AT31-Obadja-3: Wie Edom zerstört wird

Obadja und Edom

  

Die früheren Verbündeten wenden sich gegen Edom, um es völlig zu zerstören. Alle Vorteile werden den Edomitern nichts nützen
und die Zerstörung nicht verhindern können.

 

DER UNTERGANG EDOMS (V. 1-9)

Vers 1: Vision
Obadja empfängt eine göttliche Vision, entweder während des Tages oder bei Nacht. In dieser Schauung spricht Gott, der Herr (Jahwe), das ultimative Gerichtsurteil über Edom. Es gibt nur insgesamt drei Propheten, deren Mission es war, hauptsächlich gegen fremde Nationen zu weissagen: Jona (ca. 780 v. Chr.), Nahum (625-612 v. Chr.), Obadja (586 v. Chr.). Andere Propheten wandten sich gegen Edom, aber nur mit einzelnen Versen (Jer 49,7-22; Am 1,11-12; Joel 4,19; Mal 1,2-5). Hesekiel verurteilt Edom in einem ganzen Kapitel (Ez 35). Auch Jesaja widmet ein ganzes Kapitel der Vernichtung Edoms (Jes 34). Bei der Vision des Propheten Obadjas geht es um die völlige Zerstörung Edoms. Bei Obadja stehen die Edomiter stellvertretend für alle gottlosen Nationen, die der Herr früher oder später richten wird. Wie aus der Einführung entnommen werden kann, sind die Edomiter Nachkommen Esaus (Gen 36,9), d. h. Brüder der Israeliten (Dtn 23,8). Deshalb befahl der Herr, dass die Israeliten das Land der Edomiter nicht angreifen dürfen (Dtn 23,7; 2,5-8). Gott hat seinem Volk geboten, dass ein Edomiter und ein Ägypter nach drei Generationen in die Versammlung aufgenommen werden müssen (Dtn 23,8).

Sie bewohnten die zerklüftete Berglandschaft südöstlich vom Toten Meer. Auf der Hochebene, von Süden nach Norden, verlief östlich die Königsstrasse. Edom bedeutet das rote Gebiet, wo Sela (griech. Petra), Teman und Bozra die wichtigen Stätten dieser Region waren.

Eine Botschaft wurde gehört und ein Bote wird ausgesandt. Es ist nicht wichtig, wer der Bote ist (siehe auch Jer 49,14)! Wichtig ist, dass der Herr die Völker gegen Edom aufruft. Gott ist am Werk und sendet einen Boten, um den Edomitern zu verkünden, dass der Herr die Sünden Edoms vergelten wird (für Gründe siehe Einführung). In der Bibel erfahren wir immer wieder, dass Gott Menschen und Völker als seine Werkzeuge benutzte (Jes 9,10-11; 10,5; Sach 14,2; Ez 25,14).

Edom verbündete sich in der Vergangenheit mit fremden Nationen gegen Juda (1Kön 11,14-22; 2Kön 8,20-22) und zuletzt liessen die Edomiter sich im Land Kanaan nieder, plünderten und besetzten es, als Juda im Exil war (Ps 137,7; Ez 35,1-15). Als einige Judäer versuchten, vorübergehend bei den Edomitern Zuflucht zu finden, wurden sie schon an der Grenze abgefangen und den Babyloniern ausgeliefert (Jer 40,11). Das war eine schwere Sünde (Spr 14,34), für die Gott nun das Volk zur Rechenschaft zieht.

Edoms Verbündete wenden sich gegen sie. Sie ziehen zum Krieg wider das Volk. Sie überfallen und vertreiben es. So soll Edom für die vielen Ungerechtigkeiten gegenüber Israel hart bestraft werden.

 

Vers 2: Kleines Edom
Gottes Worte stehen in der Vergangenheit, als ob der Krieg bereits geschehen war. Das ist typisch prophetische Sprache, die damit zum Ausdruck bringen will, dass es für Edom kein Zurück mehr gibt. Die Vergeltung an Edom ist beschlossene Sache des allmächtigen Gottes. Der Herr macht Edom klein und unbedeutend, d. h. verachtet wird es sein (1Sam 2,6-7). Es wird noch nicht gesagt, wie der Herr Edom klein machen wird. Eines steht fest (Spr 16,18): „Hochmut kommt vor dem Fall.”

