Hebräer-11b: Die Helden des Glaubens

Christus ist besser als der alte Bund

 

 

VERSE 20-22: GLAUBE, DER VORWÄRTS SCHAUT

Isaak (V. 20): Durch seinen Glauben bereitete er dem Herrn die Zukunft Israels vor.
Auf ihn wurde die Segnung seines Vaters (Abraham) übertragen (Gen 28,1-5). So segnete auch Isaak seine Söhne; Esau und Jakob (Gen 27,26-40). Aus der Geschichte wissen wir, dass Isaak bei der Segnung getäuscht wurde. Mit der Hilfe seiner Mutter (Rebekka) erschlich sich Jakob den Erstgeburtssegen seines Vaters. Esau, der sein Erstgeburtsrecht für ein Linsengericht bereits an seinen Bruder verkauft hatte (Gen 25,29-34), musste nun die bittere Wahrheit akzeptieren. Der Herr enthüllte der Mutter (Rebekka) schon bei der Geburt, dass der Ältere dem Jüngeren dienen werde (Gen 25,19-23). Weil der Jüngere bei der Geburt die Ferse seines älteren Bruders hielt, wurde er Jakob genannt (d. h. Fersenhalter, Gen 25,24-28). Auch wenn es bei dem Erstgeburtsrecht nicht mit „rechten Dingen“ zuging, war es zweifellos Gottes Wille, dass Jakob der Nachkomme der messianischen Linie war. Vom menschlichen Standpunkt aus betrachtet müsste dies Esau sein, denn er war der ältere, stärkere und sportlichere von beiden. Doch Gott schaut nicht auf das, was Menschen schauen, sondern ER beurteilt nach dem Herzen (1Sam 16,7).

Am Anfang sah es aus, als ob die Nachkommen Esaus (Edomiter) mehr gesegnet waren. Später eroberten Saul und David die Edomiter und machten sie sich untertan (1Sam 14,47; 2Sam 8,14). Schliesslich eroberte Johannes Hyrkanos I., der während der Makkabäerzeit Israel regierte (135-104 v. Chr.), die Edomiter und zwang sie sich zu beschneiden und zum Judentum zu bekehren.

 

Jakob (V. 21): Durch seinen Glauben vertraute er in Gottes Zukunftspläne für sein Volk.
Am Anfang seines Lebens hatte er Mühe, dem Herrn zu vertrauen (Gen 25,26; 27,19). Doch dieser Vers reflektiert seinen herangewachsenen Glauben, kurz vor seinem Tod. Er adoptierte die Söhne Josefs und stellte sie vor seinen eigenen (Gen 48,5). Ruben, der Erstgeborene, hatte es mit seinem Vater verspielt (Gen 35,22; 37,29-34; 42,24). Auch Simeon und Levi erwiesen sich als schlechte Anführer ihrer Brüder (Gen 34,25.30). Nur Juda zeigte Charakter und war bereit, sein Leben hinzugeben für seinen jüngsten Bruder Benjamin (Gen 44,33). Damals war er mit seinen Brüdern in Ägypten und stand vor Josef, kurz bevor dieser sich ihnen zu erkennen gab. Deshalb wurde Juda zum Träger der messianischen Linie, aus der schliesslich Jesus Christus hervorging.

Jakob segnete Efraim und Manasse mit besonderem Mass, so dass sie zu Führern in Israel heranwuchsen (Gen 48,5-20). Dabei kreuzte er bei der Segnung seine Arme über den Köpfen, sodass der Jüngere (Efraim) gegenüber dem Älteren (Manasse) den Vorrang bekam (Gen 48,20b-22). Propheten bezeichneten manchmal die Nordstämme Efraim (Hos 11,1-3.8.9). Auch diese Segnung war Gottes Wille und deutete auf die Zukunft der einzelnen Stämme Israels hin (Gen 49).

Jakob betete den allmächtigen Gott an, der ihm erschienen war (Gen 48,3-4). Deshalb beugte er sich über die Spitze seines Stabes. Der Stab ist das Zeichen seiner Wanderschaft. Die Spitze des Stabes, der ihm hier auf Erden gedient hatte, zeigte nach oben, d. h. auf das Ziel seiner Wanderschaft.

 

Josef (V. 22): Durch seinen Glauben nahm er Anteil am Plan Gottes für sein Volk.
Er vertraute den Aussagen seines Vaters (Gen 48,3-4), der ihm Gottes Verheissung weitergab. Deshalb liess er seine Söhne schwören, dass seine Gebeine nach Kanaan gebracht werden sollten (Gen 50,24-25). So wurde sein Körper mumifiziert, für die Zeit des Exodus (Ex. 13,19). Seine Gebeine wurden in Schechem begraben (Jos 24,32). Er bewies in allen seinen Lebensprüfungen grossen Glauben und deshalb heisst es: „Aber Gott war mit ihm“ (Apg 7,9-10). Er verbrachte fast sein ganzes Leben in Ägypten. Siebzehn Jahre jung war er, als er nach Ägypten kam. Doch Ägypten war nicht seine Heimat. Sein Vater erzählte ihm sehr wohl von einer bleibenden Wohnstätte. Deshalb wusste er, dass Ägypten nicht das Endziel für das Volk Gottes war (Gen 15,13-16).

Dieses Beispiel zeigt, dass der Glaube auf Dinge hofft, „die man nicht sieht“ (Hebr 11,1). Josef schaute im Glauben hin auf den grossen Tag des Auszugs (Ex 12). Er starb mit 110 Jahren (Gen 50,26), 1806 vor Christus. Der Exodus fand 360 Jahre später statt, 1446 vor Christus. Der Exodus bildet den Schwerpunkt in der jüdischen Geschichte (1Kor 10,1-2). Die Geschichte Josefs zeigt, dass Gott die grössten Niederlagen in einen Sieg verwandeln kann und die traurigsten Ereignisse zu einem Segen für viele Menschen!

 

Verse 23: Gläubige Eltern

Hier wird der Glaube von Moses Eltern hervorgehoben, die sich vor dem Befehl des Pharaos nicht fürchteten, sondern mutig widersetzten. Die Namen der Eltern waren Amram (Stamm Levi) und Jochebed (Ex 6,20). In 2. Mose wird der Glaube der Mutter Jochebeds hervorgehoben (Ex 2,1-10). Durch den Begriff „Eltern“ wird in unserem Text auch der Glaube des Vaters Amram betont. Es kann gut sein, dass Gott sich den Eltern von Mose offenbarte und ihnen dabei mitteilte, ihr Sohn werde einen göttlichen Auftrag in seinem Leben zu erfüllen haben. So jedenfalls bestätigt es uns der jüdische Geschichtsschreiber Josephus, der vorwiegend in der zweiten Hälfte des ersten Jahrhunderts nach Christus wirkte und sich bemühte, Israel möglichst im positiven Licht darzustellen. Laut Josephus hatte Amram eine nächtliche Gotteserscheinung.

