Jesus, der König
KAPITEL 12,1-8: ÄHRENESSEN AM SABBAT
Pharisäer = Abgesonderte.
Das Gesetz Mose erlaubte das Ährenabreissen für den sofortigen Verzehr auf dem Feld (das galt nicht als Diebstahl): Dtn 23,24-25. Das Verbot galt dem Einsammeln und mit-nach-Hause-nehmen (= Diebstahl). Hier ging es jedoch um die Einhaltung des Sabbats.
Das 4. Gebot erlaubte nämlich keine Arbeit am Sabbat: Ex 20,8-11. Wer am Sabbat arbeitete, musste sterben: Ex 31,15. Am Sabbat galt dieses Einsammeln als Arbeit: Num 15,32-36. Jesus und seine Jünger machten sich in keiner Weise schuldig, denn sie nährten sich direkt vom „Teller“ des Feldes. Die Jünger Jesu brachen nur die menschlichen Traditionen, die die Pharisäer als genauso wichtig betrachteten wie das Gesetz Mose.
Jesus erklärte, dass der Sabbat ursprünglich den Menschen gegeben wurde, um auszuruhen von einer strengen Woche. Richtig eingehalten wäre dieser Tag eine grosse Freude und Erholung gewesen. Doch, was die Pharisäer daraus machten, waren tausende von kleinen Zusatzgeboten, was man am Sabbat zu unterlassen habe und was man zu tun hätte. Zum Beispiel bestimmten sie genau, wie viel Schritte jemand an einem Sabbat gehen dürfe, um das Sabbatgebot der Ruhe nicht zu übertreten (Apg 1,12). Statt den Ruhetag Gottes zu geniessen, versklavten sie sich und die Menschen, indem sie tausende von ihren haarspalterischen Interpretationen den Geboten Gottes gleichstellten. Es war nie Gottes Absicht, durch seine Ordnungen die Menschen auf irgendeine Weise zu schädigen, sondern sie dienen immer zum Guten und zur Hilfe für uns Menschen: Ps 119,1.14.39.160.172; 143,8-10.
Jesus antwortete den Pharisäern mit einem starken Bsp. aus dem AT: 1Sam 21,2-7. David und seine Leute waren auf der Flucht vor dem König Saul. Sie waren sehr hungrig und weil kein anderes Brot im Heiligtum war, gab der Priester David und seinen Leuten von den Schaubroten zu essen. Nur die Priester durften von diesen Broten, die sie jeweils schon am Freitag bereitstellten, essen: Num 24,5-9. Später liess Saul 85 Priester mit dem Schwert niederstechen, weil sie sich weigerten, den verantwortlichen Priester für seine Beihilfe an David zu töten (1Sam 22). Sie alle, samt den Pharisäern zur Zeit Jesu, verdammten David und seine Männer nicht, doch das Ährenabreissen der Jünger, das absolut nichts Verbotenes war, verurteilten sie heftig.
Jesus benützte für seine Rechtfertigung ein weiteres Argument: Er erinnerte die Pharisäer daran, dass die Priester den Sabbat entheiligen, indem sie Tiere töten und viele andere Arbeiten verrichten und dennoch schuldlos blieben, weil sie am Heiligtum dienten: Num 28,9-10. Warum sollten die Jünger Jesu, die dem allmächtigen Gott und Heiland dienen, sich versündigen, denn Jesus ist heiliger und grösser als Mose, der Tempel und der Sabbat (V. 6): Hebräer 3,3. Jesus herrscht über dem Gebot des Sabbats, weil er der höchste Gott ist!
Als drittes Argument zitiert Jesus den Propheten Hosea (6,6).
Kapitel 12,9-21: Heilung am Sabbat

Jetzt spitzt sich die Lage markant zu: Das erste Mal lesen wir im Matthäus, dass Jesu Gegner aktiv werden, indem sie ihn genau beobachten, um ihn zu überführen (V. 10). Die Opposition ist nun so stark, dass die Pharisäer versuchen, Jesus ins Verderben zu bringen (V. 14), ja, wenn möglich zu töten (Mk 3,6; Lk 6,11).
