Die Wiederkunft Christi
Kapitel 2,1-16: Paulus erwähnt das Wirken des Geistes in Thessalonich.
Verse 1-2: In Philippi misshandelt und in Thessalonich viel Kampf erlebt.
Was erlitt Paulus und seine Mitarbeiter in Philippi? Apg 16,16-24. Bestimmt gehören noch andere schlechte Erlebnisse dazu, von denen wir nichts nachlesen können. Gelitten und misshandelt muss vermutlich im grösseren Umfeld betrachtet werden, als nur die Tatsache, dass sie als Römer viele Schläge erhielten.
Warum mussten sie das Evangelium in Thessalonich unter viel Kampf verkündigen (Apg 17,1-9)? Juden (wie Jason) in Thessalonich machten ihnen das Leben schwer. Schliesslich flohen sie aus der Stadt nach Beröa: Apg 17,10-15.
Lektion: Auch wir werden viel erdulden und leiden müssen für die Verkündigung des Evangeliums, trotzdem sollen wir uns in unserer Freimütigkeit nicht einschüchtern lassen (Apg 4,29). Schwierigkeiten in der Gemeinde können frustrierend und entmutigend sein. Statt aufzugeben, können wir uns an Paulus ein Vorbild nehmen und die Herausforderungen mehr als günstige Gelegenheiten von Gott betrachten. Denn der Herr allein ist es, der in den Herzen der Menschen etwas bewirkt (siehe Apg 16,14; 26,18; Offb 3,7; 1Thess 2,13).
Verse 3-8: Paulus verteidigt seinen Dienst in Thessalonich.
Die Widersacher griffen ihn auf verleumderische Weise an (wenn wir in den folgenden Versen zwischen den Zeilen lesen, dann könnten sich folgende Behauptungen ergeben): Es wurde behauptet, er folge irgendwelchen Hirngespinsten (V. 3). Er habe aus unlauteren Motiven gepredigt (V. 3) und versuche, andere in betrügerischer Absicht zu täuschen (V. 3). Er suche den Menschen mehr zu gefallen als Gott (V. 4). Er predige nur, um für sich selbst einen Vorteil zu verschaffen (V. 5+9).
Paulus verteidigt sich: Was er predigt ist kein Irrtum: 2Kor 2,13. Seine Verkündigung geschieht nicht aus Unlauterkeit, z. B. aus Neid und Streitsucht: Phil 1,15-17. Genügt die Ehrlichkeit und Lauterkeit eines Verkündigers des Evangeliums? Nein, keineswegs, denn es gibt viele, die es ehrlich und aufrichtig meinen und trotzdem falsch lehren oder einer Irrlehre glauben! Beispiel: Saulus (Apg 9,1), Kornelius (Apg 10,1-2), Petrus (Gal 2,6-10), Apollos (Apg 24-28). Deshalb sollten wir uns ehrlich fragen: Was ist meine Antriebskraft für meinen Glauben? Wer Gott wirklich dienen und gefallen will, der ist bereit zu leiden und hat eine lernende Gesinnung!
Er ist nicht mit Schmeicheleien (κολακεία) aufgetreten. Bedauerlicherweise gab es damals Menschen, die mit ihrem christlichen Glauben ein Geschäft machen wollten. Nicht jeder, der bei seiner Wortverkündigung Geld erbittet, ist ein falscher Prophet! Barclay schreibt: „Empfangt jeden Apostel, der zu euch kommt, wie den Herrn. Er soll einen Tag und falls nötig auch zwei Tage bei euch bleiben, doch falls er drei Tage bei euch bleibt, ist er ein falscher Prophet. Wenn der Apostel fortgeht, gebt ihm nichts weiter mit als das Brot, das er braucht, bis er die nächste Unterkunft erreicht. Wenn er euch aber um Geld bittet, ist er ein falscher Prophet ...“
Die Beziehung der Wortverkündiger (Paulus, Silas und Timotheus) zu den neugeborenen Gläubigen in Thessalonich war sehr eng und vorbildlich. Vielleicht wurde Paulus von anderen als Gewaltherrscher beschuldigt. Als Apostel Christi hat er im Reich Gottes sicher Macht, aber nicht nach weltlicher Weise, sondern nach göttlicher Weise (νήπιος). Er trat liebreich auf (νήπιος = liebreich, kindlich, unmündig), aber nicht unmündig im Denken, sondern unmündig in der Bosheit: 1Kor 14,20.
Paulus und seine Mitarbeiter waren wie „eine stillende Mutter“: Sie hat ihr Kind unter viel Schmerzen zur Welt gebracht. Sie ist um das gesunde Leben und das Wachstum besorgt. Sie steht Tag und Nacht zu Diensten, wann immer das Kind schreit. Sie schlägt es nicht, wenn das Kind beisst, statt saugt. Das schmerzt die Mutter, aber sie entzieht sich ihm nicht.
