2. Thessalonicher-1: Das Anzeichen des gerechten Gerichtes Gotttes

Standhaftigkeit inmitten
Verfolgung und Drangsal

 

 

Einleitung zum zweiten Brief

Verfasser: Der Apostel Paulus (1,1).

Empfänger: Die neu gegründete Gemeinde in Thessalonich (mehrheitlich Heiden gemäss Apg 17,4).

Ort und Zeit: Korinth, Ende 51 n. Chr. oder Anfang 52 (Apg 18,11).
Als Paulus auf seiner zweiten Reise nach Korinth kam, blieb er 18 Monate dort (
Apg 18,11). Während dieser Zeit schrieb er die beiden Briefe an die Thessalonicher. Die Gründung der Gemeinde finden wir in Apg 17,1-9, wo Paulus an drei nächsten Sabbaten mit grossem Erfolg das Evangelium predigte, sodass einige sich überzeugen liessen: Apg 17,4.Die ungläubigen Juden veranstalteten einen Volksauflauf. Da sie Paulus und Silas nicht finden konnten, machten sie sich über Jason, den Gastgeber der Missionare, her. Auf Drängen der Brüder verliessen dann Paulus und Silas die Stadt bei Nacht und reisten nach Beröa weiter. Von denen gesagt wird, dass sie edler gesinnt waren, als die Juden in Thessalonich (Apg 17,11). Später kamen aber dieselben Juden auch dorthin. Es gelang ihnen, Paulus zu vertreiben, während Silas und Timotheus dort zurückblieben (Apg 17,14-15). So ging Paulus also schweren Herzens weiter nach Athen und schliesslich nach Korinth, von wo aus er später Folgendes schrieb (1Thess 2,17-18).

Als Timotheus und Silas nachkamen, schickte Paulus den Timotheus postwendend zurück. Er fürchtete, die junge Gemeinde könnte von den Irrlehrern erfolgreich beeinflusst und von Christus wieder abwendig gemacht worden sein (1Thess 3,5). Doch Timotheus brachte gute Nachrichten, sodass Paulus in den folgenden Versen schrieb (1Thess 3,6-8).

Der zweite Thessalonicher wurde kurz nach dem ersten verfasst, vermutlich auch in Korinth. Am geistlichen Zustand der Gemeinde hatte sich nicht viel verändert. Paulus warnt (Kap. 2) vor den Irrlehrern, die ständig versuchen, die Geschwister zu verwirren; sie sollen sich nicht verführen lassen. Er nimmt, wie gesagt (Kap. 3), noch einmal Bezug auf die, welche unordentlich wandeln und nicht arbeiten wollen, weil sie auf die Wiederkunft Christi warten. Paulus ermahnt (3,10): „Wenn jemand nicht arbeiten will, soll er auch nicht essen.“

Das Hauptthema: Die Wiederkunft Christi.

Schlüsselvers: Kapitel 2,3 (der Grund des Briefes).

Schlüsselwörter:

   - Wiederkunft, Ankunft (παρουσία) 2,1; 2,8.

   - Tag des Herrn (ἡμέρα κύριυ) 2,2.

   - Erscheinung (ἐπιφάνεια) 2,8.

   - offenbaren, enthüllen (ἀποκαλύπτω) 1,8; 2,3 (Hauptwort Offenbarung: Apokalypsis, ἀποκάλυψις).

   - Abfall (ἀποστασία) 2,3.

Das Hauptschlüsselwort: Zeichen.
Bevor die Wiederkunft Christi stattfindet, müssen noch besondere Zeichen geschehen, z. B.: der allgemeine Abfall vom Glauben an Gott (2,3; 1Tim 4,1-3; 2Tim 3,1-9), der Gesetzesfeind, der die falschen Wunder und Zeichen mehr liebt als die Wahrheit, die ihn zum Gehorsam aufruft (2,8-11). Deshalb das Hauptschlüsselwort „Zeichen“ für den 2. Thessalonicher.

Kapitel 1: Das Anzeichen des gerechten Gerichtes Gottes.

