Obadja und Edom
Die Gewalttat an seinem Bruder Jakob in der Vergangenheit veranlasst Gott das Gericht auszuüben.
DIE ANKLAGE EDOMS (V. 10-14)
Vers 10: Gewalt
Von allem Anfang an war Esau auf seinen Bruder neidisch (Gen 25,22-28; 27,22-29; 32,4-33; Am 1,11). Dieser Neid übertrug sich auf die Nachkommen Esaus. Jakob und seine Nachkommen wurden verachtetet und deshalb liegt Schande über den Edomitern. Schliesslich wird Edom die Verachtung der Bruderschaft vorgeworfen.
Edoms Gewalt gegen Jakob:
- Es hat am Haus Juda rachsüchtig gehandelt (Ez 25,12-14).
- Es hat seinen Bruder mit dem Schwert verfolgt (Am 1,11-12).
- Es hat in Juda unschuldiges Blut vergossen (Joel 4,19).
- Es wird das Gebiet der Bosheit genannt (Mal 1,2-5).
Deshalb soll Edom für immer vernichtet werden.
Vers 11: Zusehen
Die Edomiter werden beschuldigt, tatenlos zugesehen zu haben, wie das Haus Israel von den Babyloniern geplündert und ins Exil geführt wurden. Sie freuten sich, als das Los über Jerusalem geworfen wurde. Damit haben sie sich schuldig gemacht. Sie beteiligten sich sogar am Diebstahl. In Gottes Augen sind die Edomiter am Volk Gottes genauso schuldig geworden, wie die babylonischen Truppen, die durch die Tore Jerusalems eindrangen.
Vers 12: Schadenfreude
Am Tag des Unglücks über Jerusalem waren die Edomiter schadenfreudig. Wenn sie es auch nicht verhindern konnten, dann wäre statt Lästern Trauer angebracht gewesen. Denn in Gottes Augen ist Schadenfreude Sünde (Spr 17,5; 24,17-18; Hiob 31,29). Mit mahnenden Worten warnt der Prophet vor der Schadenfreude (Jes 57,4).
Vers 13: Beteiligung
Die Feinde drangen in die Stadt Jerusalem und zerstörten sie. Anschliessend plünderten die Edomiter ihre Reichtümer. Sie waren wie Aasfresser. Sie waren skrupellos und habgierig.
Vers 14: Mord und Auslieferung
Einigen Judäern gelang die Flucht aus Jerusalem. Die Edomiter liessen keine flüchtenden Judäer in ihr Land. Sie postierten Wächter an den Weggabelungen. Als die Flüchtenden an die Grenzen Edoms stiessen, wurden sie dort abgefangen. Sie wurden entweder niedergemetzelt oder gefangengenommen und als Sklaven den Feinden ausgeliefert und verkauft. Edom behandelte Juda so verachtenswert, dass es kein Wunder ist, dass Gott beschloss, dieses Volk zu vernichten.
SCHLUSSFOLGERUNGEN
Die Schuld der Edomiter an ihrem Bruder Jakob ist gross. Darum werden sie vernichtet für alle Zeiten, was an die höllische Verdammnis der Seele erinnert. Wir haben eine Verantwortung gegenüber unseren Geschwistern im Glauben. Der sogenannte „Bruderstreit” ist in Gottes Augen eine Schande und ein Indiz, dass wir nicht wiedergeboren worden sind (1Joh 3,14-16). Deshalb gilt es wachsam zu sein und keine bittere Wurzel in unseren Beziehungen aufwachsen zu lassen (Hebr 12,14-17). Es geht nicht darum, wer der Grösste, der Erste und der Beste ist (Mk 9,33-37; Mt 18,1; Lk 9,46-47), sondern um die Verherrlichung Gottes (1Petr 4,9-11). Wir werden zur Demut und Unterordnung unter Gottes Führungshand aufgerufen (Jak 4,1-9). Es geht darum Böses mit Gutem zu vergelten (Röm 12,9-21).
Mit keinem Wort erwähnt Obadja die Schuld des Volkes Gottes. Gott züchtigt sein Volk mit anderen Völkern. Anschliessend straft Gott alle Völker, die seinem Volk Böses angetan haben. So ist Gottes Gerechtigkeit (Ex 32,30-35).