Obadja und Edom
ZEITABSCHNITT
Juda allein (722-586 v. Chr.)
KÖNIGE
Zedekia20 oder Mattanja (2Kön 24,17; 597-586 v. Chr.), letzter König im Südreich
ZEITGENOSSEN
Jeremia, Hesekiel, Daniel
NAME
Diener Jahwes oder Diener des Herrn (vierter Prophet)
WIRKUNGSZEIT
586 v. Chr. im Südreich (2Kön 25; 2Chr 36,11-21)
SCHLÜSSELGEDANKE
Edom soll für immer ausgerottet werden (V. 10): Vergeltung
THEMA
Das Gericht über Edom
BESONDERHEIT
Es ist das kürzeste Buch der hebräischen Bibel
DER PROPHET
Der Name Obadja bedeutet „Diener Jahwes“ oder „Diener des Herrn“. Wir wissen nichts über ihn. Es gibt insgesamt dreizehn Personen im Alten Testament, die diesen Namen tragen. Trotz Bemühungen und verschiedenen Vorschlägen, kann Obadja keinem Namen zugewiesen werden. Jüdische Traditionen sehen Obadja als Verwalter des Königs Achab oder als einen seiner Anführer in der Armee. Obadja ist mit seinen 21 Versen das kürzeste Buch im Alten Testament.
DATUM
In Vers 11 wird vom Untergang Jerusalems gesprochen. Welcher Untergang gemeint ist, kann nicht sicher gesagt werden, da die Stadt mehrere Male erobert wurde:
- Im fünften Jahr Rehabeams1(930-913 v. Chr., Südreich), das heisst 925 vor Christus drang Schischak, der König von Ägypten in Jerusalem ein (1Kön 14,25-26; 2Chr 12,1-12).
- In den letzten Jahren Jehorams5(853-841 v. Chr., Südreich), das heisst ca. 844 vor Christus wurde Jerusalem durch eine Invasion der Araber und Philister eingenommen (2Kön 8,20; 2Chr 21,16-17).
- In den Tagen Amazjahu9(796-767 v. Chr., Südreich), als der König Joas oder Jehoasch12 (798-872 v. Chr., Nordreich) gegen Jerusalem hinaufzog zerstörten sie die Stadtmauern und plünderten den Tempel. Das war 782 vor Christus (2Kön 14,8-14.17; 2Chr 25,17-24).
- Der letzte König Zedekia20(597-586 v. Chr., Südreich) lehnte sich gegen die babylonische Herrschaft über Juda auf, so dass Nebukadnezar (605-562 v. Chr.) mit seinem Heer nach Jerusalem hinaufzog und die Stadt fast zwei Jahre lang belagerte (588-586 v. Chr.). Schliesslich gelang es der babylonischen Armee die dicken Mauern zu durchbrechen und in die Stadt einzudringen. Sie zerstörten Jerusalem samt dem Tempel und töteten viele Bewohner (2Kön 24,18 - 25,30; 2Chr 36,11-21).
Ort und Zeit des Buches könnten auch ein frühes Datum sein (843 v. Chr.). Denn auch Amos (ca. 760 v. Chr.) sagt den Untergang Edoms voraus (Am 9,12). Es gibt aber andere wichtige Indizien, die eher für ein spätes Datum sprechen (586 v. Chr.).
In unserem Studium gehen wir davon aus, dass es um das Gericht über Jerusalem, im Jahr 586 v. Chr. geht.
GESCHICHTE
Die Feindseligkeiten begannen damit, dass Esau seinem Bruder Jakob sein Erstgeburtsrecht gegen ein Linsengericht verkaufte (Gen 25,22–34). Anschliessend erschlich sich Jakob beim Vater Isaak den Segen (Gen 27,1-46). Somit erwies sich Jakob als Fersenhalter, wie bei der Geburt angekündigt (Gen 25,23.26). Als er Jahre später mit seinem Bruder Frieden suchte, kämpfte er am Vorabend mit einem Engel und verletzte sich am Hüftgelenk schwer. Deshalb nannte ihn der Engel „Israel”, das heisst Gotteskämpfer (Gen 32,29; 35,10).
