AT28-Hosea-1: Einführung

Hosea und die Hure

 

 

Zeitabschnitt

Mosaisches Zeitalter:

Zerteiltes Reich (930-722 v. Chr.)
Krönung Rehabeams bis Untergang Samarias

 

Könige

Nordreich:

13Jerobeam II (793-753 v. Chr.) 

14Sacharja (753 v. Chr.)

15Sallum (752 v. Chr.)

16Menahem (752-742 v. Chr.)

17Pekaja (742-740 v. Chr.)

18Pekah (752-732 v. Chr.)

19Hosea (732-722 v. Chr.) 

Südreich:

10Asarja, Usia (792-740 v. Chr.)

11Jotham (750-732 v. Chr.)

12Ahas (735-715 v. Chr.)

 

Zeitgenossen

Amos, Jona, Jesaja, Micha, Joel

 

Name

Gott hilf 

 

Wirkungszeit

760 - 722 v. Chr. im Nordreich (2Kön 14,23 - 18,37)

Link: Die wichtigsten Ereignisse

 

Schlüsselwort

 Strafe

 

Thema

Hosea und die Hure

 

Besonderheit

Hosea heiratet eine Hure und zeugt mit ihr Kinder

 

Geschichtlicher Hintergrund

Hosia ist „Sohn des Beeri” (1,1) und war ein Zeitgenosse von Amos, der ebenfalls im Nordreich prophezeite, sowie von Jesaja und Micha, die etwa zur selben Zeit im Südreich prophezeiten. Er lebte und wirkte in den letzten Jahren Israels. Als 930 v. Chr. Jerobeam die Nachfolge Salomos antrat, teilte sich das Königreich in ein Süd- und Nordreich (1Kön 12). Zehn Stämme im Norden anerkannten Jerobeam als ihren König, während Juda, Benjamin und Simeon zu den Südstämmen zählten (Ri 1,3-17; 1Chr 12,26) und sich Rehobeam anschlossen. So entstanden die beiden Königreiche Israel und Juda, die für die kommenden zweihundert Jahre nebeneinander existierten. Israel steht für die zehn Nordstämme und Juda für die Südstämme.

Israel verliess Gott, indem es sich bewusst weigerte, auf das Gesetz zu hören oder ihm zu gehorchen. Das Volk versündigte sich gegen Gott und die Menschen. Sie trieben Götzendienst samt den Führern und begingen viele Sünden an ihren Mitmenschen: Lügen, Morden, Diebstahl, Ehebruch, Trunkenheit, Habgier, Betrug und einen Mangel an Güte. Sie verliessen sich mehr auf andere Völker (insbesondere Assyrien), ihre eigenen Waffen und Befestigungsanlagen statt auf Gott. Weil Gott sein Volk liebte, wäre er bereit gewesen, ihren Untergang zu verhindern und Israel wiederherzustellen, wenn sie zum Herrn zurückgekehrt wären.

Nach vielen Vorwarnungen der Propheten wurde das Nordreich 722 v. Chr. von den Assyrern angegriffen und in die Gefangenschaft verschleppt. Diese Stämme kehrten nie mehr aus ihrer Gefangenschaft ins Land zurück. Zu der Zeit, als Hosea auftrat und seine Botschaft von Gott niederschrieb (760-722 v. Chr.), fühlte sich das Volk sicher und stark (8,14; 10,1.13; 12,8).

 

Botschaft

Durch den Mund Hoseas klagt Gott sein Volk an, weil es sich von ihm abgewandt hat und anderen Göttern dient. Treue, Liebe und Gotteserkenntnis sind verlorengegangen (4,1). Gott hat sein Volk aus der ägyptischen Sklavschaft erlöst und in die Wüste geführt. Dort kümmerte er sich liebevoll um sein Volk (13,4-6). Während der Herr stets treu an seinem Volk handelte, wurde das Volk treulos und vergass den Herrn (2,15). Deshalb gab es keine Gotteserkenntnis mehr im Land (4,1).

Es wurden Götzen angebetet und „der Geist der Hurerei hat sie in die Irre geführt” (4,12). Folglich soll das Volk ausgelöscht werden (4,6), „denn es ist ohne Erkenntnis!” Ihr Problem bestand darin, dass sie glaubten, Schlachtopfer und Brandopfer könnten Treue und Gotteserkenntnis ersetzen (6,6). Doch sie irrten sich auf tragische Weise.

Hosea ruft das Volk auf (6,6): „So lasst uns ihn erkennen, lasst uns jagen nach der Erkenntnis des Herrn.” Dabei geht es nicht bloss darum, etwas über Gott zu wissen und an seine Existenz zu glauben. Es handelt sich vielmehr um eine erfahrungsbezogene Erkenntnis Gottes, die auf Treue zum Herrn und gehorsam zu seinem Wort beruht. Es geht um die Beziehung zum Herrn (Joh 17,3).

 

Die Ehe Hoseas

Auf Gottes Anweisung heiratete Hosea eine Prostituierte namens „Gomer“ (1,2). Sie gebar ihm drei Kinder, denen Gott jeweils den Namen gab, um mit ihnen die Sünde Israels und den dringenden Aufruf zur Umkehr zu verdeutlichen.

Der erste Sohn heisst Jesreel (1,4) und bedeutet „Gott sät”. Der Name scheint ein Wortspiel zu sein und kann demzufolge auch „Gott zerstreut” bedeuten. Im prophetischen Zusammenhang bedeutet das, dass Gott das Volk strafen, zerstreuen und später wieder ansäen wird im Land (2,22-23).