Bestimmt hatten die Eltern als Hebräer von den Verheissungen Gottes an Abraham gehört und vom Befreier, den der Herr dem Volk senden werde. Fest entschlossen trotzten die Eltern dem Befehl des Königs (d. i. der Pharao), weil sie in ihrer Gottesfurcht dem Herrn mehr gehorchten als Menschen (Apg 5,29). Egal, was auch passieren würde und ob sie dafür sterben mussten. Sie setzten mutig alles daran, das Leben ihres neugeborenen Kindes zu retten.

In unserem Text sieht es aus als ob das Kind drei Monate lang vor dem Pharao und seinen Truppen versteckt wurde, weil es äusserlich so schön war. Josephus bestätigt das in seinem fünften Kapitel seiner Geschichtsschreibung. Es kann sich nicht bloss um eine äussere Schönheit handeln, sondern um das Zeichen göttlicher Erwählung, das die Eltern in ihrem Kind sahen (1Sam 9,2; 16,12). Ähnlich wie Gott Wohlgefallen gefunden hatte an seinem Sohn (Lk 3,22). Auch Mose war in Gottes Augen anmutig, angenehm (Apg 7,17-22). Asteios (ἀστεῖος) kann im Griechischen bedeuten: städtisch, urban, fein, schön, gebildet; witzig, zartfühlend.

Nach drei Monaten gaben die Eltern das Kind in Gottes Hand. Die Mutter flocht einen wasserfesten Korb „aus Papyrus und verklebte ihn mit Asphalt und Pech“ (Ex 2,3). Sie musste damit rechnen, dass der Wind den Korb ins offene Meer hinaus blies. Sie musste damit rechnen, dass die Truppen des Pharaos den Korb entdeckten und das Kind doch noch getötet wurde. Doch es kam alles ganz anders, weil Gottes Hand im Spiel war (Ex 3,9). Gegen Gottes Ratschluss kann man auch nicht mit tausend ersonnenen Listen ankämpfen. Gott fügte es so, dass die Tochter des Pharaos (Thermutis) und der Pharao selbst vom Kindlein angetan waren und es nicht töteten, trotz den warnenden prophetischen Stimmen im Land. Auch Mirijam, die Schwester Mose trug ihren Teil bei, indem sie der Tochter des Pharaos vorschlug, eine hebräische Amme zu rufen, die das Kind stillen konnte (Ex 2,7). Dieser unerschütterliche Glaube der Eltern Mose ist uns zum Vorbild geworden.

 

VERSE 24-29: DER GLAUBE MOSES

Mose (V. 24-28): Fünf Beweise für den Glauben Moses.

1.  Glaube, der sich weigert (V. 24)
Mose hätte als Prinz in einem wunderschönen Palast leben können. Vielleicht wäre ihm sogar noch die Herrschaftskrone gegeben worden. Tatsache ist, dass er in einer der grössten Nationen der damaligen Welt lebte. Er hätte es sich dort gut gehen lassen können. Er weigerte sich aber zum Leben im Luxus, weil er an Gott glaubte.

2.  Glaube, der sich entscheidet (V. 25)
Es ist leicht, sich von der Sünde betrügen zu lassen (Hebr 3,13). Mose hatte die Gelegenheit, die Ägypter oder die Israeliten zu führen. Mose hätte sagen können: „Als Josef nach Ägypten kam, erlebte er einen grossartigen Aufstieg im Haus des Pharaos und blieb im Land bis er starb. Dabei konnte er gleichzeitig auch Gott und seinem Volk dienen. Warum sollte ich nicht auch dasselbe tun?“ Mose sah genügend in Ägypten, seinem vergänglichen Reichtum und seinem unmoralischen Lebensstil. Doch mit unwiderruflichem Entscheid liess er seine Privilegien in Ägypten fallen und wählte die Schmach und Schande für das Volk Gottes zu ertragen.

3.  Glaube, der die Schmach Christi für grösseren Reichtum hält (V. 26)
Der Reichtum Ägyptens war weit bekannt in der Welt. 1922 wurde an einer Grabkammer sechs Jahre lang gegraben. Es blieb für 3500 Jahre unentdeckt und gut verschlossen. Der Inhalt des Grabes verrät den ungeheuren Reichtum des alten Ägyptens. Mose und der ausgegrabene Pharao lebten hundert Jahre auseinander. Die Erinnerung an diese beiden Männer könnte unterschiedlicher nicht sein. Das Grab Mose wurde nie gefunden und trotzdem gibt es bis heute kaum jemand, der noch nie etwas von ihm gehört hat. Das Leben dieses Pharaos zeigt wie vergänglich Ruhm und Reichtum ist. Das Leben, das Mose wählte, enthielt trotz Schmach, einen viel grösseren Reichtum. Obschon Mose Jesus noch nicht kannte, erduldete er die Schmach Christi, indem er dieselbe Schande über sich ergehen liess (Hebr 13,13). Bis zu einem gewissen Grad werden alle Gläubigen leiden in ihrer Nachfolge (2Tim 3,12). Paulus betrachtete sein früheres Leben ohne Christus als Verlust (Phil 3,7-10).

4.  Glaube, der seinen Blick auf die grosse Belohnung richtet (V. 26b und 27)
Mose entschied sich im Glauben für Gott und sein Volk, weil er auf die himmlische Belohnung schaute. Seine Entscheidung, das Haus des Pharaos zu verlassen, verstand niemand im Hof, so dass er dafür vermutlich noch gehänselt wurde. Es wäre, als ob wir als Sohn oder Tochter eines Milliardärs unseren eigenen Weg gehen würden, ohne von dem gesicherten und üppigen Leben im Reichtum zu profitieren. Wer möchte nicht schon ein Promi sein und VIP-Status haben? Wenn es jemand zum Erfolg und Reichtum gebracht hat, dann wird gesagt: „Der hat es geschafft.“ Viele wünschen sich reich und berühmt zu sein, doch für die Meisten bleibt es ein lebenslanger und unerfüllter Wunsch. Mose war reich und berühmt. Er besass alle Vorrechte, doch er gab sie auf, weil er im Glauben auf Gottes Himmelreich schaute. Wie weit sich Mose der Tragweite seiner Entscheidung bewusst war, wird hier nicht gesagt. Wir Menschen kennen unsere Zukunft nicht, doch der Herr führt uns. Gerade in Glaubensangelegenheiten wachsen wir immer tiefer in unsere Aufgabe hinein, die der Herr für uns vorgesehen hat, wie Mose.