Verse 1-2: Gruss an die Gemeinde.
Paulus gebraucht fast dieselben Worte, wie in seinem ersten Brief. Statt „in Gott, dem Vater“, schreibt er diesmal „in Gott, unsrem Vater“. Auch im letzten Satz seiner Einleitung ist er im zweiten Brief etwas umfassender.Erster Brief: „Gnade sei mit euch und Friede!“ Zweiter Brief: „Gnade sei mit euch und Friede von Gott, dem Vater, und dem Herrn Jesus Christus!“ Was ist bei diesem Unterschied zu erkennen? Im zweiten Brief wird so deutlicher gesagt, dass die Gnade und der Friede allein von Gott kommen!

Verse 3-4: Paulus muss Gott danken.
„Danken müssen wir Gott“ (Εὐχαριστεῖν ὀφείλομεν τῷ Θεῷ), obwohl der geistliche Zustand von einigen in der Gemeinde nicht besser - sondern schlechter geworden ist (so muss Paulus Gott danken). „… wie es billig ist,“ bedeutet, wie es würdig, angemessen ist, „… ihr Brüder,“ schliesst alle Geschwister - auch Frauen und Kinder - ein, da es damals üblich war, in der Öffentlichkeit nur den männlichen Teil anzureden.

Der Grund für den Dank, den Paulus und seine Reisegefährten allezeit im Herzen tragen, ist die Tatsache, dass es in Thessalonich eine Gemeinde gibt, wo der Glaube zunimmt, wo die Liebe sich ausbreitet und wo die Standhaftigkeit trotz Verfolgungen und Trübsalen ungebrochen ist.

Welche drei Merkmale prägten den ersten Brief? – Glaube, Liebe, Hoffnung!
Im ersten Brief wurden die Thessalonicher für ihren vorbildlichen Wandel (in Mazedonien und Achaja) gelobt (1Thess 1,8). Voller Eifer und Leidensbereitschaft verkündigten sie das Wort Gottes im ganzen Land. Obwohl der Widerstand der Ungläubigen gegen sie gross war, liessen sie sich nicht einschüchtern oder abbringen, sondern bekehrten sich mit Freuden von den toten Götzen zum lebendigen Gott (1Thess 1,9). Da waren die Juden, die auch Paulus und seinen Mitarbeitern das Leben schwer machten (Apg 17,1-9). Da waren die Ungläubigen und Götzendiener, die das veränderte Verhalten der Christen nicht duldeten und sie wie Aussätzige behandelten: z. B. wegen ihres Fernbleibens vom Tempelbesuch, mit seinem Götterkult, z. B. von der Verkündigung des Evangeliums bei Bekannten und Verwandten, Nachbarn, Freunden usw.

Die Christen in Thessalonich waren kaum ein Jahr alt, d. h. im ersten Jahr sind die Anfechtungen eines Christen besonders gross, weil Satan alles dran setzt, um die verlorenen Seelen wieder für sich zu gewinnen. Jesus macht die Nachfolge klar und deutlich (Lk 14,25-27.33). Die Jünger wurden sich bewusst, dass es nicht um die Mehrheit ging, die Christus nachfolgen wird (Lk 13,22-30). Nur wenige werden erkennen, dass Gott uns Menschen sehr lieb hat und am liebsten alle aus der Finsternis der Sünde retten möchte (1Tim 2,4; Joh 3,16), dass Gott nur das Allerbeste für uns will (Röm 8,28). Es ist wichtig, dass Neubekehrte besonders mit diesen Worten wiederholt ermutigt und gestärkt werden! Jedes Leiden und jeder Konflikt den wir in unseren Seelen austragen bleibt vor Gott nicht verborgen, sondern bestätigt ihm die Echtheit unseres Glaubens. Wenn wir andere in schwierigen Zeiten ermutigen, dann tun wir das im Namen Gottes, in seinem Auftrag (Kol 3,16). Mit welchen Worten lässt Du Dich in Trübsal und Leiden am besten ermutigen?

Verse 5-10: Die bevorstehende Offenbarung Christi.
Paulus ermutigt sie mit der Erklärung, dass Verfolgung und Trübsal ein Anzeichen (ἔνδειγμα) - eine klare Indikation für das gerechte Gericht Gottes ist, das über die ganze Welt hereinbrechen wird (Phil 1,28). Worin ist denn Gottes Gericht gerecht (V. 6-7? Dass der Herr die, welche uns Gläubigen jetzt Leiden bereiten, einmal selbst leiden lässt (Mt 25,31-46). Und dass der Herr uns, die wir jetzt leiden, von allen Leiden befreien wird, indem er uns in sein ewiges Reich aufnehmen wird (1Petr 4,12-19). Gott hat die Macht Gericht zu halten und die Bösen von den Guten zu trennen (Mt 10,28).

