Gemeindeordnung
WAS ZÄHLT ZUM WACHSTUM DER GEMEINDE?
Immer, wenn vom Wachstum der Gemeinde in Jerusalem die Rede ist, dann kommt es im Zusammenhang mit guten Werken und Hilfe für Bedürftige vor: Apg 2,47.44.45; Apg 4,4.9.21.33-35; Apg 5,14 (und 4,34 – 5,13); Apg 6,1-7.
GOTT WAS SCHON IMMER EIN BESCHÜTZER DER ARMEN UND UNTERDRÜCKTEN.
Bei der Einsetzung des Sabbatjahrs wird dies offensichtlich: Ex 23,10-11; Dtn 15,1-11.
Gott verbietet die Unterdrückung der Armen und Bedürftigen, ob sie geistliche Geschwister sind oder Ungläubige (Dtn 24,14).
Gott verspricht den Elenden,
dass er sie nicht vergessen wird (Ps 9,19);
dass er aufstehen wird, um den Armen und Unterdrückten zu helfen (Ps 12,6);
dass er sie retten wird (Ps 35,10);
dass er den Armen erheben und den Geringen aufrichten wird (Ps 113,7);
dass er eine Festung, eine Zuflucht, ein Schatten sein wird für die Machtlosen (Jes 25,4);
dass er sie nicht verlassen wird (Jes 41,17).
In Psalm 146,5-10 erhalten wir ein Bild von Gottes Erbarmen für Niedergeschlagene und Notleidende.
Gottes Wehrufe gegen die, welche die Armen unterdrücken (Jes 10,1-2; 3,13-15).
GOTT LEHRT SEIN VOLK, FÜR ARME UND HILFSBEDÜRFTIGE ZU SORGEN.
Im Alten Testament: Spr 29,7; 31,9.20; Psalm 82,1-4. Der Frevler missachtet und misshandelt den Armen (Ps 37,14; Spr 30,14).
Im Neuen Testament: Mt 19,21; 25,31-46; Lk 3,11; 10,30-37; 11,41; 12,33; 14,12-24; 2Kor 8; 9; Gal 2,10; Eph 4,28; Jak 2,14-26; 1Tim 6,17-19; 1Joh 3,17. Gegenüber faulen Personen haben wir keinerlei Verpflichtungen (1Thess 4,11; 2Thess 3,6-13; 1Tim 5,8).
DAS ERBARMEN JESU FÜR DIE ARMEN IST VORBILDLICH.
Wir werden aufgerufen, Jesu Vorbild nachzueifern: Phil 2,5; 1Petr 2,21-22; 1Joh 2,6.
Jesus hatte Erbarmen mit den Armen und Machtlosen. Es wurde vorausgesagt, dass er ihnen Gerechtigkeit verschaffen werde (Jes 11,1-4). Sein Missionsauftrag lautete: Lukas 4,16-19.
Oft wird in der Bibel gesagt: „… und er fühlte Mitleid …“ (Mk 1,41; 8,2; 5,19; Mt 20,34).
Paulus eiferte Jesu Vorbild nach (Apg 20,35; 1Kor 11,1).
DAS GLEICHNIS VOM SAMARITER LEHRT UNS ZU HELFEN.
Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter (Lk 10,25-37) lehrt uns, den Hilfsbedürftigen zu helfen. Im barmherzigen Samariter finden wir –
ein besorgtes Herz,
dienende Hände,
aufmerksame Augen,
Füsse der Bereitschaft,
einen offenen Geldbeutel und
überzeugende Worte.
Mit seinem ganzen Herzen, seinen Händen, Augen und Füssen, sowie mit seinem Geld diente er dem Willen Gottes. Sein Lebensmotto lautete: „Was mein ist, ist dein und ich will es teilen.“ Er liebte in Tat und Wahrheit: Matthäus 7,24-27; 1. Johannes 3,17-18.
Die frühen Gemeinden waren vorbildlich in der Unterstützung von Armen und Bedürftigen.
Die Gemeinde in Jerusalem: Apg 2,41-45; 4,34-37; 6,1ff.
Die Gemeinde in Antiochia: Apg 11,27-30.
Die Gemeinden in Makedonien und Achaja: Röm 15,26-28; 2Kor 8,1-6.
Die Gemeinde in Korinth: 1Kor 16,1-2; 2Kor 8 & 9.
Sie alle sind ausgezeichnete Vorbilder!
Die Hilfe darf nicht bloss auf eigene Gemeindeglieder beschränkt werden.
Wir können andere Gemeinden unterstützen in ihren Bemühungen, für die Armen und Bedürftigen zu sorgen (Apg 11,28-30).