Mose wuchs in seine verantwortungsvolle Aufgabe hinein, indem er zuerst einmal aus Ägypten nach Midian floh. Er fürchtete sich vor dem Pharao, weil er einen Ägypter erschlagen hatte (Ex 2,14-15). Vierzig Jahre alt war er, als er den Mord begangen hatte (Apg 7,23). Nach vierzig Jahren in der Wildnis, kam er gedemütigt mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen zurück nach Ägypten (Ex 4,18-20; Apg 7,30). Da gab ihm der Herr den grossen Auftrag, zum neuen Pharao zu gehen und ihn zu bitten, Israel aus Ägypten wegziehen zu lassen (Ex 3,7-12). Der Herr gab Mose schrittweise immer grössere Verantwortung im Glauben. Zu Beginn wollte er noch nicht so richtig (Ex. 4). Doch dann wurde er jedes Mal mutiger, wenn er vor den Pharao trat (Ex 5,1; 7,16; 8,16; 9,1 usw.). Beim Auszug aus Ägypten hatte Mose keine Angst mehr vor dem Pharao und seinem ganzen Heer (Ex 14,13-14). (Mose verliess zwar Ägypten einst mit Furcht, aber beim Exodus ging er mit grossem Mut voran, worauf in Hebräer 11,27 Bezug genommen wird!) Mose hielt sich an den unsichtbaren Gott, als ob er ihn sehen würde, heisst es. Tatsache ist, dass Mose durch die Erfahrung mit dem brennenden Busch, Gott auf eine Art gesehen hatte (Ex 3,2-6); das heisst; er sah den Engel des Herrn. Der Herr offenbarte sich durch einen Engel. Es wird aber auch gesagt, dass Mose sein Angesicht verhüllte. Im Exodus wird die besondere Beziehung erwähnt, die Mose zu Gott hatte, der mit ihm „von Angesicht zu Angesicht“ redete (Ex 33,11; Num 12,7-8). Tatsache ist, dass Gott dem Mose nach seiner Berufung unzählige Male erschien, aber richtig gesehen, hatte Mose den Herrn nie (Joh 1,18). Mose kam dem Herrn näher, als jeder andere sterbliche Mensch, trotzdem durfte er nur den Abglanz der göttlichen Herrlichkeit sehen (Ex 33,20-23).

5.  Glaube, der gehorsam ist (V. 28-29)
Mose glaubte alles, was der Herr zu ihm redete, deshalb ordnete er dem Volk das Passa (=vorbeiziehen, vorübergehen) an. Dazu musste ein makelloses, männliches, einjähriges Lamm geschlachtet werden (Ex 12,5). Das Blut des Lammes mussten die Israeliten an die Türpfosten ihres Hauses streichen, als Zeichen für den Todesengel (Würgeengel), damit die Erstgeburt nicht getötet wurde (Ex 12,22-23). Damit wurde das jährliche Passafest für die Juden als ewige Ordnung eingeführt (Ex 12,24-28). Diese Ordnung galt bis zu Christus, der anstelle des Passalamms geschlachtet und gefeiert werden sollte (1Kor 5,7b; Hebr 8,6: das christliche Osterfest). Weil die Israeliten Mose glaubten, taten sie wie er ihnen anordnete. Sie schlachteten ein Lamm und strichen das Blut an die Türpfosten ihrer Häuser. Sie blieben die ganze Nacht in ihren Häusern und assen das Lamm. Während die Erstgeburt aller Ägypter sterben musste, blieben die Israeliten verschont.

Einschub: Siehe Ähnlichkeiten zwischen Mose und Jesus (siehe Exodus-10 & Schatten #8).

1. Mose: Lebensbedrohung bei der Geburt durch Pharao (Ex 1,22; 2,2)
Jesus: Lebensbedrohung bei der Geburt durch Herodes (Mt 2,16-18)

2. Mose: Fand Sicherheit in Ägypten (Ex 2,1-10)
Jesus: Seine Eltern flüchteten ins sichere Ägypten (Mt 2,13)

3. Mose: Fastete 40 Tage auf dem Berg Sinai als er den Bund Gottes niederschrieb (Ex 34,28)
Jesus: Fastete 40 Tage in der Wüste, um vom Teufel versucht zu werden (Mt 4,2)

4. Mose: Mose und Aaron bewirkten grosse Zeichen und Wunder, um ihre Gottesgesandtschaft zu beweisen (Ex 4,1-9.29-31)
Jesus: Jesus und die Apostel bewirkten grosse Zeichen und Wunder, um ihre Gottes-gesandtschaft zu beweisen (Joh 20,30; Mk 16,20; 2Kor 12,12; Hebr 2,3-4; Apg 5,12)

5. Mose: Erduldete zahlreiches Murren (Ex 14,11; 15,24; 16,2)
Jesus: Erduldete zahlreiches Murren (Mk 14,4; Lk 5,30; Joh 6,41)

6. Mose: Vollbrachte einige Wunder (Ex 7-12; 14,21; 15,25)
Jesus: Vollbrachte einige Wunder (Joh 20,30-31)

7. Mose: Hörte die Stimme Gottes aus dem Himmel (Ex 19,19)
Jesus: Hörte die Stimme Gottes aus dem Himmel (Mt 3,17)

8. Mose: Erschien nach seinem Tod andern Menschen (Mt 17,3)
Jesus: Erschien nach seinem Tod andern Menschen (Joh 20,19; Apg 9,5)

9. Mose: Speiste die Volksmenge (Ex 16,15)
Jesus: Speiste die Volksmenge (Mt 14,20-21)

10. Mose: War ein grosser Prophet Gottes (Ex 18,15)
Jesus: War ein grosser Prophet Gottes (Mt 23,37)

11. Mose: War anmutig in Gottes Augen (Ex 2,2; Apg 7,20)
Jesus: Fand Wohlgefallen in Gottes Augen (Mt 3,17)

 

Vers 29: Der Glaube der Israeliten.
Obschon der Glaube des Volkes Israel sehr schwach war (Ex 14,11-12), gingen sie trotzdem alle durch das Rote Meer hindurch und wurden gerettet (Ex 14,30). Sie gehorchten den Anweisungen Mose und wurden dafür belohnt. Die Ägypter hingegen sahen auf das Sichtbare und beugten sich nicht dem Willen Gottes. Deshalb kann gesagt werden: „Durch Glauben zogen die Israeliten durch das Rote Meer und wurden gerettet.“

