Markus-01b: Teil 2 (Verse 14-45)

Jesus, der Diener

 DER DIENST JESU IN GALILÄA

 

BERUFUNG DER ERSTEN VIER JÜNGER (V. 14-20)

Vers 14: Hier beginnt der Dienst Jesu in Galiläa.
Die Verse 14 und 15 decken im Leben Jesu eine Zeitspanne von über einem Jahr ab. Um mehr Details zu erfahren müssen wir ins Johannesevangelium gehen (Joh 2-3).

 

Vers 15: Jesus spricht von der Zeit der Erfüllung, was meint er damit?
Prophezeiungen auf die Königsherrschaft Christi (2Sam 7,12-16). Gott wird das Königreich Davids durch seinen Nachwuchs festmachen (Jer 23,5-6). Der Thron Davids wird nie mehr untergehen (Jes 9,5-7).

Jesaja 2,1-4:
In den letzten Tagen wird etwas geschehen. Alle Völker wird dies betreffen. Die Stadt, in der dies geschehen wird, heisst Jerusalem.

Daniel 2,44-45:
Das Reich das Gott erstehen lässt, wird unzerstörbar sein (Dan 7,13-14). Alle andern Reiche wird es zerstören. Die Heiligen werden das Reich für immer und ewig besitzen (Dan 7,18).

Die Zeit der Erfüllung: Galater 4,4.
Die Zeit, in der Gott seinen Plan ausführt, wird die Zeit der Erfüllung genannt. Mit dem Auftreten Jesu ist die Zeit der Erfüllung gekommen. Es ist die Zeit, die die Propheten so lange vorhergesagt haben und nun ist sie endlich da. Die Zeit der Erfüllung wird in der Bibel auch mit den letzten Tagen gleichgestellt (Apg 2,17).

Lukas 1,32-33:
Jesus Christus ist der verheissene Nachwuchs (Mt 1,22). Der Thron Davids wird durch Jesus auf ewig festgemacht. Jesus wird als König über das ganze Volk Gottes eingesetzt. Wenn der Herrscher kommt, wird die Herrschaft anbrechen, sagt der Engel.

Matthäus 3,1-2:
Johannes der Täufer war der letzte Vorbote Jesu. Er predigte, dass das verheissene Reich mit Jesus Nahe gekommen ist.

Matthäus 4,13-17 (parallel zu Markus):
Als Jesus auftrat, zitierte er oft die Propheten und erklärte, dass alle diese Vorhersagen nun in Erfüllung gehen. Mit Jesu Auftreten kam der König und das Reich Gottes nahe zu den Menschen.

Lukas 17,20-21:
Das verheissene Friedensreich Gottes ist nicht von irdischer Natur das nur tausend Jahre lang auf dieser Erde besteht. Mit der Gegenwart Jesu kam das Reich Gottes mitten unter die Menschen.

Matthäus 13,24-30:
Viele haben Mühe, das Reich Gottes in einer Zeit zu sehen, in der das Böse immer noch existiert. Doch dieses Gleichnis sagt, dass das Gute als auch das Böse miteinander aufwachsen wird bis zur Wiederkunft. Das Reich Gottes besteht also mitten in dieser verdorbenen Welt und wird bei der Wiederkunft als einziger Sieger hervorgehen.

Weil das Reich Gottes mit Jesus genaht ist, soll das Evangelium verkündigt werden, mit allem was es beinhaltet? Busse tun, Sünden bekennen, bereuen, umkehren vom falschen Weg. Wie tut man Busse? – Apg 2,38; 3,19; Apg. 11,18; 17,30

Was bedeutet das an das Evangelium zu glauben?

- Joh 3,36 (gehorchen)

- Joh 12,42 (dazu stehen, ansonsten ist es ein nutzloser Glaube)

- Jak 2,17-19 (nützt den Dämonen ihr Glaube etwas? Nein!)

- Apg 5,32; 6,7 (dem Glauben gehorsam sein)

- Röm 1,5; 15,18; 16,26 (Glaubensgehorsam)

 

Verse 16-20: Berufung der ersten vier Jünger.
Was für eine besondere Ausstrahlung musste Jesus gehabt haben, dass diese Menschen ihm so einfach nachfolgten? Gemäss der Synopse geschah der grossartige Fischfang der die Jünger überzeugte (Lk 5,4-11). Sie waren bereit den eigenen Vater zu verlassen und Jesus nachzufolgen (Lk 14,25-27.33). Diese Männer waren Jünger des Johannes. Vermutlich hatten sie die Taufe des Johannes erlebt, oder Jesus schon gekannt. Diese Jünger waren bereit zu lernen (Jünger = Lernender). Sie mussten vor allem lernen, nicht mehr auf die eigene Kraft zu vertrauen, sondern auf die Kraft Gottes. Sie waren ungeschulte Menschen. Sie waren in ihrem Denken einfache Leute. Sie waren durch die jüdischen Lehrer in Bezug auf Gottes Plan voreingenommen und falsch belehrt. Von nun an liessen sie sich von Jesus lehren, wie man Menschen fischt.