Esau liess sich im Gebirge Seir nieder, das ist das Gebiet Edoms (Gen 32,4; 36,8). Die Edomiter waren ständige Feinde Israels. Sie liessen Israel nicht durch ihr Land ziehen (Num 20,14-21) und schlossen sich später anderen Völkern an, um Juda zu überfallen (2Chr 20,1-2.22). Schon Saul kämpfte gegen sie (1Sam 14,47). Diese Feindschaft verschärfte sich, als David Edom eroberte und in ihrem Gebiet Statthalter einsetzte (2Sam 8,14; 11,14-22; 1Chr 18,13).
Der Höhepunkt wurde damit erreicht, als die Edomiter sich der babylonischen Invasion anschlossen (Ps 137,7; Ez 35,1-15). Dies führte dazu, dass die Propheten für Edom das Gericht Gottes mit endgültigem Untergang voraussagten (Am 1,11-12). Edom hat die Beziehung zu seinem Bruder Israel schwer verletzt und muss dafür büssen. Das Buch Obadja beschreibt den Höhepunkt der Feindseligkeiten Edoms und spricht fast ausschliesslich von seinem Untergang.
Edom liegt südwestlich vom Toten Meer. Das Gebiet erstreckt sich vom Bach Sered (der südwestlich ins Tote Meer fliesst) bis zum Golf von Aqaba. Im Neuen Testament werden die Edomiter, die Nachkommen Esaus, Idumäer genannt (= das griechische Wort für Edom).
- Gewalt gegen Jakob
- Versäumnis, Jakob zu helfen
- Schadenfreude über Jakobs Niederlage
- Sie fingen die flüchtenden Judäer an der Grenze ab und lieferten sie den Babyloniern aus
- Sie liessen sich in Kanaan nieder und plünderten das Land
- Hochmütige und selbstgerechte Haltung
ÄHNLICHKEITEN MIT JEREMIA
Obadja 1 Jeremia 49,14
Obadja 2 Jeremia 49,15
Obadja 3-4 Jeremia 49,16
Obadja 5 Jeremia 49,9
Obadja 6 Jeremia 49,10
Obadja 7 Jeremia 49,7
BOTSCHAFT
Zusammen mit zwei anderen „kleinen Propheten” richtet sich seine Botschaft gegen eine fremde Nation. Der Prophet zeichnet ein dramatisches Bild von Edoms Feindseligkeit und kündet der Nachkommenschaft Esaus die völlige Ausrottung an. Über Israel weissagt Obadja hingegen eine hoffnungsvolle Zukunft. Denn, trotz seiner vielfachen Untreue bleibt es das geliebte Volk Gottes, dessen Feinde umgebracht werden. Gott wird mit Israel sein Reich der Gerechtigkeit, der Heiligkeit und des Friedens aufrichten.
Hebräer 12,15-17 (NGÜ):
„Achtet darauf, dass niemand sich selbst von Gottes Gnade ausschließt! Lasst nicht zu, dass aus einer bitteren Wurzel eine Giftpflanze hervorwächst, die Unheil anrichtet; sonst wird am Ende noch die ganze Gemeinde in Mitleidenschaft gezogen.
Achtet auch darauf, dass niemand ein unmoralisches Leben führt oder mit heiligen Dingen so geringschätzig umgeht wie Esau, der sein Erstgeburtsrecht für eine einzige Mahlzeit verkaufte.
Ihr wisst, wie es ihm später erging: Als er den Segen bekommen wollte, der ihm als dem Erstgeborenen zustand, musste er erfahren, dass Gott ihn verworfen hatte. Er fand keine Möglichkeit mehr, ´das Geschehene` rückgängig zu machen, so sehr er sich auch unter Tränen darum bemühte.”
PRAKTISCHE LEHREN FÜR UNS
- Wer gegen Gott und sein Volk ankämpft, wird am Ende verlieren, denn Gott wird immer der Stärkere sein.
- Gott gehört die Rache. Er nimmt die Interessen der Seinen in die Hand.
- Wer sich über das Unglück eines anderen freut, der sündigt gegen Gott.
- Die wichtige Bedeutung der Bruderschaft.