 

Schlussfolgerung
Glauben heisst, mit der Wirklichkeit des unsichtbaren Gottes rechnen (V. 27). Auch wir werden belohnt von Gott, wenn wir am Glauben festhalten, d. h. wenn wir allem Weltlichen den Rücken zuwenden, wie Mose sich weigerte, einen zeitlich begrenzten Genuss von der Sünde zu haben, wenn wir uns entscheiden, für Gottes Gemeinde einzustehen und zu leiden, wenn wir die Schmach Christi für grösseren Reichtum erachten, als alle Schätze der Welt, wenn wir unsere Blicke auf die himmlische Belohnung richten, wenn wir gehorsam die Anleitungen Gottes durch sein Wort befolgen. Vieles ist bei den Menschen unmöglich und unglaublich, aber bei Gott nicht (Mk 10,27). Darum, lasst uns dem Herrn vertrauen und gehorchen in allem, was er uns gebietet, denn er führt auch uns zum ewigen Sieg (1Kor 15,57)!

 

VERSE 30-31: GLAUBE, DER VORWÄRTS GEHT

Bis jetzt war von Glaubenshelden die Rede, doch nun wird der Fokus auf die Mauern von Jericho gelegt (V. 30; Jos 6). Diese Mauern fielen aus zwei Gründen:

Aufgrund des Glaubens der Israeliten (V. 30).

Aufgrund der Macht Gottes, der Jericho in die Hand Josuas gab (Jos 6,2.20).

Dieses Ereignis prägte sich im Volk tief ein und auch die Nationen um Israel waren gewarnt (Jos 2,8-11). Dicke Stadtmauern fallen nicht - auch wenn noch so viele Soldaten auf den Boden stampfen, auch wenn noch so viele Menschen gemeinsam laut Brüllen und in die Hörner blasen (Jos 6,20). Es war einzig und allein der allmächtige Gott, der das bewirkte, denn es war Sein heiliger Krieg, wie beim König Jehoschafat (2Chr 20,15.17). Vier Jahrhunderte wurde diese Stadt nicht wieder aufgebaut (Jos 6,26; 1Kön 16,34).

Josua war ein Mann des Glaubens, wie Mose und der Herr war mit ihm auf allen Wegen (Jos 1,9). Bei der Einnahme Jerichos spielte die Bundeslade eine wichtige Rolle, das ist die Gegenwart Gottes (Jos 6,6).

Schlussfolgerung
Dieses geschichtliche Ereignis zeigt einmal mehr, dass es keinen Glauben gibt ohne Werke (Jak 2,17.20). Es gibt auch keine Gnade ohne unseren Gehorsam (Röm 6,1-2). Wir werden aufgerufen, die Sünde zu besiegen und der Gerechtigkeit dienstbar zu werden (Röm 6,12-23). Wenn wir uns bewaffnen, mit der geistlichen Rüstung Gottes gegen die Sünde, dann wird der Herr auch uns den Sieg schenken (Eph 6,10; Hebr 4,12-13). „Wir aber gehören nicht zu denen, die zurückweichen und zugrunde gehen, sondern zu denen, die glauben und sich das Leben bewahren“ (Hebr 10,39).

Durch Glaube rettete die Dirne Rahab ihr Leben und das ihrer Angehörigen (V. 31; Jos 6,23). Die Dirne Rahab war eine aussergewöhnliche Frau. Sie glaubte fest an den lebendigen Gott im Himmel, der mit den Israeliten war (Jos 2,8-11). Deshalb riskierte sie ihr Leben, indem sie zwei Spione vor den Stadtbewohnern versteckte und ihre Leute belog (Jos 2,1-7). Sie musste ihren sündhaften Wandel gehasst haben und war zu allem bereit, um ihr Leben zum Guten zu verändern. Sie war heidnischer Abstammung und kannte das Gesetz Mose nicht. Durch ihren Glauben wurde sie gerechtfertigt vor Gott.

Rahab wurde später die Mutter von Salmon, die Mutter von Boas (Rut 4,21). Boas war der Vater von Obed, der mit Rut den Isai zeugte. Aus Isai kam der König David, der Vorfahre des Messias (Mt 1,5-6). Rahab wurde also die Gross-Gross-Grossmutter des Königs David.

Schlussfolgerung
Auch hier wird ersichtlich, dass der Glaube sich durch Werke des Gehorsams manifestiert (Jak 2,25). Was waren ihre Werke des Gehorsams? Rahab nahm die Spione bei sich auf und versteckte sie. Sie belog die Stadtbewohner (Apg. 5,29). Sie band eine rote Schnur an ihr Fenster, als abgemachtes Zeichen für die Israeliten (Jos 2,). Gott ist gerecht und verschont jeden vor dem Untergang, wenn er nur ein wenig Ehrfurcht aufweist, wie die Dirne Rahab (Jona 3; Gen 18,32; Rut 1,22). Es ist interessant, dass es Menschen gibt, die viele Möglichkeiten in ihrem Leben erhalten, um dem allmächtigen Gott ihren Glauben und ihre Liebe zu erweisen. Doch leider lassen viele diese Gelegenheiten an sich vorübergehen. Dann gibt es Menschen von tiefstem Stand wie Rahab, die kaum etwas über Gott wissen und mitten in einer gottlosen Stadt leben, aber im richtigen Moment bereit sind, ihr Leben für den Herrn hinzugeben, egal was es kostet. Rahabs Bsp. zeigt, dass es nicht darauf ankommt, wie weit wir von Gott weg sind, wenn der Herr seine Arme ausstreckt und uns seine Gnade anbietet (Jes 59,1).

 

VERSE 32-40: GLAUBE, DER GOTT AUCH IN DEN LEIDEN VERTRAUT

Die Bibel ist voll von wunderbaren Beispielen des Glaubens.
Dem Autor fehlt die Zeit, alle im Einzelnen zu erwähnen. Was folgt, ist eine Liste von Namen und Werken, die den Empfängern des Hebräerbriefs in Erinnerung gerufen werden. Ihnen allen schliessen wir Gläubigen uns an und wollen nicht müde werden im Glaubenskampf, auch wenn uns nicht immer alles gelingt.

Gideon (Ri 6,11 - 8,32):
Er war der fünfte Richter, der im Glauben die Midianiter besiegte. Gideons Armee bestand nur aus 300 Mann gegen mindestens 135'000 midianitische Krieger (Ri 7,6; 8,10). Er vertraute Gott, dass er mit seinen wenigen Kriegern, die wie Hunde das Wasser geleckt hatten, die Feinde besiegen werde (Ri 7,5-7).