 

JESUS HEILT EINEN BESESSENEN (V. 21-28)

Vers 21: Jesus lehrte in der jüdischen Synagoge (= Zusammenkunft).
Die heutigen Sabbatisten nehmen gerne solche und ähnliche Stellen, um zu beweisen, dass Jesus sich auch am Sabbat versammelte und nicht am Sonntag. Doch dieses Argument ist nicht stichhaltig, denn wir befinden uns ja immer noch unter dem Alten Bund. Die Juden kamen jeden Sabbat zusammen. Es hätte wenig Sinn gemacht, wenn Jesus am Sonntag in die Synagogen gegangen wäre wo keiner da war. Jesus musste sich, wie alle Juden, an den alttestamentlichen Sabbat halten, da er noch unter dem mosaischen Gesetz lebte.

Zwischen der Synagoge und den Gemeinden, wie wir sie heute kennen, bestehen einige wesentliche Unterschiede:

-Die Synagoge war in erster Linie ein „Lehrhaus“ (eine Schule).

-Der Gottesdienst bestand lediglich aus: dem Gebet, dem Vorlesen des Wortes Gottes, und der Auslegung des vorgelesenen.

-Es gab weder Gesang noch Musik noch irgendwelche Opfer.

-Der Synagogenvorsteher war verantwortlich für die äussere Ordnung des Gottesdienstes. Jeder mündige Israelit war zur Lesung und Auslegung der heiligen Schrift berechtigt, so wie zur Leitung des öffentlichen Gebets (wenn ihn der Synagogenvorsteher dazu aufforderte).

-Es gab keine „Berufsgeistlichen“.

-Frauen waren auch zugelassen, sie verhielten sich jedoch still und beobachteten das Geschehen meist von einer erhöhten Bühne aus.

Jesus begann als Jude in einer Synagoge ungehindert seine Wirksamkeit.

 

Vers 22:
Die Menschen erstaunten, wörtlich: sich entsetzen, erschrecken, bestürzt oder erschüttert sein. Andere Übersetzungen: „sie gerieten ausser sich.“ Siehe Matthäus 7,28-29 und Lukas 2,48 (waren bestürzt).

Exusia = Gewalt, Vollmacht, Macht, Autorität.

Worin unterschied sich die Lehre Jesu von den Lehren der Schriftgelehrten? Jesus lehrte mit persönlicher Vollmacht. Die Schriftgelehrten konnten nicht von sich aus lehren, sondern begannen immer mit den Worten: „Es wird gelehrt, dass...“ Die Schriftgelehrten beriefen sich immer auf andere Autoritäten. Jesus hingegen lehrte mit der Autorität oder Vollmacht, die ihm der Vater gegeben hat (Mt 28,18; Joh 5,27).

Schlussfolgerung: Auch uns ist eine Vollmacht gegeben worden (Joh 1,12)? Kinder Gottes zu sein ist ein Recht, eine Macht, die wir besitzen. Sind wir uns bewusst, welche Vollmacht Gott uns schenkt in Jesus Christus?

 

Verse 23-28:
Wenn die Menschen über die Worte Jesu entsetzt waren, so waren sie vermutlich wie vom Blitz getroffen, als sie seine Taten sahen.

Der Dämon, der im Menschen war, erkannte Jesus: Er wusste von der Heiligkeit Jesu und seiner Sendung. Das brachte ihn in Verzweiflung, Angst und Wut. Auch die Dämonen glauben und zittern (Jak 2,19).

Dieser Mensch unterbrach die ganze Versammlung. Doch Jesus liess sich nicht aus der Ruhe bringen. Jesus bedrohte den Geist, nicht den Menschen. Der Geist riss den Menschen hin und her und fuhr von ihm aus.

Mit diesem Ereignis und den folgenden will Jesus seine Gottes Sohnschaft belegen und unter Beweis stellen.

 

JESUS HEILT DIE SCHWIEGERMUTTER DES PETRUS (V. 29-31)

Verse 29-31: Ein nicht öffentlich bewirktes Wunder.
Hauptmahlzeit im Anschluss an den Gottesdienst. Jesus war sicher auch müde!

 

Verse 32-34: Hier sehen wir, wie ein Tagesablauf im Leben Jesu aussieht.
In Vers 16 geht Jesus am frühen Morgen zum galiläischen See und beruft die ersten Jünger. Die zweite Szene beginnt im Vers 21, wo Jesus mit seinen Jüngern nach Kafarnaum geht und dort am Sabbat in der Synagoge lehrt. Nach dem Gottesdienst in der Synagoge, geht Jesus in das Haus des Simon und Andreas (V. 29). Dort heilt er die Schwiegermutter des Simon Petrus von ihrem starken Fieber (sie war es offensichtlich, die das Essen zubereiten sollte, V. 30).