 

Vers 3: Vermessenheit
Die Edomiter fühlten sich inmitten ihrer steilen Klippen und felsigen Berge sicher (Jer 49,16). Die zerklüfteten Berglandschaften waren zum Teil über 1000 Meter hoch. Sie konnten nur über schmale Bergpässe angegriffen werden, die schwer zugänglich und leicht zu verteidigen waren. Sie haben ihre günstige Lage ausgenützt und sich in den Höhen verschanzt. Damit wird auch ihr Hochmut und ihre Arroganz betont. Sie haben vergessen, dass Gott allein ihnen diesen sicheren Ort gab.

Sie vertrauten auf ihre Festungen, ihre mächtigen Krieger und auf ihre gut ausgerüstete Armee. Es brauchte keine grosse Armee, um sich gegen feindliche Angriffe zu verteidigen. Die Stellungen auf den Bergen waren schwer einnehmbar. Trotzdem wird das Königreich Edom zu Fall gebracht, spricht der Herr. Gott macht die Edomiter verletzbar, denn er verabscheut Hochmut (Spr 16,5). Ihre Herzenshaltung hat sie betört und geblendet. Statt sich auf den Herrn zu verlassen, fühlten sie sich stark auch ohne Gott.

 

Vers 4: Adler
Der Adler baut sein Nest in den Felsen, weil es dort vor ungebetenen Gästen sicher ist. So erging es auch den Edomitern. Sie fühlten sich völlig sicher wie ein Adler in den sicheren Felsen. Doch, selbst wenn es möglich wäre bei den Sternen ein Nest zu bauen, kann der Herr den Adler jederzeit herunterholen, wenn er will, denn Gott ist überall und allmächtig (Ps 139,7-12).

Ein starkes Beispiel ist Nebukadnezar, der hochmütig sagte (Dan 4,27): „Ist das nicht das grosse Babel, das ich gebaut habe als Sitz der Herrschaft durch meine gewaltige Macht?” Noch während er das sagte, entriss ihm der allmächtige Gott sein Königreich (Dan 4,28). Er wurde aus der Gemeinschaft der Menschen verstossen (Dan 4,30). Sein Haar wurde lang wie Adlerfedern (Dan 4,30). Seine Nägel wurden lang wie Vogelkrallen (Dan 4,30). Der Prophet Jesaja prophezeite über den König von Babel wie Gott seinen Hochmut zerbricht (Jes 14).

Gott spricht durch den Mund des Propheten Obadaja, dass ein Adlerhorst vor ihm keine Sicherheit bietet. Wie dem grossen König Nebukadnezar geht es allen, die sich sicher fühlen und sich nicht der gewaltigen Hand Gottes unterwerfen (Dan 4,23). Im NT lesen wir; jedes Knie wird sich unter den Namen Jesu beugen (Phil 2,10).

1Petr 5,6: „Beugt euch also demütig unter die starke Hand Gottes, damit er euch zu seiner Zeit erhöhe.”

 

Vers 5: Völlige Plünderung
Die Edomiter waren wohlhabend. Sie lebten in einem Durchzugsgebiet für viele Händler und verlangten entsprechend Zollabgaben. Arme Händler wurden ausgeraubt und geplündert. Mit anderen Reisenden wurden sie durch den Handel reich.

Diebe nehmen gewöhnlich nicht alles mit, was an Beute zu rauben wäre. Selbst der Winzer lässt immer ein paar Reben übrig und erntet nicht alles ab. Das Gesetz Mose schreibt vor, dass der Landwirt und der Winzer nicht alles abernten sollen (Lev 19,9-10; 23,22). Ein Rest soll für die Armen und Fremden übriggelassen werden (Dtn 24,19-21). Die Feinde werden jedoch Edom völlig plündern und nichts mehr übriglassen.

 

Vers 6: Wie konnte es soweit kommen?
Alles, was Edom sich unrechtmässig erworben und zu seinem Wohlstand missbraucht hat, wird durchsucht und durchwühlt. Selbst die besten Verstecke in den Städten wurden aufgedeckt und geplündert. Edom wird für seine Sünden hart bestraft.