Barak (Ri 4,1 - 5,31):
Er brachte mit 10000 jungen Männern den Kanaanitern eine schwere Niederlage bei (Ri 4,10). Sisera, der Feldherr der Kanaaniter, war in der Übermacht und besass 900 eiserne Kriegswagen (Ri 4,3). Er wurde von einer mutigen Israelitin getötet. Sie nahm einen Zeltpflock und einen Hammer, ging in sein privates Zelt und schlug ihm den Zeltpflock, während er schlief, durch die Schläfe (Ri 4,21). Es war eine Zeit, in der die Frauen mutiger waren als die Männer und ein grösseres Vertrauen in den Herrn bewiesen - ähnlich wie heute. Barak wird hier als Mann des Glaubens aufgeführt, aber sein Vertrauen in Gott war nicht stark genug. Er führte die israelitische Armee in den Krieg, aber nur deshalb, weil er von Debora angefeuert wurde. Darum wird er auch nicht auf der Liste der zwölf Richter aufgeführt, sondern Debora als vierte Richterin, die damit dem Land vierzig Jahre Ruhe verschaffte.

Samson (Ri 13,24 - 16,31):
Er war der zwölfte Richter, der den Philistern zur Geisel wurde. Er war zwar sehr eigenwillig und wird hier nicht gelobt für seine Unzucht mit der Philisterin, sondern für seine Heldentaten des Glaubens. Besonders das allerletzte Massaker, das er im Palast der Philister anrichtete, war nur durch seinen grossen Glauben an Gott möglich (Ri 16,28).

Jephta (Ri 11,1 - 12,7):
Er war der neunte Richter, ein tüchtiger Krieger, aber der Sohn einer Hure (Ri 11,1). Er vertrieb die Ammoniter vor dem Volk Israel und verschaffte dem Land Ruhe (Ri 11,32). Allerdings kostete ihn ein Gelübde gegenüber dem Herrn seine Tochter (Ri 11,30-31).

David (1Sam 16 - 2Sam 24):
Er war ein Mann nach dem Herzen Gottes (1Sam 13,14; Apg 13,22). Auch er machte schwerwiegende Fehler in seinem Leben (2Sam 11,4.15). Deshalb verhiess ihm der Prophet Nathan in seinem Haus viel Unheil (2Sam 12,11). Mit der Hilfe Gottes gewann er viele Kriege gegen die Feinde Israels, so wurde das Land durch ihn stabiler (Bsp. gegen den Philister Goliat, 1Sam 17; 18,7). Gottes Geist war auf ihm, als er seine letzten Worte sprach (2Sam 23,2). Seinen tiefen Glauben drückte er in vielen Psalmen aus, die er zur Anbetung Gottes schrieb (Bsp. Ps 23; Lk 20,42). Nur vom König Josia16 (640-609 v. Chr.) im Südreich, wurde er überboten in der Treue zum Herrn (2Kön 23,25). Gott bestätigte seine Verheissungen erneut durch David, der zum Schatten für Jesus Christus wurde (Jes 55,3-4; Apg 13,32-35, siehe Schatten#12).

Samuel (1Sam 2,21 - 25,1):
Er war der letzte Richter Israels und gleichzeitig auch ein grossartiger Prophet Gottes. Er tat so viel Gutes und war fast unentbehrlich für das Volk Gottes, so dass Saul ihn durch eine Totenbeschwörerin aus dem Scheol zurückrufen liess (1Sam 28,15). Leider hatte er keinen guten Einfluss auf seine beiden Söhne. Wie sein Vorgänger Eli, war Samuel zu lasch mit seinen Söhnen (1Sam 3,12-13). Samuels Söhne wurden zwar zu Richtern eingesetzt, aber sie waren geldgierig, nahmen Bestechung an und beugten das Recht (1Sam 8,1-7). Deshalb wollten die Führer Israels sie nicht als Samuels Nachfolger, sondern begehrten einen König (1Sam 8,5).

Die Propheten:
Bekannte Propheten waren Jesaja, Daniel, Jeremia, Sacharja, Elija und Elischa. Sie alle haben für die Sache des Herrn viel gelitten (Jak 5,10).

Hier nimmt die Aussage des Schreibers einen allgemeinen Charakter an, indem er Frauen und andere Helden ohne Namen erwähnt, die aufgrund ihres Glaubens Grosses getan haben (V. 33-38).

Die Grosstaten fallen in drei Gruppen:

Erreichtes - in Bezug auf Königreiche bezwungen, Gerechtigkeit geübt, Verheissungen erlangt (V. 32-34).

Durchgestandenes - in Bezug auf Verfolgungen (V. 35-36).

Bestandenes - in Bezug auf Leiden (V. 37-38).

Dann werden auch Frauen erwähnt, die viel gelitten haben (V. 35).
Sie haben ihre Toten wiederbekommen (Lazarus: Joh 11). Elija erweckte den Knaben der Witwe in Zarefat oder Sarepta (1Kön 17,17-24). Elischa erweckte das tote Kind der Schunamitin (2Kön 4,18-37).

In den Versen 33-34 werden neun Beispiele des Sieges aufgezählt, die Menschen Dank ihres Glaubens, mit der Hilfe Gottes errangen:

Königreiche bezwungen
Von Helden, wie Gideon, Barak, Jephta und David, die bereits erwähnt wurden. Sie haben die gottlosen Völker bestraft, nach dem Willen des Herrn (Ex 34,10-16; Dtn 12,31). Gott wartete z. B. bis die Schuld der Amoriter voll war (Gen 15,16b).

Gerechtigkeit geübt
Samuel verschaffte sein Leben lang Israel zum Recht (1Sam 7,15; 12,4). Von David heisst es, dass er als König dem ganzen Volk Recht und Gerechtigkeit verschaffte (2Sam 8,15). Auch Noah, Hiob und Daniel waren Gerechte in Gottes Augen (Ez 14,14.20).

Verheissungen erlangt
Besonders deutlich sehen wir das bei den Richtern Barak und Gideon (Ri 4,14-15; 6,14; 7,7). Zudem erfüllte sich das Wort Gottes an Israel, als sie unter Josua das Land Kanaan einnahmen (Jos. 21,43-45). Jesaja sah, wie die Stadt Jerusalem von den Feinden im Norden verschont wurde, wie ihm der Herr vorhersagte (2Kön 19). Daniel sah das Ende der babylonischen Gefangenschaft, wie es ihm verheissen wurde (Dan 9). Verschiedene kurzfristige Ziele, die der Herr versprach, wurden erreicht.