Wir können auch Menschen unterstützen, die nicht zur Gemeinde gehören.
Galater 6,10 lehrt uns, „allen Menschen” Gutes zu tun.
Durch die Gaben der Korinther wurden auch Ungläubige gesegnet (2Kor 9,12-13).
Beispiele:
Wenn wir in der Bibel angewiesen würden, nur den Gläubigen zu helfen, dann dürften wir nicht helfen, wenn ein Ungläubiger unsere Anbetung besucht und anschliessend vor der Tür in einen Verkehrsunfall verwickelt wäre (keine Ambulanz rufen usw.).
Wir könnten auch keinem bedürftigen Glied mit kleinen Kindern etwas zu Essen nach Hause bringen, da ja seine Kinder dem Evangelium noch nicht gehorsam geworden sind.
Eine solche Haltung stünde im Widerspruch zum Geist Christi und der biblischen Lehre (Mt 7,12; Jak 2,13; Lk 14,13-14; Mt 5,44-48; Röm 12,20).
Wie können wir Arme und Bedürftige unterstützen?
Dies ist weitgehend von den beteiligten Menschen und den Umständen abhängig. Es gibt zum Beispiel folgende Möglichkeiten:
- Wir können ihnen ein Dach über dem Kopf geben, entweder durch die Aufnahme bei uns zu Hause oder durch Unterbringung in einem Hotel oder bei der Wohnungssuche.
- Wir können ihnen gebrauchte Kleider geben von uns selbst oder neue Kleider kaufen.
- Wir können ihnen zu Essen geben bei uns zu Hause, oder wir können sie in ein Restaurant bringen, um ihnen dort etwas zu bestellen.
- Wir können die Stromrechnung bezahlen.
- Wir können sie mit den notwendigen Medikamenten versorgen.
- Wir können sie zum Arzt oder ins Spital fahren.
- Wir können ihnen etwas nähen oder stricken.
- Wir können ihnen bei der Arbeitssuche helfen.
- Wir können ihre Kinder hüten in Zeiten der Last und Not.
- Wir können sie besuchen und uns ihrer annehmen in ihren seelischen Bedürfnissen.
Witwen und Waisen gehören zu den Bedürftigen, um die wir uns kümmern sollen.
Der allmächtige Gott hatte mit Witwen und Waisen schon immer Erbarmen. Die folgenden Bibelstellen zeigen dies:
- Ex 22,22; Dtn 10,18; 24,19-22; 26,12-13; 27,19;
- Ps 10,14.18; 68,5; 82,3; 146,9; Spr. 15,25;
- Hos 14,3; Sach 7,9-12; Mal 3,5;
- Jes 1,17.23; 10,1-2; Jer 7,6-7; 22,34; 49,11; Ez 22,7.
Was sagen die Schriften in Bezug auf die Verantwortung der Gemeinde zu den Witwen und Waisen?
Einige werden beauftragt (unter normalen Umständen) für die Bedürftigen zu sorgen. Eltern sollen für ihre Kinder sorgen (2Kor 12,14; 1Tim 5,8). Die Verwandtschaft ist zuständig für die Witwen in der Familie (1Tim 5,4-16, besonders V. 4 & 16; Mk 7,10-13). Doch einige waren unfähig oder unwillig, dies zu tun. Einige unterstellten sich den biblischen Worten nicht, andere waren nicht fähig (weil sie selbst in Schwierigkeiten steckten durch Hungersnot oder Krankheit: Apg 11,28-30). Wenn aber Witwen und Waisen nicht für sich selbst aufkommen können, und auch die Verwandtschaft nicht in der Lage ist, dann soll sich die Gemeinde für sie einsetzen.
Apg 6,1-8: Hier haben wir ein wunderbares Beispiel aus der apostolischen Gemeinde im ersten Jahrhundert, wie sie den Witwen beistehen. Wenn wir dem apostolischen Beispiel der frühen Gemeinde folgen wollen im wöchentlichen Herrnmahl (Apg 20,7), dann sollten wir uns auch um die Versorgung der Witwen in ihren Bedürfnissen bemühen, wie dies die Apostel taten.
1Tim 5,1-16: Diese Bibelstelle lehrt uns, dass die Gemeinde verpflichtet ist, für ihre Witwen zu sorgen. Da Witwen und Waisen oft im Zusammenhang erwähnt werden, gilt die Verantwortung der Gemeinde für beide gleich (Jak 1,27). Diese Bibelstelle lehrt nicht, dass die Gemeinde keiner Witwe helfen soll, die keine Kinder hat, oder die nicht 60 Jahre alt ist. Es geht nur darum, nach Möglichkeiten zu suchen, damit sie keine dauerhafte Belastung für die Gemeinde ist (V. 9-10).