Endlich kann Jesus eine Mahlzeit zu sich nehmen (Vers 31). Vermutlich kann er sich dann bis zum Abend ein wenig ausruhen. Nachdem die Sonne untergeht (ca. 18:00), arbeitet Jesus bis spät in die Nacht hinein. Das gibt uns Einblick in einen Tag im Leben Jesu (zudem war dies kein gewöhnlicher Tag, sondern ein Sabbat).

Jesus heilte verschiedene Krankheiten: Nicht alle Heilungen beglaubigten Jesus als Sohn Gottes (siehe auch Vers 41). Jesus heilte die Schwiegermutter des Simon Petrus aus Mitleid und Erbarmen und nicht zur Beglaubigung seiner göttlichen Autorität (anschliessend war sie dann fähig ihnen mit dem Essen zu dienen).

Eines ist sicher: Wenn Jesus heilte dann - waren seine Wunder nie erfolglos, gab es nicht nur teilweise, sondern volle Gesundheit und niemand wurde später wieder rückfällig, – war die Heilung auch nicht vom Glauben des kranken Menschen abhängig (sonst hätte Jesus ja den toten Lazarus nicht auferwecken können, Joh 11), – spielte die Entfernung zwischen ihm und dem Geheilten keine Rolle (Mt 8,5-13).

 

BEGLAUBIGUNGEN JESU IN KAPERNAUM (V. 35-45)

Verse 35-39: Heilungen am Sonntagmorgen.
Schon früh am Sonntagmorgen ist Jesus schon wieder auf den Beinen. Warum betete Jesus in der frühen Morgenstunde? Weil er frisch war und sich besser konzentrieren konnte. Auch wir sollten uns Jesus zum Vorbild nehmen und die Morgenstunde nutzen zum Gebet. Das Gebet ist der Atem unseres geistlichen Lebens.

Die Jünger suchten Jesus bereits, weil schon wieder viel Volk zusammenlief, um von ihm geheilt zu werden. Offenbar gab es zur damaligen Zeit viele Krankheiten und Gebrechen. Doch Jesus ging nicht zurück ins Dorf, warum nicht? Es ging ihm nicht in erster Linie darum, körperliche Gebrechen zu heilen. Er wollte nicht die Schaulustigen befriedigen und einfach nur Menschen anziehen, um ein grosses Spektakel zu machen. Es ging Jesus um die Seelen, die an ihn glauben sollten. Doch die Volksmenge wurde so gross von allerlei Menschen, dass Jesus sich ihnen entzog. Jesus suchte (im Gegensatz zu den heutigen „Heilern“) nicht die grosse Menge. Die Heilungen wurden in der Bibel nie an die grosse Glocke gehängt. Es gibt in der Bibel auch kein Anzeichen dafür, dass man einen Geheilten um ein Zeugnis bat (wie das heute oft der Fall ist).

Jesus wollte in die nächste Stadt, um dort erneut das Wort Gottes predigen zu können. Eine grosse Lehre die wir von Jesus lernen können ist die, dass wir nicht immer fähig sein werden, alles zu tun, was andere Leute von uns erwarten. Jesus hatte auch nicht für alles Zeit, sondern musste vieles unfertig liegen lassen und weitergehen. Wir sollen einfach tun was wir können und den Rest Gott überlassen.

 

Verse 40-45: Heilung eines Aussätzigen.
Aussatz = Leprakrankheit. Keine andere Krankheit, von der die Bibel spricht, war so schrecklich und gnadenlos. Das Problem der Krankheit bestand darin, dass ein Leprakranker kein Schmerz mehr empfinden konnte (Verletzungen waren schmerzlos). Aussätzige wurden, gemäss dem Gesetz Mose, aus dem Volk, d. h. Dorf verbannt. Sie lebten in Höhlen bis sie dort starben. Sie mussten spezielle Kleider tragen und sich von allen gesunden Menschen fernhalten, indem sie verpflichtet waren, Herannahende zu warnen und zu rufen: Unrein! Unrein!

Jesus begab sich in grosse Gefahr, als er sich dem Aussätzigen näherte. Eigentlich geschieht hier ein zweifaches Wunder: Jesus heilte den Aussätzigen von seiner Krankheit. Jesus wurde selbst von ihm nicht angesteckt, obwohl er ihn berührte. Das Besondere an dieser Heilung war, dass der Aussätzige auf der Stelle gesund wurde. Statt sich zuerst dem Priester zu zeigen und Gott Dank zu opfern, ging der Geheilte hin in seiner Freude und erzählte es allen Menschen. In Numeri 14,2-32 lesen wir, dass die Beglaubigung durch den Priester ausschlaggebend war, ob ein Mensch wieder vor dem Volk als gesund galt.