Löwen den Rachen gestopft
Samson, der zwölfte Richter, kämpfte gegen Löwen (Ri 14,6). Der König David tötete Löwen, als er noch Schafhirt war (1Sam 17,34-35). Bei Daniel in der Löwengrube war es Gott, der einen Engel sandte, um den Löwen den Rachen zu verschliessen (Dan 6,23). Daniels Treue zum Herrn konnten alle erkennen (Dan 6,4-5.12). Daniels ungetrübtes Vertrauen in Gott ist vorbildlich (Dan 6,11). Daniels Dienst für Gott sah selbst der König (Dan 6,21). Heute noch geht der Teufel umher wie ein brüllender Löwe, vor dem wir uns aber nicht zu fürchten brauchen, wenn wir dem Herrn vertrauen (1Petr 5,8-9).

Gewaltiges Feuer gelöscht
Wer denkt dabei nicht sofort an die drei Gottesdiener: Schadrach, Meschach und Abed-Nego (Dan 3,16). Aus Glauben antworteten sie Nebukadnezar, als er sie fragte, weshalb sie sich nicht vor der goldenen Götzenstatue verneigten (Dan 3,16-18):

„Wir müssen dir keine Antwort geben.“

„Unser Gott wird uns aus dem lodernden Feuerofen erretten.“

„Auch wenn unser Gott uns nicht errettet, werden wir zu IHM halten.“

Vielleicht gab es noch andere Ereignisse, von denen uns die Bibel nichts berichtet. Wir können uns durch verletzende Aussagen von andern aufwiegeln lassen und es weitererzählen, so dass ein Flächenbrand entsteht, statt das Feuer von Anfang an mit unserer Liebe zu löschen (Jak 3,5-6).

Dem zweischneidigen Schwert entronnen
Davids Sieg über den Philister Goliat ist allen wohl bekannt (1Sam 17). Nachdem Saul mit seinem Speer David fast an die Wand gespiesst hatte, versuchte er ihn zu töten (1Sam 18,10-11; 19,10). Auf der Flucht vor Saul wich David keinen Fussbreit vom Weg Gottes ab. Dabei erlebte er, wie der Herr sein Leben auf wunderbare Weise bewahrte, indem er dem Schwert Sauls immer wieder entkam (1Sam 20,22; 22,17; 23,13-14). Auch die Propheten wurden auf ähnliche Weise bewahrt:

Elija vor der Isebel (1Kön 19,1-6).

Elischa vor Isebels Sohn, Jehoram (2Kön 6,14-23.31-33)

Vielleicht dachte der Autor auch an die Königin Ester, Mardochai und die Juden, die vor dem Tod bewahrt wurden (Es 4,13-14; 7,4.10; 9,20-22). Im Neuen Testament lesen wir von Petrus, Paulus und Silas, die aus dem Gefängnis befreit wurden und so dem Todesschwert entgingen (Apg 12,11; 16,26). Wenn wir vom Bösen angegriffen werden, dann gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder wir fliehen und entziehen uns einem Kampf (was manchmal empfehlenswert sein kann), oder wir stellen uns dem Kampf mit dem Schwert des Geistes, das uns von Gott geschenkt wurde, um uns zu verteidigen (Hebr 4,12; Eph 6,17).

Als sie schwach waren, haben sie Kraft empfangen
Barak (Ri 4,3.14-16.23): Mit einer kleinen Armee gelang es Barak, den übermächtigen König von Kanaan mit seinen Kriegern zu unterwerfen. Der Herr brachte die Feinde in Verwirrung und unterwarf sie vor den Israeliten.

Samson (Ri 16,25.28-30): Nachdem man Samson die Haare geschnitten und die Augen ausgestochen hatte, wurde er gefesselt den Philistern vorgeführt. Samson flehte zum Herrn und der Herr gab ihm ein letztes Mal seine fast übermenschliche Kraft zurück. David war unter den Schwachen, die durch den Herrn stark gemacht wurden (siehe David gegen Goliat, 1Sam 17).

Achab (1Kön 20,13.28-29): Der Herr hat Grosses getan für sein Volk. Der König Achab und seine Feinde konnten erkennen, wie gross der Herr ist. In diesem Fall liegt die Betonung nicht auf dem Glauben Achabs, sondern auf der Tatsache, dass der Herr den Schwachen die Siegeskraft gab. Wir brauchen uns niemals zu fürchten vor der irdischen Übermacht, auch wenn sie noch so gross ist (Num 13,22-34). Gottes Macht ist viel überragender, der wir uns anvertrauen dürfen. „Alles vermag ich durch den, der mir die Kraft dazu gibt“ (Phil 4,13).

Im Krieg stark geworden
Denken wir an die Israeliten, die sieben Mal um Jericho herumzogen (Jos 6). Am siebten Tag bliesen die Priester in die Hörner und das Volk brach in Kriegsgeschrei aus (V. 20). Da liess der Herr die dicken Stadtmauern von Jericho zusammenfallen, wie ein Kartenhaus. Besonders in der Zeit zwischen den Testamenten, d. h. im zweiten Jahrhundert vor Christus, wurden die Juden mehrmals stark im Krieg. Zum Beispiel gelang es Judas, dem Makkabäer, mit Gottes Hilfe, die übermächtigen Syrer zu besiegen, die den Juden die hellenistische Kultur und Religion aufzwingen wollten (1Makk 3,16-20). Wichtig ist zu wissen, dass der Herr uns nicht jeden Kampf gewinnen lässt. Viele wurden wegen ihres Glaubens aus ihren Todesgefahren befreit. Doch die grosse Mehrzahl blieb nicht verschont und kam im Krieg um. Wir dürfen also nicht in jedem Fall einen Sieg erwarten im Leben, selbst wenn wir noch so an den Herrn glauben! Der himmlische Sieg jedoch ist uns ganz sicher (1Kor 15,57).

Feindliche Heere in die Flucht geschlagen
Denken wir an die schreckliche Belagerung Samarias und die wundersame Rettung durch Gottes Hand (2Kön 6,24-29; 7,3-7). Die vielen Kriege Israels, in denen Gott mit mächtigem Arm eingriff, sind für uns Gläubige im Neuen Testament eine grosse Stärkung, wie auch wir feindliche Mächte der Gemeinde in die Flucht schlagen können. Jesus Christus herrscht, „bis Gott ihm alle Feinde unter die Füsse gelegt hat“ (1Kor 15,26). Wie können wir heute noch feindliche Heere in die Flucht treiben? Indem wir z. B. Gedanken des Hasses und der Aggression vertreiben; indem wir den Versuchungen des Lebens widerstehen, die unseren Glauben und unsere Beziehung zum Herrn bedrohen (Mt 4; Jak 1,12-15).