Wer sind denn die Bösen? Die, welche die Gläubigen verfolgen und ablehnen (V. 6). Die, welche Gott nicht kennen, d. h. nicht suchen und dabei nicht verstehen, was Gottes Wille ist (Röm 1,28. (V. 8). Die, welche dem Evangelium Christi nicht gehorchen, welches zur Busse aufruft (Mk 1,15), (V. 8).

Wer sind die Guten? Die, welche um des Evangeliums Willen, d. h. um des Reiches Gottes Willen leiden, verfolgt und abgelehnt werden (V. 5; Apg 14,22; Röm 8,17). Die, welche im Glauben und in der Liebe standhaft bleiben (2Tim 2,11-13). Die, welche den Herrn verherrlichen und verehren (wörtlich; θαυμάζω - bewundern, V. 10).

Wie verehren und verherrlichen wir Gott? Wir verehren ihn, indem wir an ihn glauben und ihn anbeten, im Gesang und Gebet, im Abendmahl und in dem Vorlesen und Nachsinnen seines Wortes. Wir können Gott auch vergeblich verehren (Mt 15,9). Wir verherrlichen ihn mit unserem ganzen Leben (V. 12; 1Kor 6,20; Phil 1,20).

Bei der Offenbarung Christi (ἐν τῇ ἀποκαλύψει τοῦ Κυρίου ᾿Ιησοῦ) bedeutet: bei seiner Wiederkunft (τῆς παρουσίας τοῦ Κυρίου ἡμῶν) oder bei seiner Erscheinung der Wiederkunft (τῇ ἐπιφανείᾳ τῆς παρουσίας αὐτοῦ). Die verschiedenen griech. Begriffe weisen alle auf dasselbe Ereignis hin, an dem der allmächtige Gott aus seiner „Verborgenheit“ heraustritt, sodass ihn jedes Auge sehen wird (Offb 1,7).

Der Herr wird von seinen Legionen Engeln begleitet (Jud 14b-15). Unter starkem Posaunenschall eines Erzengels wird der Herr wiederkommen (1Thess 4,16). Seine Engel werden ausgesandt, um das Unkraut vom Weizen zu trennen (Mt 13,24-30). Deshalb werden wir zum geduldigen Ausharren aufgerufen (Jak 5, 7-11).

Verse 11-12: Würdig gemacht für das Reich Gottes.
Im vorigen Vers 10 wird gesagt: „… denn Glauben fand unser Zeugnis an euch.“ Mit anderen Worten: „Unser Zeugnis, das wir Euch gepredigt haben, habt ihr angenommen und geglaubt.“ (1Thess 1,5; 1Thess 2,13)

2Thess 2,13: „Gott hat euch zum Heil auserwählt.“

Darum beten Paulus und seine Mitarbeiter allezeit für die Thessalonicher, dass sie festhalten und sich im Glauben bewähren vor dem Herrn.

Gott macht alle Gläubigen durch die Leiden und Verfolgungen würdig für das Reich Gottes (V. 5). Wie werden wir würdig? Indem wir unseren Glauben läutern lassen wie Gold (1Petr 1,7). Indem wir uns heiligen lassen im Glauben (Offb 3,4). Indem wir Frucht bringen in guten Werken (Kol 1,10). Deshalb werden alle Gläubigen aufgerufen, würdig ihrer Berufung zu wandeln (Eph 4,1; Kol 1,10; 1Thess 2,12). Kein Mensch ist würdig, sondern alle werden von Gott würdig gemacht! Nur Jesus Christus war würdig (Offb 5,1-12).

Der Name Christi kann durch uns verherrlicht werden, indem wir würdig unserer Berufung wandeln (Joh 17,10). Das heisst natürlich allein durch Gottes Gnade (Tit 2,11-14). Auch wir werden durch Christus verherrlicht (Joh 17,10.22).