Jak 1,27: Die Gläubigen sollen sich um Witwen und Waisen kümmern und ihnen beistehen, so gut es geht (Mt 25,36.43). Reine und unbefleckte Frömmigkeit ist -
sich vom gottlosen Treiben dieser Welt zu distanzieren und
sich um Witwen und Waisen zu kümmern. In der alten Zürcher Übersetzung wird statt von Frömmigkeit vom Gottesdienst gesprochen. Unser 24-stündiger Gottesdienst steht oder fällt von unserem Verhalten als Gemeinde gegenüber Witwen und Waisen.
Es ist nicht nur die Verantwortung einzelner Glieder, für Witwen und Waisen zu sorgen, sondern die der ganzen Gemeinde (Apg 11,27-30).
Aus der Bibel erfahren wir nichts Genaueres, wie diese Verantwortung im Detail ausgeübt werden soll. Dies ist den jeweiligen Bedürfnissen, der Beziehung zur Ortsgemeinde, der Kultur, Zeit usw. überlassen.
Um Armen und Bedürftigen beizustehen, sollte folgendes angestrebt werden:
Was wir brauchen:
- Wir brauchen das richtige Herz, ein Herz des Erbarmens, der Fürsorge und des Mitleids (1Joh 3,17).
- Wir brauchen dazu auch ein uneigennütziges Herz (2Kor 8,1ff.).
- Wir brauchen das richtige Verständnis für die Gemeinde des Herrn. Die Gemeinde ist ein Leib (Eph 1,22-23; Röm 12,4-5). Die Gemeinde ist eine Familie (1Tim 3:15; Mt 12,50). Wenn ein Glied leidet, so leiden alle anderen Glieder mit (1Kor 12,26).
Was geschieht: Glaube und Werke werden damit vereint (Jak 2,14ff.).
Wenn wir anderen helfen, werden wir gesegnet.
- Unser Mitgefühl, Verständnis und Erbarmen wird wachsen.
- Wir sammeln uns Schätze im Himmel (Mt 6,19-21; 19,21; Lk 12,33-34; 1Tim 6,17-19).
- Wir lösen uns von Egoismus, Habsucht und jeglicher Gier (1Kor 13,4-8; 1Joh 3,17).
- Wir schaffen uns Freunde (Lk 16,9).
- Wir haben die Freude zu wissen, dass wir Christus dienen (Mt 25,31-46; Spr 14,31).
- Wir zeigen uns gnädig und ernten Gnade (Mt 5,7; Jak 2,13; Spr 19,17. Das Gegenteil: Spr 21,13).
- Wir werden mit Freude und Glück erfüllt (Spr 14,21; 2Kor 8,2).
- Der Herr sorgt auch für uns und segnet uns (Spr 28,27; 22,9; 19,17; Lk 6,38).
Der Herr findet Wohlgefallen an uns (Dan 4,27; Ps 41,1; Apg 20,35).
Schlussfolgerungen
Wir werden ausgezeichnet oder verflucht nach unseren Werken!
Ein Grund, warum der allmächtige Gott Sodom zerstörte, lesen wir in Hesekiel 16,49: „…die Hand des Elenden und Armen hat sie nicht gestärkt.“
Ein Grund, warum der Herr über sein Volk entrüstet war, lesen wir in Hesekiel 22,29-31: “… den Armen und Elenden haben sie unterdrückt …“
Folgende Bibelstellen geben weitere Aufschlüsse: Jer 5,25-29; Am 2,6-7; 4,1ff. 8,4-10.
Gott versprach sein Volk zu segnen, wenn sie den Armen beistehen würden (Jer 22,16).
Ein Grund, warum der reiche Mann im zukünftigen Leben bestraft wurde, ist, weil er den armen Lazarus vernachlässigte (Lk 16,19-31).
Die Gerechten, die sich am Gerichtstag zur Rechten Gottes versammeln werden, sind jene, welche die Hungrigen gespeist und die Nackten bekleidet haben (Mt 25,31-46).
Der Herr spricht immer noch, wie in den Tagen Sacharias, als er sagte (Sach 7,10): „… unterdrückt nicht die Witwe und die Waise, den Fremden und den Armen.“
„Er hat dir kundgetan, Mensch, was gut ist, und was der Herr von dir fordert: Nichts anderes, als Recht zu üben und Güte zu lieben und in Einsicht mit deinem Gott zu gehen“ (Mi 6,8).
In Matthäus 5,3 spricht Jesus von den Armen im geistlichen Sinn!!