Schlussfolgerungen
Es ist interessant zu sehen, dass Gott seinem Volk immer tatkräftig beistand. Die Menschen mussten nur an den Herrn glauben, den Rest erledigte Gott. Dabei scheute sich Gott nicht, auch auf übernatürliche Weise einzugreifen.

Der Herr lässt sein Volk nicht im Stich, selbst wenn es seine Hilfe nicht verdient hat! (Ri 2,18; Ps 33,12) Auch wir Gläubigen dürfen fest mit Gottes Beistand rechnen (Ps 103,13; 2Tim 2,13). Auch wir können durch unseren Glauben an den Herrn noch heute Berge versetzen (Mt 17,20).

Der Glaube und die Hingabe zum Herrn ist und bleibt eine lebenslange Herausforderung für uns (Lk 9,62; 13,23-24). Es geht nicht bloss um ein bisschen Glauben, dass es Gott gibt! Gott will unser ganzes Herz und Leben! (Lk 14,27) Was haben wir kürzlich erlebt und durch unseren Glauben mit dem Herrn vollbracht?

 

In den Versen 35-38 werden 9 Beispiele des Elends aufgelistet, die einige wegen ihres Glaubens erdulden mussten:

1.  Folterungen
Eine Folter ist das gezielte Zufügen von physischen Schmerzen, das ein Leben langsam auszulöschen vermag. Oft diente sie zum Zweck, eine Aussage, ein Geständnis oder andere Informationen zu erzwingen. Diese Form der Gewalt an einem Menschen wurde auch als Todesstrafe ausgeübt (z. B. eine Kreuzigung, eine Verbrennung usw.). Nero liess tausende von Christen kreuzigen und am Kreuz anzünden, um des Nachts seinen Garten zu beleuchten. In der Kirchengeschichte lesen wir von tausenden Märtyrern, besonders in der Zeit der Christenverfolgungen, die aufs Grausamste gefoltert wurden, wegen ihres Glaubens.

2.  Spott und Geisselungen
Jesus wurde mehrmals verspottet (Mt 27,27-31.39-44). Die Apostel erduldeten Geisselungen (Apg 5,29-32.40-42). Die Propheten wurden verhöhnt (Bsp. Jeremia 20,7-8). Offenbar ertrugen früher einige Christen (im Hebräerbrief) Beleidigungen und waren bereit, Schmach für Christus zu ertragen (Hebr 10,33; 13,13).

3.  Fesseln und Gefängnis
Jeremia wurde aufs Schwerste misshandelt, gefangen genommen (Jer 37,4-21), in die Zisterne geworfen (Jer 38,6-13). Der König warf den Propheten Chanani oder Hanani ins Gefängnis (2Chr 16,7-10). Der König warf den Propheten Michajehu in den Kerker (1Kön 22,26-27). Der Apostel Paulus erduldete Gefangenschaften (2Tim 2,8-9; 2Kor 11,23-24)

4.  Steinigungen
Gemäss Tradition, wurde Jeremia von Juden in Ägypten gesteinigt. Der Prophet Secharja wurde wegen seiner Worte gesteinigt (2Chr 24,20-21). Jesus wies auf die Propheten Gottes hin, die gesteinigt wurden (Mt. 23,37). Stephanus wurde zu Tode gesteinigt (Apg 7,54-60). Paulus überlebte eine Steinigung (Apg 14,19; 2Kor 11,25).

5.  Zersägt
Eine jüdische Überlieferung berichtet, dass Jesaja (740-685 v. Chr.) vor Manasse geflüchtet sei, nachdem er zum Tod verurteilt worden war, weil er die Wahrheit sagte. Von den Soldaten des Königs verfolgt, hielt Jesaja sich im Stamm einer Zeder versteckt, worauf der König den Baum durchsägen liess.

6.  Erschlagen mit dem Schwert
Es gibt unzählige Beispiele in der Bibel, die uns von Gläubigen berichten, die mit dem Schwert erschlagen wurden, besonders im Alten Testament: Unter der Regierung Achabs wurden viele getötet (1Kön 19,10). Saul liess fünfundachtzig Priester mit dem Schwert hinrichten (1Sam 22,18). Der treuste König, Josia, wurde vom ägyptischen Pharao getötet (2Kön 23,29). Der Gottesmann Urijahu wurde auf Befehl des Königs mit dem Schwert getötet und sein Leichnam zu den Gräbern des einfachen Volkes geworfen (Jer 26,20-23).

Beispiele im Neuen Testament: Johannes der Täufer wurde enthauptet (Mt 14,1-12). Jakobus wurde mit dem Schwert hingerichtet (Apg 12,1-2). Fast alle Apostel starben einen Märtyrertod.

7.  Felle von Schafen und Ziegen getragen
Elija, wie auch die übrigen Propheten, bekleideten sich oft mit Tierfellen (1Kön 17,3-9; 19,3-14; 2Kön 1,8; Sach 13,4; Joh 1,6). Nero war ein besonders grausamer und brutaler Herrscher, der schon mit 17 Jahren Kaiser wurde. Er leitete die Christenverfolgung ein und bediente sich grausamster Methoden bei Gefangenen. Zur Unterhaltung überzog man die gefangenen Christen mit Schafspelzen oder Ziegenfellen und liess dann in der Arena wilde Hunde oder Löwen auf sie los, so dass sie vor dem Publikum lebendigen Leibes zerfetzt und aufgefressen wurden.

8.  Umhergeirrt in Wüsten und Gebirgen, Höhlen und Klüften
Als David vor Saul auf der Flucht war, wohnte er in Höhlen (1Sam 22,1). Achab und Obadjahu versteckten hundert Propheten in Höhlen (1Kön 18,1-5). Elija floh vor Isebel und lebte für eine Zeit in einer Höhle (1Kön 19,9).

9.  Not und Qualen erfahren
Paulus berichtet von einigen schweren Nöten (2Kor 6,3-10). Die Propheten werden als Beispiel für grosse Leiden hingestellt (Jak 5,10-11).