Unterschiede:
1. Im Matthäusevangelium wird Jesus von den Pharisäern mit einer Frage konfrontiert.
2. Im Markus- und Lukasevangelium konfrontiert Jesus seine Gegner mit derselben Frage.
Einmal mehr gerät Jesus durch die Sabbatfrage unter Beschuss. Wir wissen aus dem Gesetz Mose, dass der Sabbat geheiligt werden musste. Wie aber sollte das konkret geschehen? Was galt als Arbeit und was noch nicht? Wenn man am Sabbat weder Holz einsammeln (Num 15,32-36), ja nicht einmal ein Feuer anzünden durfte (Ex 35,2-3), wie konnte man denn sonst noch das Sabbatgebot verletzen? War es noch erlaubt, seine Sandalen zu binden? War es noch in Ordnung, wenn man dem Vieh zu trinken gab? Lag es noch drin, dass man am Sabbat einen Freund im Nachbarshaus besuchte? – Exodus 16,29.
Was aber war, wenn es zu einer Notsituation kam? Wenn ein Tier in einen Graben gefallen war? Wenn ein Mensch im Haus starb? Wenn das Haus brannte oder von Feinden angegriffen wurde? Unter welchen Umständen, wenn überhaupt, konnte man Ausnahmen machen?
Das waren die Fragen mit denen sich die Pharisäer und Schriftgelehrten eingehend und detailliert auseinandersetzten und zu definieren versuchten. Um das Sabbatgebot auf keinen Fall zu verletzen, wurden durch Rabbiner mündliche Gesetze aufgestellt, die sich immer mehr durchsetzten und zum Bestandteil des Gesetzes Mose wurden. Dieses mündliche Gesetz erlaubte es, ein Schaf zu retten. Es erlaubte sogar die Heilung eines Menschen an einem Sabbat, wenn es um seine Lebensrettung ging. Doch die Situation des Gelähmten war keine Lebensbedrohung und hätte demnach auch am folgenden Tag noch geheilt werden können.
Jesus will mit seiner Heilung des Gelähmten zeigen, dass die Liebe Gottes viel weiter geht. Es kann nicht um sture Einhaltung der Gebote Gottes gehen, wenn sie in irgendeiner Weise zum Schaden der Menschen gereichen: Mk 2,27. Gottes Gebote sind gut und wurden den Menschen zu ihrem Besten gegeben. Gott will uns mit seinen Gesetzen niemals Schaden zufügen.
Der gesunde Menschenverstand gibt uns Antwort durch ein Bsp. in der Kindererziehung: Eltern wollen ihre Kinder an eine Mittagspause gewöhnen, weil es für sie gut ist. Familienregelung lautet: in der Mittagspause 15 Minuten auf dem Bett ausruhen. Was bedeutet das? Nicht lesen, nicht Musik hören? Nicht auf die Toilette gehen? Welche Eltern würden ein Kind mit einer guten Regelung quälen wollen, indem sie ihm verbieten auf die Toilette zu gehen? Genau in diesem Sinn muss die ganze Situation mit dem Sabbat verstanden werden!
In Markus fordert Jesus die Pharisäer mit einer geschickten Frage heraus (Mk 3,4): Hätten sie ihm geantwortet: „Ja, es ist erlaubt am Sabbat Gutes zu tun,“ dann wäre Jesu Handlung ja gerechtfertigt gewesen. Hätten sie ihm geantwortet: „Es ist nicht erlaubt Gutes zu tun, sondern nur Böses zu tun“, dann hätte ihr Ansehen vor dem Volk Schaden gelitten.
Jesus hätte folgende Beispiele anführen können:
- Einnahme Jerichos, (Josua 6,2-5).
- Wiederherstellung der Mauern Jerusalems usw. (Nehemia 13,15-22).
- In beiden Fällen wurden die Menschen von Gott nicht bestraft!
Was bedeutet das alles für uns Christen?
