatland zweitrangig.

Sie streckten sich „nach einer besseren Heimat“ aus (V. 16).
Der Herr war stolz auf seine treuen Patriarchen, weil sie die himmlische Heimat höher schätzten als ihre irdische. Deshalb schämte sich Gott ihrer nicht (Ex 3,6). Gott lässt sich so sehr mit den Patriarchen ein, dass er sich vor den Menschen mit ihrem Namen identifizierte, als Gott Abrahams, Gott Isaaks, Gott Jakobs. Gott kann sich auch schämen für uns Menschen (Mk 8,38; Lk 9,26). Jesus schämt sich nicht, alle Gläubigen seine Brüder und Schwestern zu nennen (Hebr 2,11-12). Gott hat ihnen im Himmel eine ewige Stadt bereitet!

 

Schlussfolgerung
Werden wir die Verheissungen erlangen, wenn wir sterben? Wer im Herrn stirbt, der ist gesegnet (Offb 14,13). Trotzdem werden auch wir warten müssen (im Hades) bis zum jüngsten Tag um die endgültigen Verheissungen Gottes zu ererben (1Thess 4,15-17).

Für uns Gläubige ist jedes Land ein „Heimatland“ und jedes Heimatland ist ein fremdes Land! Das heisst: Wir könnten eigentlich überall wohnen, weil dies nicht so wichtig ist für die beschränkte Lebenszeit auf Erden. Überall, wo wir unseren Wohnsitz eingerichtet haben und uns zu Hause fühlen, ist nicht unsere ewige Heimat, sondern es ist ein fremdes Land, so wie es damals für die Väter war.

Jeder Gläubige fühlt sich heute noch als Fremdling hier auf Erden (1Petr 2,11-12). Wir halten alles Irdische für wertlos, im Vergleich zur himmlischen Heimat, die wir in Christus gefunden haben (Phil 3,8-9). Wir sind fest davon überzeugt, dass für uns ein Haus bereitsteht, das nicht von Menschen erbaut wurde und deshalb auch unvergänglich sein wird (2Kor 5,1). Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwindet (1Joh 5,4). Deshalb streben wir gemeinsam nach unserem himmlischen Heimatland.

 

VERSE 17-19: GLAUBENSTEST

Wir beginnen hier den dritten Abschnitt, der von den Gläubigen spricht, die durch Leiden geprüft wurden (V. 17-28).

Alles, was Abraham erfuhr in seinem Leben, war nichts, im Vergleich zur Opferung seines Sohnes Isaak. Abraham wurde berufen, aus seinem Heimatland auszuziehen, um in ein unbekanntes Land zu ziehen (Gen 12). Abraham musste Ismael und seine Mutter mit ein wenig Brot und Wasser aus seinem Lager vertreiben (Gen 21). Doch als Abraham seinen Sohn opfern sollte, da wurde er auf die höchste Probe gestellt (Gen 22). Er hätte allen Grund gehabt Gott zu fragen, was das jetzt sollte. Es war ein (übernatürliches) Wunder, dass er und Sara in hohem Alter noch einen Sohn bekamen (Röm 4,19). Weshalb sollte dieser einzige Sohn nun getötet werden?! Gottes Gebot war ein direkter Widerspruch zu seiner Verheissung (Gen 15; 21,12).

Abraham glaubte dem Herrn und vertraute darauf, dass Gott die Macht besitzt, Isaak wieder in das physische Leben zurück zurufen (Röm 4,17). Deshalb war er bereit, seinen einzigen Sohn dem Herrn zu opfern (Gen 22,5). Er war fest davon überzeugt, dass bei Gott alles möglich ist (Mt 19,26). Er wusste, dass Gott sogar aus Steinen Kinder auferstehen lassen kann (Lk 3,8). So wurde Isaak zum Schatten für Jesus Christus (siehe Schatten #6). Isaak ist ein Gleichnis oder Sinnbild (παραβολή) für die Auferstehung Christi geworden (Röm 6,4.9). Gott erlaubte Abraham nicht, seine Opferung zu vollenden, denn er hatte ja etwas Besseres vorgesehen, indem er seinen eigenen Sohn hingab am Kreuz. Abraham erkannte schon damals, dass Gott sich das Lamm für das Opfer selbst aussuchen wird und das war Jesus Christus (Gen 22,8; 1Petr 1,19).

 

Schlussfolgerung
Der Herr wird auch uns auferstehen lassen, wie Isaak und Jesus. Diese herausfordernde Prüfung brachte Abrahams Glaube nicht ins Wanken, sondern stärkte sein Vertrauen noch mehr in den lebendigen Schöpfer, dem nichts unmöglich ist. Deshalb haben auch wir allen Grund festzuhalten an der Hoffnung, die ein sicherer Anker unserer Seelen ist (Hebr 6,18-19). Darum wollen auch wir auf das Unsichtbare schauen und nicht auf das Sichtbare (2Kor 4,16-18). Alle Prüfungen und Leiden dienen zu unserem Besten und lehren uns den Gehorsam (Hebr 5,8).