 

Vers 7: Betrogen
Edom wurde von seinen Verbündeten getäuscht und betrogen. Edom hatte Frieden mit ihren gottlosen Nachbarn. Die Nationen profitierten von Edoms Reichtum. Doch nun soll das ganze Gebiet von seinen Bundesgenossen erobert werden. Die Edomiter werden bis an die Grenzen ihres Landes vertrieben. Sie werden sogar aus ihrem eigenen Land vertrieben. Die angeblichen Freunde treiben ein falsches Spiel und legen den Edomitern Fallen in den Weg. Es ist ein uraltes Lebensprinzip, dass Freundschaft oft nur so lange dauert, wie der Freund nützlich ist.

 

Vers 8: Mit der Weisheit am Ende
Die Edomiter waren nicht nur reich, sondern auch bekannt für ihre Klugheit. Hiob war ein weiser Mann im Lande Uz (Hiob 1,1), das in Edom lag (Klgl 4,21). Elifas, einer der drei weisen Freunde Hiobs, kam aus Teman, das ist eine Stadt im Norden Edoms (Hiob 2,11; 4,1; Ez 25,13; Am 1,11-12; Jer 49,7.20).

Deshalb fühlten sich die Edomiter so sicher, dass sie nicht erobert werden können. Sie hatten uneinnehmbare Stellungen, weise Männer unter ihnen und mächtige Krieger. Das alles kann Gott nicht von seinem Vorhaben abschrecken. Sie haben zu sehr auf sich, statt auf Gott vertraut.

Obadja stellt fest, dass die Edomiter so überwältigt sein werden, dass sie ihre Weisheiten und Prinzipien völlig vergessen und jegliche Einsicht verloren haben. Auch Jeremia klagt über Edom (Jes 49,7): „Ist denn keine Weisheit mehr in Teman? Den Verständigen ist der Rat ausgegangen, verrottet ist ihre Weisheit.”

 

Vers 9: Vergeltung
Alle Helden Edoms werden brutal ermordet. Sogar die mächtigen Krieger auf den Festungen Temans werden vor Angst zittern. Weil Edom seinen Bruder misshandelte, kommt Gottes Gericht über sie (V. 15). Voll Schadenfreude haben die Edomiter zugeschaut, als die heilige Stadt Jerusalem erobert wurde (V. 12). Sie haben es versäumt, Jakob zu helfen (V. 11). Sie haben sich sogar auf die Seite der Feinde Judas gestellt (V. 14).

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN

Es fällt auf, dass Obadja keine Anklage der Sünden Israels enthält. Seine Worte enthalten keine Warnung, keine Gelegenheit und keinen Aufruf zur Umkehr. Der Inhalt seiner Worte sind durch und durch dem völligen Untergang Edoms gewidmet.

Es ist nach wie vor so, dass Gott alle Völker und alle Menschen zur Rechenschaft ziehen wird. Gott ist der Herr und Schöpfer, der nach wie vor Weltgeschichte schreibt. Ohne sein Wissen und seine Zustimmung geschieht gar nichts auf dieser Welt. Wer meint, dass die heutige politische Lage nichts mehr mit Gott zu tun hat, der täuscht sich schwer und versteht weder die Allmacht Gottes noch seine Gerechtigkeit.

Früher oder später wird Gott den Gottlosen und den Gerechten richten für das, wie sie alle gehandelt haben (Koh 3,17; Röm 2,16; 2Kor 5,10). Deshalb gilt es vorsichtig zu sein vor Schadenfreude, Selbstgerechtigkeit, Hochmut (Spr 29,23; 11,2; 16,5; Jak 4,6) und unterlassener Hilfeleistung für Menschen in Not (Mt 25,45-46; Jak 4,17; Ez 3,18; Lk 10,30-37).

Koh 14,12: „Ist alles gehört, lautet der Schluss: Fürchte Gott und halte seine Gebote. Das gilt für alle Menschen. Denn alles Tun bringt Gott vor ein Gericht über alles Verborgene, es sei gut oder böse.”

 

 

Link

- Gründe für Edoms Untergang