Sie waren voll herzlicher Zuneigung (ἱμείρομαι = liebevolle Gesinnung hegend): 2. Timotheus 2,24-26. Sie waren nicht nur sachliche Wortverkündiger, sondern warmherzige Menschen, die andere an ihrem Leben teilhaben liessen. Sie waren Wortverkündiger, die sich um andere kümmerten und sie in ihr Herz schlossen. Es gibt keine schönere Gemeinde, als wenn sich die Glieder von ihrem Prediger oder ihren Leitern geliebt und verstanden fühlen (Mt 12,12).
Verse 9-12: Paulus arbeitete Tag und Nacht.
Tagsüber arbeitete er als Zeltmacher (in Korinth mit Aquilla gemäss Apg 18,3). Aquila und Priscilla waren vermutlich nicht nur Zeltmacher, sondern handelten auch mit Leder und Zelten. Als Pharisäer oder Rabbi war es nicht üblich, dass sie für ihre Arbeit als Lehrer bezahlt wurden. So war Paulus schon in seiner Studienzeit daran gewöhnt, nebenbei zu arbeiten, um für sich Geld zu verdienen. Abends bis in die Nacht hinein arbeitete er als Prediger und Lehrer des Evangeliums. In Ephesus ermahnte er Tag und Nacht die Gläubigen, manchmal unter Tränen (Apg 20,30). Er wollte niemandem zur Last fallen (2Thess 3,8), obschon er eigentlich darauf hätte bestehen können, für seine harte Gemeindearbeit bezahlt zu werden (1Kor 9,3-18; 2Kor 11,7). Das bedeutet jedoch nicht, dass er auch demütig genug sein konnte, um Geld von Geschwistern anzunehmen (Phil 4,10-20). Die Grundeinstellung des Paulus zur Arbeit lautet (2Thess 3,10): „Wenn jemand nicht arbeiten will, soll er auch nicht essen.“
Paulus war ein unermüdlicher, harter Arbeiter, der auch bereit war, für den Herrn viel Leiden und Verachtung zu erdulden (1Kor 4,11-13). Die Berufe und Tätigkeiten in der Welt erfordern Schulung, Fähigkeit und Talent. Aber wie viele Berufe gibt es, die von den Arbeitern verlangen, dass sie heilig, gerecht und untadelig sind? – 1. Korinther 4,1-2. Paulus war ein wunderbares Vorbild, das nachgeahmt werden durfte: Philipper 3,17; Titus 2,6-7.
Niemand in der Gemeinde zu Thessalonich konnte Paulus und seine Mitarbeiter für irgend etwas anklagen, als sie weiterzogen; z. B. mit Gedanken wie: „Sie waren uns keine guten Vorbilder.“ „Sie liebten uns nicht, sondern beuteten uns aus.“ „Es gab etliche Probleme, über die nie gesprochen wurde.“ „Es gab Sünde in unserer Mitte, über die nie Busse getan wurde.“
Paulus ermahnte, ermunterte und beschwor die Gläubigen in Thessalonich!
- Ermahnen (παρακαλέω = herbei-zu-rufen, trösten): Hebr 3,13; 10,25.
- Ermuntern (παραμυθέομαι = zureden, ermutigen, raten) wird auch als Zuspruch (paramüthion) gebraucht: Phil 2,1.
- Beschwören (μαρτυρέω = beteuern, bezeugen): Eph 4,17.
Paulus vergleicht sich mit einem besorgten Vater: ein liebender Vater wird in jeder möglichen Form seine Kinder positiv ermahnen, ermuntern und erziehen. Das Ziel jeder Erziehung soll es sein, dass das Kind am Ende aufgebaut, lebensfähig und selbstständig wird: Eph 6,4.
Was ist das Ziel von Paulus in seiner harten Arbeit? – Gottes Verherrlichung! Wie verherrlichen wir Gott? – Indem wir würdig (ἀξίως) wandeln (περιπατέω). Würdig wandeln heisst, in Einklang handeln mit unserem Glauben an Gott und im Bewusstsein unserer Verantwortung gegenüber anderen (Phil 1,27). Wie eine fürsorgliche Mutter und wie ein besorgter Vater kümmerten Paulus und seine Mitarbeiter sich unermüdlich um die Bedürfnisse der Heiligen in der jungen Gemeinde zu Thessalonich.
Vers 13: Das gepredigte Wort wird als Wort Gottes aufgenommen.
Wie reagieren Menschen, die das gepredigte Wort als Meinung von Menschen verstehen? Sie fühlen sich angeklagt, verletzt, sind nicht einverstanden mit der Predigt und widerstreben allezeit dem Geist Gottes (2Tim 3,1-9). Für sie ist die Predigt Torheit und sie wollen Gottes Willen nicht hören. Sie verhärten sich und lehnen sich gegen die Verkündiger auf (1Kor 1,20-31). Sie sind nicht bereit, sachlich zu prüfen, ob das Gesagte wirklich von Gott kommt oder von einem Menschen (Apg 17,11; 1Joh 4,1-6).