Wir sollen von den Fehlern der Pharisäer lernen, indem wir nicht unsere Erkenntnis andern durch unsere Gebote aufzwingen wollen. Jeder Wiedergeborene ist am Anfang noch sehr fleischlich und muss freiwillig herangezogen werden, alles was noch fleischlich an ihm ist abzulegen. Ein geistlicher Christ geht als Vorbild in allem voran, indem er vom Geist Gottes erfüllt und geleitet ist und nicht mit Zwang, sondern mit Freuden dem Herrn dient. Im Reich Gottes geschieht alles aus Glauben und nicht aus Zwang: Röm 14,1-5.14-15.22-23. Gott will aber auch unseren Glaubensgehorsam sehen, indem wir tun was er gebietet. Es ist interessant, dass Gott uns Menschen vieles frei lässt: Die 10 Gebote waren nie so genau definiert, wie das die Pharisäer und Schriftgelehrten durch ihre eigenen Gebote taten. Auch heute gibt uns Gott viel Spielraum, weil alles Erkennen „Stückwerk“ ist (1Kor 13,9).
In allen Geboten Gottes geht es um das Wohl der Menschen und in diesem Sinn sollen auch wir die Barmherzigkeit Christi bei unseren Geschwistern an den Tag legen. Jesus heilte noch viele andere an diesem Tag (V. 15). Weil seine Todesstunde jedoch noch nicht gekommen war, gebot er ihnen, ihre Heilung als Erbarmen zu betrachten und nicht als Medienspektakel. In diesem Sinn erfüllte sich auch das prophetische Wort des Jesaja:
- Jesus wird nicht streiten mit seinen Gegnern.
- Er wird das Evangelium auch nicht schreiend verkündigen.
- Er wird an kranken Menschen nicht vorbeigehen, oder sie gar noch mehr knicken, sondern sie alle heilen.
KAPITEL 12,22-31: MACHT ÜBER DÄMONEN
Vers 22: Der Besessene war blind und stumm. Er war nicht etwa besessen, weil er blind und stumm war! Er war von dämonischen Kräften so besessen, dass er zu allem Elend auch nichts sehen und reden konnte. Damit wird die Bosheit Satans offenbart. Je mehr der Teufel unsere Herzen besitzt, desto schlimmer ist unser geistiger und körperlicher Zustand. Es ist der totale Gegensatz vom erfüllt sein vom heiligen Geist Gottes! Jesus heilt diesen Mann und die Folge war, dass er auch sehen und reden konnte.
Vers 23: Die Volksmenge reagiert sehr positiv auf diese Heilung, indem sie an Jesus glaubte, als den verheissenen Sohn Davids, der das Reich wieder aufrichtet (Joh 7,31).
Vers 24: Die Pharisäer hingegen reagierten mit Hass und mit der schlimmsten Anschuldigung gegen Jesus. Allerdings wird in unserem Text nicht gesagt, dass sie Jesus direkt beschuldigten, jedoch unter sich diese Anklagen aussprachen. Das Wort Beelzebul kommt in den rabinnischen Schriften nirgends vor.
- Beelzebul steht für den Herrscher der Dämonen; der Teufel.
- Beelzebul = Herr der Wohnung (weil er im besessenen Menschen wohnt).
- Eine andere Form finden wir im AT als Baal-Sebub, der Gott Ekrons (1Kön 1,2.3.6).
- Daraus wurde Beelzebub = Herr der Fliegen, Herr des Mistes, d. h. des Götzenopfers.
Diese Definitionen ermöglichen uns zu ermessen, welch gotteslästerliche Unterstellung es war, Jesus als Knecht des niedrigsten Wesens zu bezichtigen.
Was macht man, wenn man auf solch böse Art verleumdet wird?
- Entweder ruhig sein und Gott die Rache überlassen.
- Die unüberlegten Gegner mit sachlichen Argumenten aufdecken.
- Auf keinen Fall den offenen Kampf suchen.
Verse 25-26: Jesus konfrontiert die Pharisäer mit ihren bösen und verdrehten Gedanken. Kein Reich (Staat), keine Stadt und kein Haus, das mit sich selbst entzweit ist, kann Bestand haben. Wenn er die Dämonen Satans mit der Macht Satans austreiben würde, dann würde der Teufel ja mit sich selbst entzweit sein. Der Teufel würde so etwas nie zulassen! Das wäre völlig absurd!
Vers 27: Offenbar behaupteten einige Söhne der Pharisäer Dämonen austreiben zu können.
Ein Beispiel finden wir: Mk 9,38-41.
Hier könnte es sich um einen Sohn eines Pharisäers gehandelt haben. Nicht jeder, der Dämonen austreiben kann, ist ein Jünger Christi (Mt 7,22).
