Ester-1: Einführung

Gottes Fürsorge für sein Volk

 

 

ZEITABSCHNITT

Mosaisches Zeitalter:

8. Zeit nach dem Exil (536-400 v. Chr.)
Von der Rückkehr aus dem Exil bis zum Abschluss des alltestamentlichen Textes

 

ZEIT

ca. 483-474 v. Chr. (chronologisch kann das Buch Ester vor dem 7 Kapitel Esras eingereiht werden).

 

ORT

In der Burg von Suschan (Susa), beim persischen Golf, 240 km östlich von Ur.

 

DIE WICHTIGSTEN EREIGNISSE IN DIESER ZEIT

597 v. Chr.:
Der judäische König, Jehojachin20 (regierte drei Monate lang), wurde mit Mordochai und seiner Sippe nach Babylon in die Verbannung geführt (2Kön 24,15; Est 2,5-6).

539 v. Chr.:
Die Medo-Persische Herrschaft beginnt (539-333 v. Chr.). Kyros (Kores) erobert Babylon (Jes 13,17). Daniel sah in einer Vision, wie die beiden Mächte, Median und Persien, die östliche Welt dominieren (Widder mit zwei Hörnern: Dan 8,3-4.20).

515 v. Chr.:
Nachdem die Juden in ihr Land zurück durften, bauten sie den Tempel wieder auf und vollendeten die Arbeiten im Monat Adar (letzter Monat des Jahres, Esr 6,15-18).

483 v. Chr.:
Xerxes I (Ahasveros) veranstaltet ein grosses Festmahl.

479 v. Chr.:
Ester wird Königin in Persien (Est 2,16).

474 v. Chr.:
Die Juden feiern das erste Mal das Purimfest zum Gedenken an ihre Bewahrung vor Haman (3,7; 8,12).

458 v. Chr.:
Esra verlässt Babylon und kehrt mit ca. 1800 Deportierten nach Jerusalem zurück (Esr 7,1 - 8,36).

457-446 v. Chr.:
Lücke von 12 Jahren (zwischen dem Ende des Buches Esra und dem Anfang des Buches Nehemia).

446 v. Chr.:
Nehemia erhält die Kunde vom Elend der Juden in Jerusalem (Neh 1,1).

445 v. Chr.:
Nehemia reist nach Jerusalem (Neh. 2,9) und wird Statthalter von Juda (445-433: Lücke von 12 Jahren). Nehemias Rückkehr nach Susa. In 52 Tagen wird die Stadtmauer aufgebaut (Neh 6,15).

433 v. Chr.:
Nehemia reist zum zweiten Mal nach Jerusalem (Neh 13,6-7).

 

PURIMFEST

Purim bedeutet Los und wird im 12. Monat Adar, am 13.-14. Tag gefeiert (9,21). Der Ursprung dieses Festes liegt in der Verschwörungsaufdeckung des Haman (3,8-15; 5,9-14; 7,7-10; 9,25). Da er ein ungläubiger Mann war, warf er das Los, um einen günstigen Tag zu finden. Das Wort „Pur“ (puru) bedeutet „Kieselstein“ oder „kleiner Stein“, der oder die zum Loswerfen benutzt wurden (9,24). Die Juden feiern noch heute das Purimfest, indem sie einander Speisen und Geschenke zu kommen lassen (9,19).

 

PERSONEN

Könige Medo-Persiens:

1.  Darius I (der Grosse), 521-486 v. Chr.

2. Sohn Xerxes I (Ahasveros), 486-465 v. Chr.

Er regierte von Indien bis nach Äthiopien über 127 Provinzen (1,1). Er hatte 7 Harems (1,10). Er hatte 7 Fürsten, von denen er sich beraten liess (1,13-14). Er war ein emotionaler König voller Widersprüche, der grosse Entscheidungen schnell widerrief. Er liebte es, Feste zu feiern (1,3). Er feierte ein halbes Jahr mit den Vornehmen und Fürsten der Provinzen (1,4). Anschliessend veranstaltete er ein sieben tägiges Festmahl für das Volk in Susa (1,5). Auch Ester konnte sich mit einem Festmahl bei ihm Gehör verschaffen (5,4-5).

3. Artaxerxes I (Longimanus, Esr 7-10 und Neh 1-2)

Waschti (Vasthi) wird (482 v. Chr.) abgesetzt, weil sie sich dem König verweigert (1,5-22). Da es Frauen nicht erlaubt war, mit den Männern zusammen zu feiern, veranstaltete Waschti für die Frauen ein eigenes Fest (1,9). Waschti war stolz und wollte sich nicht wie die Harems Damen vor allen Herrschern, die am Fest anwesend waren, vorführen lassen. Das erzürnte den König, so dass er sie absetzte und sich von ihr scheiden liess.