„Sie, derer die Welt nicht würdig war ...“ (V. 38)
Vermutlich denkt der Verfasser an die schreckliche Zeit der Makkabäer-Kriege. Beeindruckend ist auch der grausame Tod des betagten Schriftgelehrten Eleasar (70), um 167 v. Chr. (2Makk 6,18-31). Ebenso tragisch werden die Misshandlungen der sieben Brüder, samt ihrer Mutter, beschrieben (2Makk 7,1-42). Besonders in Zeiten der Christenverfolgung waren viele Christen der Welt nicht würdig. Diese Gläubigen sind in Gottes Augen die wirklichen Sieger! (1Joh 2,15-17). In Gottes Augen sind alle Märtyrer die wahren Helden (Ps 116,15; Jes 57,1; Offb 6,9-11). Leiden sind eine Gnade, durch die Gott seine Kinder zubereitet (Ps 73; Phil 1,29; Kol 1,24-25; 1Petr 2,19ff.). Es gibt viele Beispiele in der Menschheitsgeschichte, die zeigen, dass Gläubige der Welt nicht würdig waren. Jesus kam als Licht in die Finsternis, doch die Finsternis hat ihn nicht angenommen; selbst seine Apostel hatten Mühe (Joh 1,5.10; 15,18-20). Generell gesagt, hasst die Welt die Gläubigen (1Joh 3,1b.13; Mt 10,34ff.). Das Urteil Gottes und das Urteil der Welt widersprechen sich hier vollständig (1Kor 1,27-28).

Trotz der grossen Heldentaten des Glaubens, waren sie alle Sünder (V. 39):

Noah hatte sich betrunken.

Abraham log und gab seine Frau zwei Mal als Schwester aus.

Sara war ungeduldig und schickte ihren Mann zur Magd.

Isaak log und gab seine Frau als Schwester aus.

Jakob überlistete den Vater um den Segen.

Mose brachte einen Ägypter um und schlug auf den Felsen.

Rahab und Simson trieben Unzucht.

Gideon trieb Götzendienst.

Barak weigerte sich, ohne Debora in den Krieg zu ziehen.

Jephta war der Sohn einer Hure und schwur einen unnützen Eid mit tragischen Folgen.

David begann Ehebruch mit Batseba.

Samuel war mit seinen Söhnen zu grosszügig in der Erziehung.

Übersetzungsvarianten in Vers 39:
Dieser Vers wird in der Zürcher Bibel so übersetzt: „Und sie alle haben, auch wenn sie aufgrund des Glaubens Zeugen geworden sind, die Verheissung nicht erlangt“. in der alten Zürcher Bibel heisst es: „Und diese alle erlangten, obschon sie durch den Glauben [ein gutes] Zeugnis besassen, die Verheissung nicht.“ In der Luther Übersetzung lautet dieser Vers so: „Diese alle haben durch den Glauben Gottes Zeugnis empfangen und noch nicht erlangt, was verheissen war.“ Elberfelder übersetzt: „Und diese alle, die durch den Glauben ein Zeugnis erhielten, haben die Verheissung nicht erlangt.“ NGÜ: „Ihnen allen stellte Gott aufgrund ihres Glaubens ein gutes Zeugnis aus, und doch haben sie die endgültige Erfüllung dessen, was er ihnen zugesagt hatte, nicht erlebt.“

Auslegungsvarianten in Vers 39:
Wortwörtlich könnte es auch heissen: „... auch wenn sie aufgrund des Glaubens - Märtyrer geworden sind ...“, (μαρτυρέω steht als Partizip im Aorist), oder Leidenszeugen geworden sind ...“ Diese Schlussfolgerung könnte sich auch auf Vers 2 beziehen, wo es heisst, dass den Vorfahren ein gutes Zeugnis ausgestellt wurde. Sicher ist, dass alle Vorfahren auf irgendeine Art gelitten haben, aber nicht alle ein gutes Zeugnis erhielten (1Kor 10,5; Lk 13,23-24).

Sie alle haben die Verheissung Gottes, das Endziel nicht erreicht! (V. 39-40.13)
Die Verheissung (ἐπαγγελία) ist die himmlische Ruhe (Kap. 4,1). Zuerst musste Jesus Christus durch seinen Tod am Kreuz die Voraussetzungen erfüllen, damit Menschen durch ihren Glauben die Verheissung des ewigen Lebens erlangen können (1Joh 2,25). Jesus bezahlte mit seinem Tod für die Übertretungen der Gläubigen, unter dem Alten Bund (Kap. 9,15). Mit einem einzigen Opfer für die Sünden, brachte er alle Gläubigen zur Vollendung (Kap. 10,12-14).

Was ist das Bessere, das Gott vorgesehen hat?
Das Bessere ist: der neue Bund (7,22), Jesus Christus (1,4), die Priesterschaft (7,17), die Hoffnung (7,19), das Opfer (9,23), die Vergebung (10,18), das Erbe (10,34), die Heimat (11,16), die Auferstehung (11,35), das Blut (12,24), das unerschütterliche Reich (12,28) usw. Die Gläubigen im Alten Bund haben Jesus nicht gekannt, wie wir ihn heute durch die Schriften kennen. Die Gläubigen im Alten Bund hatten nicht diese lebendige Hoffnung auf das ewige Leben, wie wir heute im Neuen Bund. Die Gläubigen im Alten Bund erlangten nicht ohne uns die himmlische Vollendung (Offb 6,11). Das Ziel ist die Rettung aller Gläubigen aus dem Alten und Neuen Bund (Röm 10,4). Erst mit dem Kommen der neutestamentlichen Gemeinde, wird das Volk Gottes vollzählig (Eph 2,14-18). Die Gläubigen des Alten und Neuen Bundes stehen Seite an Seite und bilden den edlen Ölbaum (Röm 11,17-24). Auch wir Gläubigen, die nach Christus geboren wurden, werden, wenn wir sterben, die endgültige himmlische Vollendung nicht erlangen (1Thess 4,13-18). Mit dem fleischlichen Tod gelangen Gläubige und Ungläubige in den Zustand der körperlosen Seelen (siehe Letzte Dinge, L. 3 Tabelle). Erst am jüngsten Tag werden alle Lebenden auf Erden und alle verstorbenen Seelen gerichtet und aussortiert (Joh 5,28-29).

 

Schlussfolgerung
Alle diese Beispiele sollten die Hebräer und alle, die Leiden scheuen, anspornen für den Glauben zu kämpfen und alles zu geben, ja sogar das physische Leben (Mt 16,24-28). Egal, was wir Menschen von andern halten; es ändert nichts an der Tatsache, dass Gott am Ende eines Lebens das Zeugnis ausstellt und bestimmt, wer wann seine Verheissungen erlangen wird.

Auch wir werden einmal der langen Liste der Glaubenshelden hinzugefügt, wenn wir unermüdlich kämpfen gegen die Sünde und nicht aufgeben (Hebr 10,36; Röm 8,35-39)! Es kommt nicht darauf an, wie gut wir im Glauben beginnen, sondern wie gut wir enden!