Wie reagieren Menschen, die das gepredigte Wort als Wort Gottes aufnehmen? Sie sind dankbar und ahmen dem Beispiel der Verkündiger nach. Sie haben ihre Verkündiger besonders gern, sie respektieren sie und begegnen ihnen mit grösster Achtung: 1Thess 5,12. Der Mensch neigt dazu (Bsp. Apg 14,8-20), entweder die Predigt völlig abzulehnen und in die Opposition zu gehen, oder einen Verkündiger zu vergöttern ohne das Gesagte nachzuprüfen.
Verse 14-16: Satan vermag das Wirken des Geistes nicht zu hindern
Auch den Thessalonichern widerfuhr dasselbe wie den Glaubensgeschwistern an andern Orten. Wie die bekehrten Juden wegen ihres Glaubens von ihren Landsleuten in Judäa verfolgt wurden, so müssen die Thessalonicher dasselbe von ihren Landsleuten erdulden. Paulus erklärt, dass es die Juden waren, die Jesus Christus und viele gute Propheten verfolgt und getötet haben. Die Juden waren es, die nicht Gott zu gefallen leben, indem sie Christen verfolgen und Paulus und seine Mitarbeiter daran hindern, das Evangelium zu verkündigen. Paulus stellt weiter fest, dass die Juden gegen alle Menschen sehr feindselig sind und sich damit in der Bevölkerung unbeliebt machen. Am schlimmsten aber ist, dass sie sich bei Gott unbeliebt machen und damit Gottes Zorngericht gegen sich heraufbeschwören (2Petr 2,1-2.12-14).
Den Thessalonichern hatte der christliche Glaube zunächst keinen Frieden, sondern Trübsal beschert. Trotzdem lassen sie sich nicht vom Weg der Wahrheit abbringen. Paulus ermutigt sie m. a. Worten, dass sie in den Fussstapfen Christi stehen. Denn verfolgt zu sein ist eine Ehre für einen Christen, weil dies das Zeichen ist, dass er in die Reihen der Vorkämpfer für Christus steht: Mt 5,10-12; Lk 11, 49-51; Joh 15,20 (Apg 2,23).
Schlussfolgerungen: Wir sollten nicht verwundert sein, wenn Satan gottlose Menschen gegen uns aufhetzt. Doch er vermag das Wirken des Geistes auch bei uns nicht zu hindern! Auch Noah wurde oft ausgelacht, als er die Arche baute. Daniel wurde sogar in die Löwengrube geworfen, weil es in seiner Zeit illegal war, Gott anzubeten. Zum Vorbild in den Leiden und in der Geduld können wir die Propheten nehmen (Ja. 5,10). Die Tür ist eng, die zum ewigen Leben führt, und wir werden aufgerufen, ringend (mit Agonie) einzugehen: Lukas 13,22-24.
Kapitel 2,17-20: Sehnsüchtiges Verlangen des Paulus nach den Thessalonichern (Teil 1).
Kapitel 2, Verse 16-20: Unsere Hoffnung, Freude und unser Ruhmeskranz.
Paulus und seine Mitarbeiter wollten unbedingt zurück nach Thessalonich, um die Geschwister wiederzusehen. Doch leider blieb ihnen dieser Wunsch verwehrt, weil angeblich Satan eine erneute Begegnung verhindern konnte. Das bedeutet nicht, dass Satan mehr Macht hat als Gott! Das bedeutet, dass Gott eine weitere Begegnung mit den Thessalonichern, aus uns unerklärlichen Gründen, nicht zuliess. Wenn eine weitere Begegnung Gott gewollt hätte, dann könnte Satan dies auf keinen Fall verhindern.
Paulus lässt sich deshalb nicht verbittern, sondern blickt auf das Positive! Ist es nicht wunderbar, solche Worte von älteren Geschwistern zu hören, die uns zum Glauben geführt haben?
Im Griechischen gibt es zwei Begriffe für Krone:
diadema (= Zeichen der Erhabenheit, Hoheit, Würde eines Königs),
stephanos (= Zeichen des Sieges, des Preises, der Belohnung für einen gewonnenen Wettkampf).
Für Paulus sind die Thessalonicher sein Ruhmeskranz (στέφανος). Was für ein wunderschönes Kompliment! Jeder, der dem Herrn Jesus treu bleibt, empfängt die Krone des Lebens! (Jak 1,12; Offb 2,10). Paulus freut sich auf die Wiederkunft Christi, weil er dann mit den Thessalonichern für immer vereint sein wird.
Schlussfolgerung: Wenn unsere Pläne und Wünsche nicht in Erfüllung gehen, dann sollten wir uns nicht verbittern lassen, sondern vielmehr Gott um Weisheit bitten, um seinen Willen für uns zu erkennen.