Ester (persisch), Hadassa (hebräisch, 2,7), eine Jüdin, wird zur neuen Königin gekrönt (479 v. Chr., 2,16-17).

- Sie hat keinen Vater und keine Mutter mehr (2,7).

- Sie ist die Pflegetochter Mordochais (2,7.20).

- Sie ist jung, schön und anmutig d.h. liebenswürdiges Verhalten (2,7).

- Sie sagte niemandem, dass sie jüdischer Herkunft war (2,10).

- Sie erbittet sich beim König etliches und rettet so das Leben ihres Onkels und die Ausrottung ihres Volkes.

Mordochai (Mardochai)

Ein Jude, der um das Leben anderer besorgt ist (10,3). Er nimmt Ester als Pflegetochter zu sich (2,7). Er deckt eine Verschwörung gegen den König auf (2,21-23). Er ist der Onkel Esters (2,7). Er glaubt unerschütterlich an Gott und ist niemals bereit, Menschen zu vergöttern (3,2-4).

Haman der Agagiter

Er erhält den Siegelring des Königs mit der höchsten Vollmacht (3,1.10). Er ist der Widersacher, der den Plan ausheckt, das jüdische Volk im medo-persischen Reich auszumerzen (3,9). Er lässt den Pfahl für Mordochai aufrichten (5,14) und endet schliesslich selbst am Pfahl, weil die Sache durch Ester eine Wendung erfahren hat (7,6.10).

 

ÜBERBLICK ZUM INHALT

1.  Viele Juden lebten noch in der Zerstreuung und kehrten nicht ins Heimatland zurück.

2.  Im Zusammenhang mit einem Fest verstösst der persische Grosskönig Ahasveros (Xerxes I, 486-465 v. Chr.) seine bisherige Lieblingsfrau Waschti, die sich ihm verweigerte (Kap. 1).

3.  An ihrer Stelle wird Ester, mit dem jüdischen Namen Hadassa, Cousine und Pflegetochter des Juden Mordochai, der in Susa wohnt und aus vornehmer jüdischer Familie stammt, Königin (Kap. 2).

4.  Danach plant der zweite Mann des Perserreichs, der Agagiter Haman, einen vernichtenden Schlag gegen die Juden, ohne zu wissen, dass Ester Jüdin ist (Kap. 3).

5.  Mordochai bewegt Ester zur Fürbitte für ihr Volk, worauf Ahasveros Haman hinrichten lässt (Kap. 4-7).

6. Mordochai wird Hamans Nachfolger. Als solcher gewinnt er zusammen mit Ester den Perserkönig zu einem neuen Edikt, das den Juden Notwehr gegen ihre Feinde erlaubt (Kap. 8).

7. Als die Juden am 13. Adar (473 v. Chr.) angegriffen werden, siegen sie (Kap. 9,20-32).

8. Mordochais Regierung ist für Persien und für sein jüdisches Volk höchst segensreich (Kap. 10).

 

BOTSCHAFT

1.  Das Buch zeigt die Liebe, Treue und Vorsehung Gottes gegenüber seinem in der Zerstreuung lebenden Volk. Die Gemeinde Gottes ist trotz ihrer Untreue nicht von Gott verlassen. Sie lebt in der Gefangenschaft wie Schafe unter Wölfen. Der gottlosen Aufforderung zur Menschenvergötterung kann sie nicht nachkommen.

2.  Ester wird zum Schatten für Jesus Christus. Ihre Bereitschaft, ihr Leben hinzugeben für ihr Volk, und ihre Fürbitte vor dem König machte sie zur Vermittlerin der Errettung ihres ganzen Volkes. Sie ist ein Bild für Jesus, der sein Leben hingegeben hat und sein Volk fürbittend vor Gott vertritt. Sie ist ein Bild der Gemeinde Jesu Christi, die sich bereitmacht, dem ewigen König zu begegnen. n Ihrer Begnadigung, da sie das goldene Zepter berührt, weist sie auf die Gnade hin, die jedem widerfährt, der demütig bittend vor den König der Könige tritt.

 

LEKTIONEN

1.  Auch wir leben heute mitten in der heidnischen Welt und sollen uns zu keinerlei Handlungen zwingen lassen, die Gott widerstreben.

2.  Gott kommt seinen Gläubigen Kindern zu Hilfe und ist mächtig, sie aus allen Verschwörungen zu retten.

3.  Trotz aller weltlichen Widerstände bewahrt Gott sein Volk vor dem Untergang und nichts kann das Kommen des Messias aufhalten.

4.  Schlüsselwort: Vorhersehung (göttliche Fügung).

 

Links

- Überblick der biblischen Zeitalter