Ein blamierendes Beispiel: Apg 19,13-17.
Jesus bestritt nicht, dass sie dazu gar nicht in der Lage seien, sondern verwies nur auf die Tatsache hin, dass diese das gleiche taten. Wollten die Pharisäer ihren Söhnen etwa auch vorwerfen, dass sie als Handlanger Satans die Dämonen austreiben? Denn wenn die Macht zur Dämonenaustreibung satanisch wäre, dann stünde jeder, der diese Macht hat, gleichzeitig im Packt mit dem Teufel.
Vers 28: Die Wahrheit ist, dass Jesus die Dämonen durch den Geist Gottes austreibt.
Auch die Apostel Christi wurden dazu ausgesandt (10,8). Mit diesen Heilungen zeigt Jesus, dass er der Sohn Davids ist, der dazu in die Welt gekommen ist, um die Werke des Teufels zu zerstören (1Joh 3,8). Jesus ist der König des Reiches Gottes, dass zu den Menschen gekommen ist (das Reich Gottes = Thema des Matthäusevangeliums! 4,17).
Vers 29: Jesus geht in „das Haus des Starken“ (= Gleichnis, Mk 3,23).
Der Starke ist Satan und das Haus ist sein Herrschaftsbereich. Der Hausrat des Starken sind seine Dämonen. Jesus bezeugt mit dieser Aussage, dass er nicht Freund, sondern vielmehr Feind Satans ist, weil er in seinen Herrschaftsbereich eingedrungen ist und seinen Hausrat plündert, indem er die Dämonen austreibt.
Jesus wird den Satan in 7 Schritten binden:
Erstens durch seine Überlegenheit und Unfehlbarkeit (Mt 4,1ff.).
Zweitens durch die Heilungen der Besessenen (Mt 12,22).
Drittens durch die Verkündigung des Reiches Gottes (Mt 9,35).
Viertens durch seinen Tod am Kreuz (Kol 2,15).
Fünftes durch seine Auferstehung (Mt 28,18).
Sechstens durch seine Begnadigungen (Hebr 2,14-15).
Siebtens durch das Endgericht (Offb 20,10).
Vers 30: Es gibt keinen neutralen Ort.
Entweder stellt man sich auf die Seite des Widersachers und versucht seine Armee zu stärken und für sie zu kämpfen. Die Pharisäer waren mit ihren Gedanken Knechte des Teufels. Sie versuchten mit aller Macht Jesus von seinem göttlichen Werk abzuhalten.
Oder man stellt sich auf die Seite Christi, wo wir zur jetzigen Zeit wie die grossen Verlierer dastehen. Doch Jesus verspricht, dass wer sein Leben im Glauben an den König hingibt, am Ende zu den Siegern gehören wird (Mt 10,39). Es spielt sich also etwas ähnliches in uns ab, wie beim Tod Jesu: Wir werden auferstehen, aber zuerst müssen wir sterben (Joh 11,25-26).
Wir werden so oder so andern ein Vorbild sein: Entweder als Vorbild, das Seelen für das Reich Gottes sammelt, oder als ein Vorbild, das Seelen vom Reich Gottes zu vertreiben sucht.
Mit allem was wir tun oder nicht tun, unterstützen wir eine Seite.
Vers 31: Jesus wurde von den Menschen angeklagt bis zum Tod am Kreuz.
Er wurde angeklagt,
zu lästern (9,3),
sich mit Sündern zu verunreinigen (9,11),
der Ess- und Fresslust angeklagt (11,19),
mit dem Teufel im Packt zu stehen (12,24),
von seinen eigenen Jüngern verraten (Judas: 26,48) und verleugnet (Petrus: 26,75),
von den Hohenpriestern und Schriftgelehrten zum Tode verurteilt (27,12.22),
von den röm. Soldaten verspottet (27,29), ja sogar von einem seiner Mitgekreuzigten (Lk 23,39).
Für all diese ungerechtfertigten Anklagen, Verleumdungen und Lästerungen gegen den Sohn kann den Menschen vergeben werden. Aber für die Lästerung wider den Heiligen Geist gibt es keine Vergebung mehr.
Siehe nächste Lektion in Kapitel 12,32 – Einschub:
Wie kann man gegen den Heiligen Geist sündigen?