Das zweite Kind war eine Tochter und heisst Lo-Ruchama (1,6). Das bedeutet „nicht erbarmen oder nicht vergeben”. Gott kennt mit Israel kein Erbarmen mehr. Er wird ihnen nicht mehr vergeben.

Das dritte Kind war wieder ein Sohn und erhielt den Namen Lo-Ammi (1,9); das bedeutet „nicht mein Volk”. Gott hat Israel verworfen und das Volk ist nicht länger sein Volk und er ist nicht länger ihr Gott.

Diese drei Kinder widerspiegeln die Beziehung des Volkes zu Gott und das bevorstehende Gericht, das über die zehn Stämme hereinfallen wird (722 v. Chr.).

 

Theologische Fragen

Es gibt zwei Fragen, die die Ausleger besonders beschäftigt.

Eine Frage bezieht sich darauf, ob die Geschichte Hoseas und seiner Frau Gomers eine historische Erzählung ist oder nur ein Gleichnis. Wenn sie historisch ist, war Gomer bereits eine Prostituierte, als Gott zum ersten Mal zu Hosea sprach oder wurde sie später eine? Eigentlich spricht der biblische Text ganz klar vom Auftrag Hoseas, eine Prostituierte zu heiraten (1,2). Durch die Heirat Hoseas mit einer Prostituierten wurde noch kein Gesetz gebrochen.

Eine andere Frage zweifelt, ob Gomer tatsächlich eine Prostituierte war. Es wird argumentiert, dass eine solche Ehe Gottes Beziehung zu Israel nicht wirklich widerspiegeln würde, da Israel rein und treu war, als sie mit Gott vermählt wurde. Eine Antwort auf diesen Einwand ist, dass nicht jeder Aspekt einer Analogie perfekt mit allem übereinstimmen muss. Zudem war Israel zum Zeitpunkt des Bundesbeschlusses (Ex 19) bereits untreu und wandte sich mehrmals von Gott ab. Kurz nach dem Bundessbeschluss, der eine Vermählung darstellt, baute das Volk ein goldenes Kalb (Ex 32). Gott machte dem Volk von Anfang an deutlich, dass er sie nicht wegen ihrer Gerechtigkeit ins verheissene Land führte (Dtn 9,4).

 

Bildliche Sprache

Hosea verwendet viele Redewendungen und benutzt dazu gerne die bildliche Sprache, um das Volk Israel zu beschreiben. Israel ist:

4,16: Eine störrische Kuh, die sich weigert, von Gott führen zu lassen.

7,8: Ein nicht gewendeter Fladen, der durch die Vermischung mit den Völkern wertlos geworden ist.

7,9: Ein alter Mensch, der sich seiner Unzulänglichkeiten nicht bewusst ist.

7,11: Eine arglose Taube, ohne Verstand, der es an Vertrauen in Gott mangelt.

7,16: Ein schlaffer Bogen, der in die falsche Richtung zielt.

10,1: Ein üppiger Weinstock, der seine Frucht selbstsüchtig zum Götzendienst missbraucht.

4,6 und 9,8: Priester und Prophet. Das Volk wurde allgemein mit Priestern als auch mit Propheten verglichen.

10,11: Israel wurde als junge und kräftige Kuh bezeichnet, die ans Dreschen gewöhnt wurde, doch sie war störrisch (4,16).

6,4: Israels Treue wird mit einer Wolke am Morgen verglichen und mit dem Tau, der bald vergeht.

13,1-3: Der Prophet bekräftigt, dass Israel nicht bestehen wird, weil sie wie eine Wolke am Morgen, wie der Tau, wie Spreu und wie Rauch aus einem Schornstein vergehen wird.

7,4-7: Heisser Ofen. Israels Führer werden mit einem heissen Backofen verglichen, der unkontrolliert brennt von Machtgier und Mordlust.

8,8: Unerwünschtes Ding oder Gefäss. Israel ist wie ein Gefäss geworden, an dem niemand Gefallen findet, das niemand haben will.

 

Wichtige Bibelstellen

- Hosea 1,10 und Römer 9,25-26

- Hose 2,23 und Römer 9,25-26; 1Petr 2,10

- Hosea 4,1-14

- Hosea 6,1-3 (Vorhersage einer Auferstehung?)

- Hosea 6,6 und Matthäus 9,13; 12,7 (1Sam 15,22)

- Hosea 10,8 und Lukas 23,30; Offb 6,16

- Hosea 11,1 und Mattthäus 2,15

- Hosea 13,14 und 1. Korinther 15,55

 

Messianische Hoffnung

Hosea 3,5 sieht eine Zeit voraus, in der Israel den Herrn und David, seinen König, suchen wird. Damit ist die neutestamentliche Zeit gemeint, in der Christus mit seinem Kreuzestod den Weg zu Gott für alle Menschen neu eröffnen wird. Juden, die sich am Herzen beschneiden lassen werden in Ehrfurcht mit Gott und seinem ewigen König vereint.

 

 

Links

- Tabellen-AT13: Königsherrschaften

 

- Tabellen-AT14: Könige im Südreich

 

- Tabellen-AT15: Könige im Nordreich

 

- Tabelle-2: Tabelle mit allen Propheten

 

- Tabelle-3: Zeitperioden der Propheten

 

- Tabelle-4: Propheten des Nord- und Südreichs